Eine Gemeinde als Brückenbauerin zwischen den Kantonen
Knonau hat seine Randlage in einen Vorteil umgemünzt
Wer Knonau hört, der denkt wohl in den meisten Fällen automatisch an den gesamten Bezirk, der heute zwar offiziell Bezirk Affoltern heisst, aber im alltäglichen Umgang noch immer als Knonauer Amt bezeichnet wird. Dieser Name rührt von der einst herausragenden Bedeutung der im Jahr 1045 erstmals urkundlich erwähnten Gemeinde her, die als Hauptort des früher auch als Zürcher Freiamt bezeichneten Gebiets fungierte, zuerst als Verwaltungssitz eines von der Stadt Zürich eingesetzten Landvogts, später als erster Hauptort des neu gegründeten Bezirks unter liberaler Verfassung. Dass heute Affoltern diesen Status innehat, geht auf praktische Überlegungen aufgrund von dessen zentraler Lage zurück. Doch wie verhält es sich heute, empfindet man sich in Knonau aktuell noch im Nachteil durch die Platzierung in der südwestlichen Ecke des Kantons Zürich, oder bietet die besondere geografische Situation sogar ungeahnte Chancen? «Es ist ganz klar Letzteres der Fall», antwortet Gemeindeschreiber Sven Alini auf diese Frage. «Wir haben einen sehr guten Kontakt mit den angrenzenden Gemeinden im Kanton Zug und verstehen uns auch mit den dortigen Behörden, was eine ausserordentlich erfreuliche Zusammenarbeit über die Kantonsgrenze hinweg ermöglicht.» Ein Resultat dieser Kooperation sei beispielsweise die seit zwei Jahren im regulären Betrieb verkehrende Buslinie der Zugerland Verkehrsbetriebe von Rotkreuz über Cham nach Knonau, die für Pendler ganz neue Mobilitätsperspektiven eröffnet hat. Zusammen mit den halbstündlich verkehrenden S-Bahnverbindungen in die Richtungen Zürich und Zug kann man damit von einer erfreulichen ÖV-Situation sprechen, wenngleich es Herausforderungen durch die zerstreut liegenden Gemeindeteile gibt.
«Die Schulen sind für den Kinderreichtum gewappnet»
Ähnlich wie im benachbarten Mettmenstetten ist auch in Knonau der Zuzug von Familien aus dem Kanton Zug ein Thema, sicherlich einer der Faktoren für den ausserordentlich grossen Kinderreichtum der Gemeinde. Dieser sei von den Schulen aber gut zu bewältigen, Knonau sehe sich sowohl von den Anlagen her als auch personell dafür gewappnet. «Der Umgang im Dorf ist immer noch verbindlich und persönlich», betont der Gemeindeschreiber, wenn auch aufgrund der gestiegenen Einwohnerzahl (tausend Personen mehr seit dem Jahr 2000) mentalitätsmässig eine leichte Tendenz hin zu mehr Anonymität festzustellen sei. Auf die Frage nach den Baulandreserven antwortet Sven Alini, dass diese in genügender Menge vorhanden seien und auch genutzt würden. So entstehe demnächst eine neue Überbauung im Dorfkern, und auch im Einzugsgebiet der Schule sowie an der Chamstrasse gebe es grössere Bauprojekte. Ein besonderes Augenmerk richte man auf das Ortsbild. So sei im Dorfkern ein Masterplan über das gesamte Gebiet erstellt worden, und Neubauten unterlägen dort strengen Gestaltungsvorgaben (beispielsweise Satteldächer statt Flachdächer). Ebenfalls in diesem Bestreben wird ein denkmalgeschütztes, einst von der Ehefrau Huldrych Zwinglis bewohntes Gebäude, das durch einen Brand zerstört wurde, in Form eines Neubaus in Anlehnung an die historische Architektur wieder errichtet.
