Ein Neubau – auch gegen den Mitgliederschwund
Machbarkeitsstudie für ein neues Kirchgemeindehaus in Obfelden

Auch mit einem attraktiveren Raumangebot will die reformierte Kirchgemeinde Obfelden dem Mitgliederschwund begegnen. Anlässlich der Kirchgemeindeversammlung präsentierte die Kirchenpflege die Machbarkeitsstudie für einen Neubau und will dazu eine Begleitgruppe bilden.
Unpraktisch, ungenügende Akustik und Isolation, zu kleine Räume: So beschrieb Kirchenpfleger und Liegenschaftenvorstand Hansjörg Schneebeli das Kirchgemeindehaus an der Räschstrasse. Ein Neubau auf dem rund 1500 Quadratmeter grossen Areal, zu dem auch das kircheneigene Einfamilienhaus nebenan gehört, wird nicht nur aus diesem Grund ins Spiel gebracht. Mit einem neuen Raumangebot soll auch dem Mitgliederschwund begegnet werden. 2010 betrug der Anteil der reformierten Bevölkerung in Obfelden noch 37 Prozent, heute sind es 24 Prozent. Derzeit beträgt der Anteil der Reformierten in der 6000-Einwohner-Gemeinde noch rund 1450 Personen. Sind es in zehn Jahren noch 1000, so stünde der Gemeinde noch eine 50-Prozent-Pfarrstelle zu. Mitgliederschwund ist kein Obfelder Phänomen, auf Bezirks- und Kantonsebene ist es ähnlich. Kirchenaustritte werden in Obfelden zwar durch Zuzug noch teilweise wettgemacht, aber Hansjörg Schneebeli sagt: «Wenn wir nichts machen, stirbt die Kirchgemeinde aus – auch, weil der aktive Teil älter wird.»
Für ein attraktives Angebot einer Kirchgemeinde ist nicht nur das Kirchenleben wichtig, sondern auch Räume, in denen dieses Angebot «gelebt» werden kann. Und das ist im jetzigen Kirchgemeindehaus neben der Kirche nur beschränkt möglich – unter anderem wegen der zu kleinen Räume. Auch aus diesem Grund bringt nun die Kirchenpflege einen Neubau auf dem Areal ins Spiel, der mit dem Abbruch der beiden Liegenschaften verbunden ist. Die präsentierte Machbarkeitsstudie beinhaltet 280 Quadratmeter Nutzfläche für die Kirchgemeinde, wozu auch ein grösserer Mehrzweckraum gehört. Laut Hansjörg Schneebeli wären neun vermietbare Wohnungen möglich, die der Kirchgemeinde entsprechende Mieteinnahmen generieren: schätzungsweise rund 240000 Franken. Der Kirchgemeinde blieben damit rund 70000 Franken, um die Pfarrstelle «halten» zu können. Die Baukosten werden auf 6 bis 7 Millionen Franken veranschlagt. 1.5 Millionen Franken müssen per Darlehen aufgebracht werden, während die Bank 70 Prozent des Finanzbedarfs decken kann. Die Idee eines Neubaus stiess bei den Stimmberechtigten an der Kirchgemeindeversammlung auf ein positives Echo. Die Kirchenpflege sucht nun Personen, die in einer Begleitgruppe mitmachen. Ob bereits an der nächsten Kirchgemeindeversammlung im Dezember 2026 ein Projektierungskredit beantragt wird, ist noch offen.
Rekurs gegen Solardach
Im Rahmen der Kirchgemeindeversammlung wurde auch bekannt, dass der Verein Zürcher Heimatschutz gegen die Pläne eines Solardachs auf der Kirche beim Baurekursgericht einen Rekurs deponiert hat. «Uns hat das nicht überrascht», sagte Hansjörg Schneebeli, für den die Chancen für ein Solardach nach wie vor intakt sind. Nirgendwo sei die Schutzwürdigkeit des Dachs erwähnt. Für die Kirchenpflege sei auch klar, dass hier keine erhebliche Schutzbeeinträchtigung vorliege. Ins Gewicht falle ausserdem, dass sowohl Baudirektor Martin Neukom als auch die politische Gemeinde für ein Solardach seien. Anfänglich sei die Chance bei 0 bis 10 Prozent gewesen, jetzt liege sie bei 50:50. Mit einem Entscheid rechnet Schneebeli frühestens Ende Jahr.
Von sieben auf fünf
Vor diesen Infos stimmte die Kirchgemeindeversammlung einer Anpassung der Kirchgemeindeordnung (KGO) zu. Die Kirchenpflege wird von sieben auf fünf Mitglieder reduziert. Sieben Mitglieder sind ohnehin schon seit geraumer Zeit Geschichte. Immerhin kann nun die Pflege mit Susanne Allenspach komplettiert werden. Ausserdem findet gemäss angepasster KGO künftig die Wahl von Pfarrerinnen oder Pfarrern nicht mehr an der Urne, sondern im Rahmen der Kirchgemeindeversammlung statt. «Damit vermeiden wir komplizierte Verfahren und lange Fristen», fügte Kirchenpflegepräsidentin Samantha Böhlen an. Genehmigt wurde auch die Rechnung 2025, die mit einem Überschuss von gut 170000 Franken abschliesst. Dieser Überschuss ist im Wesentlichen auf die Neubewertung der Liegenschaft Räschstrasse 10 zurückzuführen.


