Ein rationaler oder ein Herzensentscheid

Auf Anfang 2022 schliessen sich neun reformierte Kirch­gemeinden im Bezirk Affoltern zu einer neuen Kirchgemeinde zusammen. Unter welchem Namen, darüber entscheiden die Stimmberechtigten am 7.März. Ob «Knonauer Amt» oder «Säuliamt» ist eine Frage des Herzens oder der Ratio.

«Reformierte Kirche Knonauer Amt» oder...

«Reformierte Kirche Knonauer Amt» oder...

... «Reformierte Kirche Säuliamt», welche Version ist die bessere? (Bilder zvg.)

... «Reformierte Kirche Säuliamt», welche Version ist die bessere? (Bilder zvg.)

Im Herbst 2020 haben die neun evangelisch-reformierten Kirchgemeinden Aeugst, Affoltern, Bonstetten, Hausen, Hedingen, Maschwanden, Mettmenstetten, Ottenbach und Rifferswil dem Zusammenschluss zu einer Kirchgemeinde zugestimmt. So weit, so gut. Der Zusammenschluss wird auf den 1. Januar 2022 hin erfolgen. Vorher aber kommt es am 7. März 2021 noch zu einer Abstimmung. Die Gutheissung der neuen Kirchgemeindeordnung dürfte dabei eher eine Form­sache sein. Zu entscheiden haben die Stimmberechtigten aber auch über den Namen der neuen Kirchgemeinde. «Kirchgemeinde Knonauer Amt» oder «Kirchgemeinde Säuliamt»? Über ­diese Frage gehen die Ansichten schon eher auseinander.

Von den neun Zusammenschlussgemeinden geben deren fünf Stimm­freigabe. Vier Kirchgemeinden aber beziehen Stellung. Bonstetten und Hedingen treten für «Säuliamt» ein, Mettmenstetten und Ottenbach für «Knonauer Amt». Ebenfalls für die Knonauer ­Variante tritt die Projektorganisation ein, welche die Zusammenschlussformalitäten regelt. «Die Projektorganisation legt Wert auf die Aussenwirkung eines Namens», sagt deren Präsident Hans ­Asper, der auch die Kirchenpflege Affoltern präsidiert. Das umgangssprachlich geläufige «Säuliamt» sei für eine optimale Aussenwirkung wenig geeignet. «Knonauer Amt» sei die sachlichere ­Bezeichnung, sie nehme Bezug auf die Region und sei sprachlich neutral.

Geeigneter Name nicht ganz einfach

Insgesamt ist aber die ganze Sache für Hans Asper keine epochale Frage. Man könne mit beiden Namen gut leben und überlasse es gern den Stimmberechtigten, welche Variante sie bevorzugten. «Wichtig ist, dass die neue Kirchgemeindeordnung angenommen wird. Das ist die Voraussetzung dafür, dass die neue Kirchgemeinde arbeiten kann.»

Die Frage des Namens einer grossen Kirchgemeinde mag in der Tat nicht als eine der bewegendsten Fragen in der heutigen Zeit erscheinen. Ganz einfach ist aber ein geeigneter Name auch nicht zu finden. So lässt sich argumentieren, sowohl «Knonauer Amt» wie «Säuliamt» seien nicht ideal, da ja vier Kirchgemeinden im Bezirk nicht dabei sind. Und «Knonauer Amt» ohnehin nicht, da ja Knonau selber nicht mitmacht. «Es ist nicht unsere Aufgabe, im Namen zum Ausdruck zu bringen, dass nicht alle Kirchgemeinden mit dabei sind», meint dazu Hans Asper. «Auch wenn Knonau nicht dabei ist, wir sind trotzdem im Knonauer Amt.»

In Betracht gezogen wurde zeit­weise auch die Bezeichnung «Kirchgemeinde am Albis». Dagegen hat sich jedoch die Kirchgemeinde Sihltal ausgesprochen, die fand, dieser Begriff sei nicht optimal, da der Albis den Übergang vom Sihltal zum Säuliamt bilde und die Albisser – die Langnauer – zur Kirchgemeinde Sihltal gehörten. Hinzu kommt, dass etwa die Ottenbacher oder Maschwander in ziemlichem Abstand zum Albis zu Hause sind.

«Schweinchenamt»

Klar für die Version «Kirchgemeinde Knonauer Amt» tritt man in Ottenbach ein. «‹Kirchgemeinde Säuliamt› tönt ­komisch und unseriös», findet Kirchenpflegepräsident Hans Peter Stutz. «Das passt nicht zu einer Kirche. «Knonauer Amt» sei sehr viel seriöser und passe besser zur Institution Kirche. «Säuliamt» töne sehr regional und sei zwar Menschen aus dem Bezirk vertraut, Auswärtigen hingegen nicht. «Säuliamt» sei ein zürichdeutscher Begriff. Die beiden Pfarrerinnen von Ottenbach seien der Ansicht, «Pfarramt Säuliamt» klinge irgendwie wie ein Witz. Die eine Pfarrerin ist Deutsche, und insbesondere ihr käme der Begriff unpassend vor. «In der hochdeutschen Sprache», so fügt Hans Peter Stutz mit einem Schuss Humor hinzu, ­«müsste man das ja mit Schweinchenamt ­übersetzen.»

Judith Grundmann, Präsidentin der Kirchenpflege Bonstetten, hat ebenfalls deutsche Wurzeln. Sie und ihre Kirchenpflege hingegen votieren für die Bezeichnung Säuliamt: «Dieser Name ist sehr viel persönlicher, emotional viel ansprechender. Der Begriff Säuliamt ist wichtig, um eine Beziehung herzustellen, damit kann man sich viel besser identifizieren.» Knonauer Amt als Bezeichnung für die neue Kirchgemeinde, der neun bisherige Kirchgemeinden angehören, sei schon darum nicht ideal, weil die reformierte Kirchgemeinde Knonau beim Zusammenschluss nicht mitmache. Judith Grundmann ist froh, dass darüber abgestimmt wird am 7. März. So entstehe nicht das Gefühl, dass «die da oben» diese Frage entscheiden würden. «Ich hoffe, dass die Entscheidung für den einen oder andern Namen deutlich ausfällt und dass dies dann auch von allen akzeptiert wird.»

Auch in Hedingen tritt man für «Säuliamt» ein. «Das Säuliamt ist ein Stück Heimat und dieser Begriff verkörpert das auch zu einem gewissen Grad», sagt Kirchenpflegepräsident ­Peter Ott. «Wir selber sagen ja auch von uns, wir sind Säuliämtler.» «Knonauer Amt» hingegen sei vor allem eine korrekte, eine offizielle Bezeichnung, die auf der rationalen Ebene funktioniere, derweil «Säuliamt» die Menschen auf der Gefühlsebene anspreche. Doch letztlich, so Ott, sei der Name ja nicht matchentscheidend, wichtig sei, was man aus der fusionierten Kirchgemeinde mache, was inhaltlich dabei herausschaue.

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