Ein Mirakel ohne Makel

Gedanken zu Weihnachten von Pfarrerin Eva Eiderbrant

Nach dem Kriegsende schrieb C. S. Lewis ein Buch. Ja, ich meine der C. S. Lewis, mit den wunderbaren Narnia-Büchern. Er schrieb auch viel anderes, Meditationsbücher, theologische Bücher, unter anderem eben dies, das ich gerade lese. Oder eben, versuche zu lesen. Das Buch heisst «Mirakel». Wäre dieses Buch heute geschrieben, würde es mit diesem Titel sicher Engel oder Heilung im esoterischen Sinn behandeln. Dieses Buch aber, wenige Jahre nach dem Kriegsende verfasst, hat ganz andere Gedanken darüber, was Mirakel sind.

Und wenn ich so das Buch lese muss ich mit Verlegenheit feststellen, dass ich trotz all der Jahre an der Uni nur so knapp folgen kann. Meine intellektuellen Fähigkeiten werden schön herausgefordert. Und obwohl ich mir eher dumm vorkomme, ist es sehr erheiternd, ein Buch über religiöse Phänomene zu lesen, welches von Intelligenz, Logik und tiefem Wissen nur so trieft. Von der Banalität, welche nicht so selten moderne Erörterungen über das Übernatürliche begleitet, ist hier nichts zu spüren. Im Gegenteil. Mit einer ungeheuer präzisen Argumentation kommt C.S. Lewis zum Schluss, dass das grösste Mirakel die Vernunft sei. Die Vernunft! Die Logik! La raison!

Ist nicht Vernunft das pure Gegenteil zum Übernatürlichen, zum Mirakulösen? Eben nicht, sagt Onkel Narnia.

Brillante Gedanken

Seine Gedanken sind brillant, bestechend, beeindruckend, aber mir unmöglich, wiederzugeben. Trotzdem verzaubert mich, was er sagt. Und vor allem fasziniert mich, so gerade vor Weihnachten, seine Schlussfolgerung. Die ist nämlich, dass die Geburt Jesu, die sogenannte Inkarnation Gottes, die höchste Form der Vernunft ist. Und gerade deswegen ist es ein Mirakel. Ein Mirakel, welches erlaubt, dass die grosse Intelligenz Gottes, la raison, das Leben, den Menschen, die Welt und Gott selbst sichtbar macht. Ein Mirakel – ohne Makel.

Mir wird eher schwindlig, wenn ich so höre was er sagt. Und trotzdem kann auch mein verdunkeltes Denken etwas Grossartiges hier erahnen: Dass Gott sich als Mensch zeigt, gibt uns Anteil an der grössten, schöpfenden Kraft Gottes. Und auch wenn wir nicht genau verstehen wie – es hat Wirkung, es zu glauben. (Zum Glück auch dann, wenn man der Gedankenwelt dahinter nicht folgen kann). C. S. Lewis sagt: wir wissen nicht, dass die Sonne da ist, in dem, dass wir die Sonne genau sehen. Wir wissen es, weil wir alles andere genau sehen.

Gottes Licht

Wenn ich also Gott – die höchste Intelligenz – ins Zentrum meines Lebens stelle, sehe ich alles in einem erhellenden Licht. Ich sehe nicht Gott, ich sehe nicht den Himmel und alle Engel, aber ich sehe, wie es ist. Ich kann nun erfahren, was Gott mit mir will, und was Gott in dieser Welt erwirkt. Und da dieser Gott ein kleines Kind wird in einer Krippe, werde ich auch nicht verblendet, erblindet, von diesem Licht, sondern beleuchtet, erhellt und gewärmt. Das ist Mirakel genug, zumindest für mich.

Ich wünsche Ihnen frohe Weihnachtstage!

Pfarrerin Eva Eiderbrant, Obfelden

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