Einer, der Polizistinnen und Polizisten hilft
Er ist da, wenn Polizistinnen und Polizisten nach belastenden Einsätzen Beistand brauchen, bei Rekrutierungen, in der Polizeischule und bei Weiterbildungen: Horst W. Hablitz sprach in Knonau über seine Arbeit als Polizeipsychologe.

«MännerSache Knonau» ist kein Verein, sondern eine Gruppierung, die seit rund zehn Jahren verschiedenste Veranstaltungen organisiert. So gastierte am Dienstag der Polizeipsychologe Horst W. Hablitz in der Stampfi. Vor über 35 Jahren von Deutschland hergezogen, besitzt er seit 15 Jahren den Schweizer Pass. Seine Laufbahn als Polizeipsychologe begann nicht wie üblich als Polizist; als Krankenpfleger kam er in die Schweiz. Und schliesslich als Betriebs- und Organisationspsychologe «ohne Stallgeruch» zur Kantonspolizei Aargau, wo er während 18 Jahren für ein Corps von 1100 Mitarbeitenden, einschliesslich Regionalpolizei und Zivilangestellte, zuständig war und sich – wenn nötig – auch deren Familienmitgliedern annahm. Seit knapp eineinhalb Jahren ist er pensioniert und als Berater tätig.
Beigezogen wurde Hablitz auch bei Rekrutierungen. Von 150 Interessierten, die zweimal jährlich rekrutiert werden, schafften es die ersten 20 der Rangliste in die interkantonale Polizeischule. «Waren wir vom 20. nicht vollständig überzeugt, so selektionierten wir nur 19», fügt er bei und spricht von einem aufwendigen Verfahren. Sogar korrekte Rechtschreibung gehört zu den Kriterien und als «harter Hund» habe der Kommandant bei Anwärtern auch keine Tätowierungen erlaubt. Mit Blick auf den Rückgang an Interessierten wird vielleicht die eine oder andere Schraube gelockert.
Resilienter dank Meditation und Yoga
Die Ausbildung in der interkantonalen Polizeischule Hitzkirch dauert zwei Jahre. Auch die Regionalpolizei wird dort ausgebildet. Und da ist auch Psychologie angesagt, wenn es darum geht, Todesnachrichten zu überbringen. Etwas irritierend, dass er dies sein «liebstes Fach» nennt, daneben aber auch Gewicht legt auf Menschenrechte und Ethik. In diese Richtung gings bei Horst W. Hablitz auch bei der Weiterbildung von jungen Polizistinnen und Polizisten. Er spricht von Achtsamkeitslehre, Wertschätzung, sogar von Meditation und Yoga für Beamte. «Das macht sie resilienter, widerstandsfähiger. Leider hat bei diesem Ausbildungszweig Corona einen Riegel geschoben», sagt er, der auch von der Transaktionsanalyse begeistert ist.
Seine Philosophie habe er auch bei Kader-Assessments für Leute mit Ambitionen und bei Weiterbildungen «hineingeschmuggelt» und dort unter anderem das Fach Kommunikation gelehrt. «Polizeibeamtinnen und -beamte müssen bei schwierigen Einsätzen und bei Bagatellen reden können.» In «Kriegszeiten», also im Notfall: «streng». In «Friedenszeiten»: «nicht im Kasernenhofton». «Das klappt im Aargau ganz gut.» Selbst an Demos, wie er mit Beispielen aufzeigte – und auch dann, wenn die Aargauer an Einsätzen in anderen Kantonen mit dem vom Kommandanten verordneten Käppi aufkreuzten. Und überhaupt: Das Verhältnis zwischen Bürgerinnen und Bürgern und der Polizei sei gut. Das habe er während 55 Stunden im täglichen Polizeieinsatz gesehen und von beiden Seiten nie unangemessene Reaktionen erlebt. Die Frage aus dem Publikum, ob es im Corps auch solche mit Neonazi-Gesinnung gebe, konnte Hablitz nicht beantworten. «Das weiss ich nicht. Wenn ja, dann wären das sehr gute Undercover-Leute». Sein Fazit: «Wir haben sehr gute Polizistinnen und Polizisten.»
«Debriefing ist Körperverletzung»
Über 700 Mitarbeitende hat Horst W. Hablitz in seinen 18 Jahren bei der Kapo Aargau beraten – bei kleinen und grossen Problemen, aber nie wegen übermässigen Alkoholkonsums. «Das ist im Corps kein Problem.» Natürlich gehört auch Notfallpsychologie dazu, wenn es um tödliche Unfälle oder Suizide geht, wenn dann sogar die «Hartgesottenen» belastet, ja sogar traumatisiert sind, was der Fachmann mit dem Blick in die Augen feststellen kann. In einem Fall sei er, in jüngeren Jahren, selber traumatisiert gewesen: Als eine Frau mit ihrem Kleinkind vor den Zug gesprungen ist. «Da habe ich beim Chef geweint.»
Der Polizeipsychologe ist ausschliesslich für Polizistinnen und Polizisten da, derweil sich Care-Teams und Seelsorger um Opfer und Angehörige kümmern. Bei seinen Einsätzen setzte Hablitz nicht auf Debriefing. «Das ist Körperverletzung, wenn nach belastendem Einsatz im Beisein von anderen auf emotionaler Ebene gesprochen wird. Er zieht Defusing vor, also die nicht emotionale Ebene unter Vermeidung von Gefühlen, bei der es um die chronologische Wiederherstellung von belastenden Ereignissen geht. Womit sich, so Hablitz, posttraumatische Belastungsstörungen vermeiden lassen.


