Eine Sommerresidenz für drei Damen
Innerhalb des letzten Jahres hat der 11-jährige Mattia aus alten Brettern und Fundstücken ein Hühnermobil gebastelt. Eine Anleitung hatte er nicht. Nun durfte er in seinem fahrbaren Stall tierische Feriengäste empfangen.

«Es ist eigentlich kein richtiges Hühnermobil», sagt Mattia ganz bescheiden. Eher sei es ein Stall auf Rädern. Das richtige Hühnermobil sei viel grösser und könne von den Rädern auf den Boden heruntergelassen werden, erklärt er. Dabei spielt das gar keine so grosse Rolle: So oder anders ist es erstaunlich, was der 11-jährige Mettmenstetter da zusammengebaut hat. Einen eigenen Stall auf zwei Rädern, mit Türe und einem eigenen Legebereich, einer Leiter für den komfortablen Gang zu den «Logenplätzen», also den Stängeli. Sogar an eine separate Klappe für die Reinigung hat er gedacht.
Er habe schon immer gerne gewerkelt, erzählt seine Mutter, Regina Violetti. Die Familie bewohnt das Nebenhaus auf dem Hof Schürenweid. «Vor dem Hühnermobil hat er einen Heuwagen zusammengebaut, und vorher ein Gartenhaus.» Am liebsten war er jedoch mit Bauer Fredi Keller auf dem Hof und den Feldern unterwegs, erzählt seine Mutter. Dann allerdings kam dieser bei einer Skitour im letzten Jahr tragisch ums Leben. Seither war es auf dem Hof ruhig geworden.
«Upcycling» mit altem Hofmaterial
Als Mattia dann im Internet das Foto eines Hühnermobils sah, da war ihm klar: So eines wollte er auch. Auf dem Hof suchte er das Material zusammen: Holz und Gitter und Hammer und Nägel. Und, und, und. Dabei war er durchaus kreativ: Aus einem Büchergestell wurde die Hühnerleiter, die Räder nahm er vom Heuwagen. Nur ein paar Schrauben und die Dachlatten sind dazugekauft. Der Rest war in irgendeiner Art und Weise bereits einmal im Einsatz. «Upcyling» nennt man das in der fancy Do-it-yourself-Szene, oder etwas bescheidener klingend: Wiederverwertung.
Ab und zu, so Mattia, habe er mit seinem Vater diskutiert, wenn er eine Frage hatte. «Manchmal kamen wir nach draussen in den Garten, und plötzlich war er wieder einen Schritt weiter», erklärt Regina Violetti. So habe er das Gefährt auf dem Boden zusammengebaut, und eines Tages sei es plötzlich auf Rädern gestanden. Seit dem Frühling ist der Stall fertiggestellt. Rund neun Monate habe er gebraucht – «aber mit grossen Unterbrüchen», wie er mehrfach betont.
Per 1. März dieses Jahres übernahmen Daniel Rüttimann und Nicole Cavegn die Schürenweid. Auch sie halten wieder Hühner. Deshalb ist nun auch Mattias Stall für einige Wochen bewohnt. Eingezogen sind drei Feriengäste, die temporär von der Hühnerherde separiert werden mussten. Und die Damen brauchen viel Aufmerksamkeit: «Am Morgen vor der Schule mache ich einen Kontrollbesuch, am Mittag bringe ich Futter und Wasser». Dann trägt er sie in das Nachmittagsrevier in den Garten. Und natürlich wollen die Tiere jeden Abend wieder zurück in ihren fuchssicheren Stall auf Rädern. Dazwischen fällt auch andere Arbeit an: Das Mobil muss gemistet werden. Anfang Woche ging der Ferienaufenthalt der drei Hühner zu Ende. Sie durften zurück zur Herde dislozieren.
Trotz aller Freude: Ganz unglücklich scheint Mattia darüber nicht zu sein: «Die Hühner brauchen schon viel Betreuung», gibt er zu bedenken. Nun geht er mit seiner Familie zuerst einmal in die Sommerferien. Im neuen Schuljahr besucht er die sechste Klasse. Für die Berufswahl ist es damit zwar noch etwas früh, aber hat der leidenschaftliche Handwerker dennoch eine Ahnung, in welche Richtung es gehen soll? Nicht so wirklich. Und irgendwie doch: «in Richtung Landwirtschaft.» (lhä)


