«Es wartet noch viel Arbeit auf uns»
Vor acht Jahren bewilligten die Stimmberechtigten den Kantonsanteil von 39 Millionen Franken für den Autobahnzubringer im Raum Ottenbach-Obfelden, für den Kosten von 65 Mio. Franken veranschlagt wurden. Die beiden Gemeinden sicherten je 350000 Franken zu, den Restbetrag von 26 Mio. übernahm der Bund. Nun haben die Bauarbeiten begonnen.

Südlich von Ottenbach, an der Grenze zu Obfelden, beginnt der Bau der neuen Strasse. Aus diesem Anlass haben der Grüne Baudirektor Martin Neukom, sein Vorgänger, Markus Kägi von der SVP, der Direktor des Bundesamtes für Strassen, Jürg Röthlisberger, sowie die Ottenbacher Gemeindepräsidentin, Gabriela Noser Fanger, und der neue Gemeindepräsident von Obfelden, Stephan Hinners, zum Spatenstich geladen. Am 29. Mai 2023 soll der Autobahnzubringer in Betrieb genommen werden.
Lange Vorbereitungszeit
Gabriela Noser Fanger blickte auf die zweite Hälfte der 1970er-Jahre zurück, als der Landerwerb für den Autobahnzubringer begann. Über 40 Jahre habe es gedauert, bis man nun mit dem Bau endlich beginnen könne. In der Volksabstimmung von 2012 hätten 76 Prozent der Ottenbacherinnen und Ottenbacher zugestimmt, sie hoffe, diejenigen 24 Prozent, die aus Rücksicht auf die Natur ein Nein in die Urne gelegt hätten, mit dem Projekt zu versöhnen, denn jetzt könne die Zentrumsplanung erst richtig beginnen, da man die Gewissheit habe, dass die Süd-West-Umfahrung des Dorfes tatsächlich umgesetzt werde.
Ihr Obfelder Amtskollege, Stephan Hinners, meinte, die Blechlawine reiche in Obfelden zu den Stosszeiten von Unterlunnern bis nach Bickwil, wo sie auf die Blechlawine aus Richtung Ottenbach treffe. Das ganze Dorf werde zweigeteilt, der Verkehr gefährde die Bevölkerung und insbesondere die Schulkinder. Der Bau des Autobahnzubringers sei ein wichtiger Schritt zur Entlastung der beiden Dörfer, reiche allein aber nicht aus: «Es wartet noch viel Arbeit auf uns!» Vorerst aber hoffe er auf eine möglichst verzögerungsfreie Bauzeit.
Nach dem Ja der Bevölkerung des Kantons Zürich wurden 77 Einwendungen eingereicht, fünf Beschwerden gelangten ans Verwaltungsgericht. Die Detailplanung musste teilweise angepasst werden und brachte erhebliche Mehrkosten zutage: Die Kosten des Landerwerbs waren zu optimistisch geschätzt worden, ebenso die Entsorgung von Altlasten. Auch der Aufwand für die Projektierung lag deutlich über den ursprünglichen Annahmen. Im vergangenen Januar stimmte der Kantonsrat dem Ergänzungskredit zu und beseitigte damit die finanziellen Hindernisse für den Strassenbau. Der Bruttokredit beträgt nun 80 Millionen Franken.
Mobilität vor Jahrtausenden
Im Bereich des Trassees der neuen Strasse wurden in den vergangenen drei Jahren bei passender Witterung, terminiert durch die Arbeiten der Bewirtschafter des Bodens, archäologische Sondierungsgrabungen durchgeführt. Diese haben gerade im Bereich des Spatenstichs interessante Resultate gezeitigt: Eine prähistorische Schicht zeugt von Brandrodung zur Urbarmachung des Landes vor 5000 bis 6000 Jahren. Ein kurzer Abschnitt einer Strasse mit kunstvoll zusammengefügten Steinen ist schwierig zu datieren, dürfte aber frühestens aus römischer Zeit stammen.
Die beobachtete dunkle, holzkohlehaltige jungsteinzeitliche Schicht, der «Pflughorizont», liegt direkt über der obersten Gesteinsschicht der Moräne. Dies bedeutet, dass vor 6000 Jahren erstmals Menschen in unserem Gebiet Wald abbrannten, um Ackerbau zu betreiben. Vielleicht waren sie aus dem Raum Zugersee zugewandert, wo bereits verschiedene jungsteinzeitliche Siedlungen entdeckt wurden. Die Wanderungen erfolgten tendenziell den Flüssen entlang, was sowohl die Orientierung als auch das Vordringen gegenüber dem bewaldeten Umland erleichterte. Die in der Schicht nachgewiesenen Holzkohlestückchen stammen aus einem Zeitraum von über 2000 Jahren. In dieser langen Zeit wurde immer wieder neues Ackerland mit Brandrodung gewonnen, während das nicht mehr genutzte wieder überwachsen und vielleicht Jahrhunderte später erneut abgebrannt wurde.
Während die jungsteinzeitliche Mobilität die Verlegung des Wohnorts aufgrund des Wachstums der Bevölkerung oder des Rückgangs der Fruchtbarkeit des Ackerlandes betraf, weist die möglicherweise aus der Römerzeit stammende Strasse auf tägliche Mobilität hin.