Grosse Infrastrukturprojekte stehen bevor
Auch in Sachen Infrastruktur bewegt sich einiges in Knonau. So ist die Gemeinde an die ARA Schönau im Kanton Zug angeschlossen worden, «eine der modernsten Anlagen weit und breit», wie Sven Alini betont. Dies ist ein weiteres Exempel für die enge Zusammenarbeit über Kantonsgrenzen hinweg, werden in der Anlage doch Abwässer aus drei Kantonen (ZG/ZH/SZ) gereinigt. Die gemeindeeigene Kläranlage in Knonau konnte daraufhin zurückgebaut werden. Demnächst werde auch der durch das Dorfzentrum führende Sammelkanal umgelegt, um Raum für eine zukünftige Tiefgarage zu schaffen. Im Zuge dieses Projekts soll auch der angrenzende Haselbach revitalisiert werden. Auch an anderer Stelle sind am genannten Bach Massnahmen zur Verbesserung der Biodiversität geplant, inklusive eines Zugangs zum Wasser. Grosse Bauprojekte der Gemeinde in der nächsten Zeit umfassen etwa eine neue Sporthalle sowie einen neuen Werkhof, ebenso wird eine Erweiterung des Trinkwasserreservoirs ins Auge gefasst. «Unsere finanzielle Situation ist sehr gut im Moment, dies braucht es aber auch, um die geplanten Projekte überhaupt stemmen zu können», meint hierzu der Gemeindeschreiber.
Im Bereich des Sozialen sieht sich Knonau durch die Zusammenarbeit mit dem Sozialdienst Bezirk Affoltern gut aufgestellt. Um genügend Wohnraum für Asylsuchende zu finden, habe die Sozialvorsteherin in letzter Zeit viel Aufwand betrieben. Bis jetzt habe man es dadurch immer geschafft, zu Lösungen zu kommen.
Das Kulturleben in Knonau profitiert in erfreulicher Weise vom grossen Engagement, das eine Vielzahl von Vereinen leistet. Unterstützt wird dieses reiche Vereinsleben unter anderem durch das grosszügige Raumangebot im Mehrzweckgebäude Stampfi, das fast immer ausgebucht ist.
Knonauer Gremien werden durch die Wahlen aufgemischt
Einige Veränderungen wird es nach diesen Wahlen in den verschiedenen Gremien von Knonau geben: Neben der Gemeindepräsidentin Esther Breitenmoser, die aktuell dem Ressort Präsidiales, Hochbau und Liegenschaften vorsteht, wird auch Claudia Bickel (Ressort Soziales/Gesundheit/Gesellschaft) nicht zu einer erneuten Kandidatur im Gemeinderat antreten. Neben den bisherigen Ratsmitgliedern Christian Albrecht, Marcel Bosshart, Brigitta Trinkler und Nathanaël Wenger gehen nicht weniger als vier neue Kandidatinnen und Kandidaten ins Rennen um die sechs Sitze. Es sind dies Christoph Bickel, Sarah Brunelli, Roland Buchmann und Sandra Casartelli. Als Gemeindepräsidentin respektive -präsident kandidieren die bisherige Gemeinderätin Brigitta Trinkler sowie der neu antretende Roland Buchmann. «Wir freuen uns auf die Zusammenarbeit mit der neuen Präsidentin oder dem neuen Präsidenten. Es wird für viele von uns aber auch etwas Wehmut im Spiel sein, wenn wir Esther Breitenmoser nach all den Jahren ziehen lassen müssen», bringt Sven Alini die Stimmungslage im Gemeindehaus auf den Punkt.
Bei der fünfköpfigen Rechnungsprüfungskommission wird personell ebenfalls ein neues Kapitel aufgeschlagen: Drei Neukandidatinnen und -kandidaten stehen bei der Wahl nur zwei bisherige Mitglieder gegenüber. Dagegen sind bei der Primarschulpflege nach der Erneuerungswahl vom März nur begrenzte Änderungen zu erwarten, mit Ausnahme von Christoph Zeberli (aktuell Ressortleiter Schulentwicklung und Personelles) werden alle bisherigen Mitglieder wieder kandidieren. Für den frei werdenden Platz stellt sich Lydia Amato als Neumitglied des Gremiums zur Wahl.
Ein ähnliches Bild wie bei der Gemeinderatswahl bietet sich bei der Erneuerungswahl der Evangelisch-reformierten Kirchenpflege Knonau: Hier stellen sich zwei bisherige und zwei Neumitglieder zur Wahl, wobei für das Präsidium der Neukandidat Walter Grimmer antritt.












