«Es ist eine Freude, dass ‹LaMarotte› so breit abgestützt ist»

Die Fachstelle Kultur des Kantons Zürich bewilligt periodisch Beiträge aus dem Lotteriefonds an private Institutionen, falls die Standortgemeinde ebenfalls einen Beitrag leistet. Der Kulturkeller LaMarotte wäre wieder einmal an der Reihe, wenn die Gemeinde Affoltern 20’000 Franken beisteuern würde. Da sie sich dagegen entschieden hat, fand «LaMarotte» eine kreative Lösung.

«LaMarotte»- Präsident Daniel Breuss und Geschäftsführerin Isabelle Schaetti vor den Musikern Adrian Frey und Marco Santilli. <em>(Bild Bernhard Schneider)</em>
«LaMarotte»- Präsident Daniel Breuss und Geschäftsführerin Isabelle Schaetti vor den Musikern Adrian Frey und Marco Santilli. <em>(Bild Bernhard Schneider)</em>

Das Kellertheater LaMarotte wurde 2001 gegründet. Der Verein, der jährlich etwa 90 Veranstaltungen im stilvoll renovierten Gewölbekeller aus dem 17. Jahrhundert anbietet, zählt heute 450 Mitglieder. «LaMarotte» gehört zu den Kulturinstitutionen mit dem höchsten Selbstfinanzierungsgrad in der ganzen Schweiz.

Die Erträge reichen zwar für den Betrieb, nicht aber für Investitionen. Um die Infrastruktur im Theaterraum akustisch und multimedial auszubauen und das Angebot in der Bar auszuweiten, hat die Fachstelle Kultur einen Beitrag von 45’000 Franken in Aussicht gestellt unter der Bedingung, dass die Standortgemeinde weitere 20’000 beisteuert.

Die Marotte-Verantwortlichen waren erstaunt, dass sich die Stadt Affoltern ausser Stande sah, neben dem Betriebsbeitrag von jährlich 5000 Franken einen einmaligen Investitionsbeitrag von 20'000 Franken zu leisten, und kamen auf eine Idee: Sie riefen auf, Stadtpräsident Clemens Grötsch zweckgebundene Spenden für «LaMarotte» zu überweisen, nachdem sie von den zuständigen kantonalen Stellen die Zusicherung erhalten hatten, der Beitrag der Standortgemeinde werde auch dann akzeptiert, wenn er dank Spenden geleistet werde.

Am Samstag war nun Feiern angesagt. Die Gönner, die den vom Kanton geforderten Betrag gar übertrafen und Affoltern 25’000 Franken zugunsten des Kulturkellers spendeten, konnten im LaMarotte den Erfolg der Aktion anstossen. Adrian Frey am Flügel und Marco Santilli, Klarinette, begeisterten das Publikum mit Stücken von Jazz bis Samba und liessen sich im Anschluss an das Nachtessen vom Applaus des Publikums zu einem spontanen Konzert motivieren.

Präsident Daniel Breuss bedankte sich herzlich bei den Gönnern: «Dank Ihnen ist aus dem Frust eine Freude geworden. Wir haben gesehen, wie breit abgestützt La Marotte mittlerweile ist, auch in der Wirtschaft. Im LaMarotte werden jährlich etwa 8000 Stunden Gratisarbeit geleistet. Nur so kann ein Kulturkeller am Leben erhalten bleiben. Wir haben das Glück, dass wir immer genügend Helferinnen und Helfer finden. Dies ist fast noch schwieriger, als zu Spenden zu gelangen. Mehr als 80 Personen haben 100 bis 3000 Franken gespendet, insgesamt 25’000 – eine Art Crowdfunding, ausgelöst von einem Artikel im «Anzeiger», nicht über das Internet.»

Geschäftsführerin Isabelle Schaetti fügte an, dies sei keineswegs das erste Mal, dass LaMarotte eine solche Welle von Unterstützung erfahre: «Das letzte grosse Projekt war der Flügel, für den wir Spenden von 60'000 Franken aus der ganzen Region erhielten.» Ganz wichtig sei das Gewerbe für das LaMarotte, das dem Kulturkeller insbesondere mit dem sogenannten Monatssponsoring von 2006 bis 2010 das Überleben gesichert habe. Noch heute leisten die 20 Firmenmitglieder einen wichtigen Beitrag, neben den Mitglieder- und Gemeindebeiträgen und den Einnahmen der Bar, die dank einem neuen Gastrokonzept einen wichtigen Beitrag für den Betrieb des Kulturkellers leistet. «Mit den Jahren habe ich realisiert, dass es gar nicht normal ist, dass man überleben kann ohne eine massgebliche Finanzierung durch die Standortgemeinde», fasste Isabelle Schaetti zusammen.

«‹LaMarotte› hat regionale Bedeutung»

Stadtpräsident Clemens Grötsch hat Hand geboten und ein Konto eröffnet, auf das alle zweckgebundenen Spenden für LaMarotte geflossen sind. Diese werden überwiesen, sobald LaMarotte den Betrag einfordert. Er hält den Kulturkeller für einen wichtigen Faktor nicht nur für das kommunale Kulturangebot, sondern für die ganze Region. Bezüglich des Beitrags der Stadt Affoltern fährt er fort: «Wir haben auch ‹Kultur Affoltern› und die Bibliothek als kulturelle Institutionen. Wenn wir alles zusammenzählen, ist der Kulturetat der Gemeinde doch recht gross.»

Der Gemeinderat habe auf die Kritik, die im Wahlkampf in Bezug auf den Umgang mit den Vereinen geäussert worden ist, reagiert und eine Umfrage bei den Vereinen gestartet, die nun ausgewertet werde. «Wir haben vielleicht über das Ziel hinaus geschossen und werden jetzt unsere Praxis überdenken. Wir müssen aber alles anschauen, nicht nur die direkten, sondern auch die indirekten Zuwendungen. Mir geht es vor allem darum, dass es für alle gerecht zugeht.»

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