Ein Vagabund aus Ottenbach, der in Zürich heult
Seit Anfang November 2019 und noch bis April 2020 ist die vom Ottenbacher Künstler Nick Micros erschaffene Skulptur "The Stray" ("Der Streuner") vor der reformierten Citykirche Offener St.Jakob in Zürich zu sehen. Im Februar eröffnet er eine Freilicht-Skulpturen-Ausstellung in Ottenbach.
Immer wieder erheischen Ausstellungen auf dem Areal der St.-Jakob-Kirche in Zürich die Aufmerksamkeit, auch deshalb, weil der Tramknotenpunkt am Stauffacher stark frequentiert ist. «Die Verantwortlichen, auch die Pfarrerin, haben auf meine Anfrage sofort positiv reagiert», sagt Nick Micros. «Der Streuner» ist ein lebensgrosser Hund ohne Rasse, Alter und Geschlecht, der auf einem ausgedienten Sockelbrunnen der Gemeinde Ottenbach thront. Streuner werden auch Landstreicher oder Vagabunden genannt.
Auf den ersten Blick offenbart sich da eher ein Wolf, der – seinen Kopf gegen den Himmel gerichtet – heult. Bei näherem Hinsehen wird klar: Es ist ein Hund, der sich verhält wie ein vom Rudel getrennter Wolf, der aufschreit. Sein Kopf ist aus Blattgold, mit dem die Wichtigkeit des Ausdrucks verstärkt wird und Assoziationen auslöst: Vornehmheit, Heiligkeit, Wohlstand, Gier usw. «Das Heulen kann aber auch auf Durst, Freude oder Einsamkeit hindeuten oder auf einen Obdachlosen, Rebell oder Aussenseiter», lässt der Künstler offen. Schliesslich ist der gekippte Brunnen, eine Leihgabe der Gemeinde, ohne Wasser – ein Findling aus buntgemischtem Sandstein, der einst von einem Gletscher im Glarnerland nach Ottenbach gekommen sein soll. Die Figur hat Nick Micros mit Lehm modelliert und danach in eine Form gegossen – mit Portland Zement.
Ein weiteres von Nick Micros geschaffenes Werk findet sich fünf Gehminuten von der St.-Jakob-Kirche entfernt beim städtischen Alterszentrum Selnau an der Selnaustrasse 18. Es nennt sich «Strummer» (Gaukler). Geschaffen wurde es aus Gussbeton von 2009 bis 2012. Es gehört zu einer fünf grosse Skulpturen umfassenden Gruppe «Lullaby» und war bis 2014 auf dem Hof Hegetschweiler in Ottenbach ausgestellt. Sieben Gitarren spielende, identische Figuren stehen auf einer Art Karussell. Sie symbolisieren gleichsam Gleichheit und Verschiedenartigkeit der Menschen, bedeuten «Zufall» oder «wie das Leben so spielt». Sie stehen seit 2014 als Leihgabe an die Stadt Zürich im Park des Alterszentrums, das vom ehemals in Ottenbach wohnhaften Gabriel Eichenberger geleitet wird. Bei der Entstehung des Werks diente Micros’ damals zehnjähriger Sohn Jonas als «Vorlage».
«Da - Zwischen – Here, Between»
Ab Februar 2020 lanciert Nick Micros in Ottenbach eine Freilicht-Skulpturen-Ausstellung, die aus alten und neuen Werken an verschiedenen Standorten besteht. Sie nennt sich «Da Zwischen – Here, Between» und vereinigt diverse Aspekte, die eine Dorfgemeinschaft ausmachen: Dorfkern, offene Landschaft, Fluss, Wald, Industrie, Privateigentum, öffentliche Anlagen, Kirche. Es sind zwölf Werke aus Stahl, Stein, Keramik, Zement, Blattgold und Glas, die der aus New York stammende Künstler in den letzten 18 Jahren in Ottenbach, seinem Wohn- und Arbeitsort, geschaffen hat – abstrakte und figurative Elemente, die man als ein grosses Kunstwerk betrachten kann. Die Ausstellung dauert bis 2023.






