Engagierter Auftritt des FCZ-Präsidenten

«Bilaterale III» und Fussball als Themenschwerpunkte in Wettswil

Ancillo Canepa bei seiner Ansprache in Wettswil. (Bild Marcus Weiss)

Die Bundesfeier in Wettswil am Morgen des 1. August fand wie in den vergangenen Jahren im Saal der Schulanlage Aegerten statt. Man durfte sich diesmal nicht nur auf den allseits beliebten, bereits seit den 1990er-Jahren als schöne Tradition fest im Terminkalender etablierten Brunch freuen, sondern auch auf einen besonders prominenten Redner. Dass der Manager und FCZ-Präsident Ancillo Canepa die Augustansprache in der Unteramts-Gemeinde halten würde, sei von manchen im Vorfeld als regelrechter «Coup» ­bezeichnet worden, meinte die Gemeindepräsidentin Katrin Röthlisberger bei ihrer Ankunft im Aegertensaal schmunzelnd. «Mein Mann und ich kennen Herrn Canepa aber seit drei Jahrzehnten, es war daher naheliegend, ihn auch einmal für einen solchen Anlass einzuladen», verriet Röthlisberger dem «Anzeiger» und später auch dem Saal bei ihren Begrüssungsworten. Die Idee dazu habe schon lange bestanden, mit dem bevorstehenden Cupspiel zwischen dem FCZ und dem FC Wettswil-Bonstetten am 15. August sei nun der Zeitpunkt für eine Realisierung ideal gewesen.

Auch Gemeinderat Peter Gretsch zeigte sich sehr angetan von dem Besuch: «Solche prominent besetzten Veranstaltungen sind ungemein nützlich für die Sportförderung, sowohl auf der Seite einer Gemeinde wie auch auf jener eines grossen Clubs», meinte er gegenüber dem Schreibenden. Bevor der prominente Gast die Bühne betrat, informierte der Präsident des Street Hockey Clubs Bonstetten-Wettswil, Federico Benelli, in eigener Sache über die geplante Platzsanierung «seines» Vereins und die noch laufende Suche nach Sponsoren.

Ancillo Canepa begrüsste die Zuhörerschaft im Aegertensaal mit einem Kürzest-Abriss seiner Biografie: «Ich bin Schweizer in der dritten Generation, meine Familie stammt ursprünglich aus Italien, ich habe hier Militärdienst geleistet und bin immer frei gewesen von Partei-Ideologie», erklärte er. Von daher könne er sich auch erlauben, in seiner Ansprache «zwei Hüte anzuziehen». Zum einen rede er als Schweizer Staatsbürger, zum anderen als Präsident eines grossen Fussballclubs. Der FCZ-Präsident begann seinen Vortrag mit einem Thema, das ihm offensichtlich ein Anliegen ist, dem mitunter komplizierten Verhältnis zwischen der Schweiz und Europa. «Man macht sich nicht nur Freunde, wenn man versucht, sich faktenorientiert und emotionslos über die Thematik zu äussern», dies sei ihm bewusst. Und doch komme er nicht umhin, darauf hinzuweisen, dass seiner Meinung nach die Ablehnung des EWR-Beitritts unseres Landes im Jahre 1992 ein Fehler gewesen sei. «Wir hätten uns viele Probleme erspart, wenn wir damals beigetreten wären. Trotz eines Beitritts wären wir kein EU-Mitglied, aber dennoch im Vorhof Europas», so Canepas Überzeugung. «Wir sind auch nicht so neutral, wie wir es glauben, Gott sei Dank nicht», fügte der Manager an.

So würden etwa die Gesetze seit Langem mit dem EU-Recht ­abgestimmt. Die bevorstehende Volksabstimmung über die «Bilateralen III» sei seiner Ansicht nach die wahrscheinlich letzte Chance, unsere Beziehung mit Europa auf eine gute Basis zu stellen. «Es wird Verwirrung statt Transparenz geschaffen, deshalb ist es ein inniger Wunsch von mir, dass Sie sich intensiv mit dem Thema beschäftigen», schloss Ancillo Canepa fast flehentlich. Der zweite Teil seiner Rede widmete sich der Fankultur im Fussball, wo ein ganz kleiner Teil der Anhängerschaft für fast alle Ausschreitungen rund um die Spiele verantwortlich sei. «Wir sollen als Clubs Verantwortung übernehmen auch für Probleme, die wir nicht verursacht haben und die oft fernab der Stadien geschehen», beklagte er. Die Phänomene seien leider ein Spiegelbild der ­Gesellschaft.

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