Ein Tag Arbeit für ein Pfeifenunikat
«Pfeifen sind meine Leidenschaft», sagt Roman Peter. In seiner Werkstatt in Affoltern fertigt er in Handarbeit exklusive Pfeifen, veredelt vorkonfektionierte und repariert antike Pfeifen, die zwar nicht aus der Antike stammen, aber schon mal 400 Jahre alt sein können.

Als Erstes steigt der Geruch in die Nase. Ein feiner Geruch nach Tabakrauch und Holz, der jedoch nicht einem feinen englischen Tea-Salon entströmt, sondern in der Luft hängt in Roman Peters Werkstatt an der Werkstrasse in Affoltern. Klassische Musik sorgt für einen gediegenen Klangteppich. Hier ist sein Reich, in dem der 57-jährige Pfeifenbauer aus Ottenbach seiner Leidenschaft nachgeht. Wohin das Auge blickt, der ganze Raum ist gefüllt mit allen Utensilien, die es für dieses Handwerk zur Herstellung und Bearbeitung von Pfeifen braucht: Holz, Werkstattgeräte, Werkzeuge aller Art, vor allem Feilen und Pinsel, in unzähligen Schubladen und Schachteln liegen Zubehörteile. Und überall auf den Tischen und Werkbänken liegen Pfeifen, fertig hergestellte, unfertige Rohlinge oder auch misslungene oder defekte Pfeifenköpfe.
Roman Peter ist der einzige Pfeifenbauer in der Schweiz, der von seiner Arbeit leben kann. «Pfeifenbauen, das ist für mich eine Leidenschaft», erklärt Peter. «Angefangen hat es als Jugendlicher. Mich faszinierten Pfeifenraucher, es waren ruhige Menschen. Interessante Menschen mit Ausstrahlung, die immer etwas zu erzählen wussten und auch zuhören konnten.» Vom Vater erhielt er mit 15 Jahren eine Pfeife geschenkt, damit er nicht mit Zigarettenrauchen beginne. In seiner Lehrzeit als Schreiner fertigte er erstmals eine Pfeife an, «nicht das schönste Modell, aber technisch tipptopp». Ein Freund sagte während einer Diskussion zu ihm: «Roman, deine Zukunft sind Pfeifen.» So begann er 1985 in einer Werkstatt in der Stadt Zürich, erlernte mit dem Restaurieren alter französischer und deutscher Möbel das Handwerk. Eines Tages fragte er eine Bank an der Zürcher Bahnhofstrasse an, ob er eine Pfeifenausstellung einrichten könne. Diese sagte zu – und so nahm das Ganze seinen Lauf.
Feilen für die richtige Form
Einen Tag Arbeit, rund acht Stunden, benötigt die Herstellung einer sogenannten Freehand Pipe. Jede ist ein Unikat, handgefertigt aus Bruyèreholz. Dieses stammt aus baumförmigem Heidekraut, einer Erika-Art, die im Mittelmeerraum auf kargen, steinigen Böden wächst. Für die Pfeifen wird das «Geschwür» verwendet, wie Peter es nennt, eine Knolle zwischen Stamm und Wurzel, die unmittelbar unter der Erdoberfläche zu finden ist. Dieses Holz ist ausserordentlich hitzebeständig – was für Pfeifen wichtig ist – und weist beim richtigen Schliff eine schöne Maserung auf. Peter bezieht es direkt von Bauern aus Italien und Griechenland. Zur Pfeifenherstellung zeichnet er auf dem Holzstück die Silhouette des Pfeifenkopfs auf und sägt diesen grob aus. Danach wird das Loch maschinell ausgebohrt. Schliesslich folgt die Feilarbeit, ein stundenlanges, ausdauerndes Feilen so lange, bis der Pfeifenkopf die gewünschte Form aufweist. Vor dem abschliessenden Feinschliff und Polieren wird das Holz mit Wasserfarbe getränkt, die ihm seine individuelle Farbtönung gibt. Die Mundstücke produziert Peter aus Ebonit, vulkanisiertem Hartgummi, oder aus Acryl. Und zwischen beide Pfeifenteile kommt ein weisser Zier-Ring aus Antilopenknochen.
Rund 50 solcher Pfeifen stellt Peter pro Jahr her, für Kunden, die bereit sind, dafür 400 bis 2000 Franken auf den Tisch zu blättern. Günstiger, für rund 200 Franken, sind die Semi-Hand-Cut-Pipes zu haben, die aus erwähntem Bruyèreholz vorkonfektioniert sind und an denen Roman Peter je nach individuellem Kundenwunsch in präziser Handarbeit die Endfertigung vornimmt. «Das bietet sonst kein anderes Tabakgeschäft an», sagt Roman Peter stolz.
Einen Grossteil der Arbeit nimmt die Reparatur von Pfeifen ein. Rund 1500 Pfeifen repariert Roman Peter pro Jahr, von modernen bis hin zu antiken Pfeifen, deren früheste im 17. Jahrhundert von den Indianern in Nordamerika nach Europa kamen. Peter hat im Lauf der Jahre die Lagerbestände mehrerer Manufakturen von verschiedenen Pfeifenmarken aufgekauft. «Dadurch verfüge ich heute über ein riesiges Lager. So kann ich für das Restaurieren von Pfeifen aus rund 30000 Mundstücken auswählen und damit dasselbe Material wie für das Original verwenden», so Peter.
Tabak, Zigarren und Whisky
Seit 20 Jahren arbeitet Roman Peter in seiner Werkstatt. Zuvor hatte er diese am selben Ort wie seinen Laden an der Oberen Bahnhofstrasse, wo er seit 1993 einquartiert ist. Normalerweise arbeitet er nur in seiner Werkstatt, die, wie er sagt, für sich selbsttragend ist, genauso wie der Laden. Seit dem Ausbruch der Corona-Pandemie ist er unter der Woche jeweils nachmittags und samstags auch im Verkauf im Laden tätig. In diesem bietet er neben Pfeifen auch Tabak, Zigarren sowie Whisky an. Tabakliebhaber können sich bei ihm aus mehreren Grundtabaken eine ganze Reihe von Tabakmischungen, je nach Wunsch noch mit Aromastoffen bereichert, zusammenstellen lassen.
Das Angebot aus Zigarren umfasst ausschliesslich solche grosser Premiummarken aus den bekanntesten Anbaugebieten, insbesondere Havanna-Zigarren. Und bei den Whiskys wird ebenfalls auf hohe Qualität geachtet. Im Vordergrund stehen Malt Whiskys aus allen Provenienzen Schottlands sowie aus Irland. Aber auch Schweizer Whisky steht zum Verkauf bereit.
Roman Peter Tabakgeschäft, Obere Bahnhofstrasse 17, Affoltern. 044 761 63 03. www.roman-peter.ch. Di – Fr 9-12, 14-18.30 Uhr, Sa 9-16 Uhr.


