«Europäer verstehen sich primär beim Essen»

Die Bonstetterin Carole Locher hat Rezepte mit Milchprodukten an ein internationales Kochbuch beigesteuert. "Kochen wie früher, international, mit Berthe Elsen-Melkert", heisst das auf Luxemburgisch, Deutsch und Französisch erschienene Kochbuch.

Carole Locher und ihr Mann Werner setzen sich für faire Milchpreise ein. Mit ihrem Beitrag zum Kochbuch «Kochen wie früher, international» tragen sie die Idee der fairen Milch Säuliamt in die Welt hinaus. <em>(Bild Salomon Schneider)</em>
Carole Locher und ihr Mann Werner setzen sich für faire Milchpreise ein. Mit ihrem Beitrag zum Kochbuch «Kochen wie früher, international» tragen sie die Idee der fairen Milch Säuliamt in die Welt hinaus. <em>(Bild Salomon Schneider)</em>

Effektive Standortförderung braucht viele Standbeine. Projekte wie «Di fair Milch» Säuliamt oder «Zürioberland natürli» haben bewiesen, dass sich Standortförderung gerade über Nahrungsmittel gut über die Bezirksgrenzen hinaustragen lässt. Die Luxemburgerin Berthe Elsen-Melkert hat dies erkannt und Bäuerinnen aus Belgien, Deutschland, Frankreich, Italien, Luxembourg, Österreich und der Schweiz nach ihren Lieblingsrezepten mit Milchprodukten gefragt. Herausgekommen ist ein Kochbuch mit währschaften Gerichten, die schnell zubereitet sind und viel über Lebensweise, Kultur und Gepflogenheiten in den Herkunftsländern erzählen. Eine ganze Doppelseite ist zudem der Genossenschaft «Di fair Milch» Säuliamt gewidmet.

Eine verbindende Sache

Die Schweizer Rezepte wurden allesamt von der Bonstetter Bäuerin und Lehrerin Carole Locher eingereicht: «An einer Sitzung des European Milk Board, dem europäischen Verband unabhängiger Milchbauern (EMB), an der mein Mann Werner und ich teilgenommen haben, kam die Frage auf, wer die vier Schweizer Rezepte für das Kochbuch liefern kann und ich habe mich bereit erklärt, die Rezepte auszuwählen.»

Es sei beim EMB nicht immer einfach, auf einen gemeinsamen Nenner zu kommen, wegen der verschiedenen Kulturen, Sprachen und Ideologien der beteiligten Bauern. Carole Locher erläutert: «Die Norweger halten sich beispielsweise gerne kurz und knapp, während die Italiener gerne ausholen. Zudem sind bei den Belgiern Flamen und Walonen oft grundsätzlich unterschiedlicher Meinung und natürlich gibt es auch zwischen progressiven und konservativen Kräften immer wieder längere Diskussionen. Beim Essen verstehen sich jedoch immer alle, egal ob das Essen italienisch, deutsch, französich oder belgisch ist. Deshalb war ich überzeugt, dass das faire-Milch-Kochbuch eine verbindende Sache wird.»

Milchprodukte prägen die europäische Küche

«Milchprodukte sind in fast allen meinen Gerichten enthalten. Beispielsweise die sahnige Leichtigkeit von Butter, die bis ins Nussige gehen kann, gibt meinen Mahlzeiten den charakteristischen Geschmack, den ich schon aus der Küche meiner Mutter kenne. Zu meinen Backwaren gehört Milch, zu meinen Saucen gehört Vollrahm und zu meinen Gratins gehört Käse. Deshalb war es ziemlich schwierig, vier für das bäuerliche Mittelland repräsentative Rezepte herauszusuchen», erläutert Carole Locher.

Für die Rezepte hat sie sich überlegt, was zur wirklich traditionellen Küche der Schweiz gehört und gleichzeitig auf primär hofeigenen Zutaten beruht: «Eier, Milch, Fleisch, Äpfel, Getreide und Gemüse haben wir vom Hof. Diese Zutaten machen deshalb den Hauptteil der Rezepte aus.» Die Rezepte sind Zürcher Geschnetzeltes mit Rösti, Älplermakronen, Nidelwähe und Apfeldessert mit Vanillesauce. «Die Älplermakronen musste ich bei der Autorin Berthe Elsen-Melkert hart verteidigen. Makronen hat sie nicht gekannt, wollte Apfelschnitze anstatt Apfelmus und als Schmuck musste Petersilie dazu. Sie konnte sich schlicht und einfach nicht vorstellen, dass etwas so Einfaches wie unsere Älplermakronen hervorragend schmecken kann. Schlussendlich haben wir uns aber auf etwas einigen können, mit dem alle leben konnten», erläutert Carole Locher – und zeigt damit, was der Schlüssel zu interkulturellem Verständnis ist: Die Überzeugung, dass das Gegenüber ebenfalls das Beste für alle im Sinne hat und das Vertrauen, dass aus einer Verschmelzung der Kulturen etwas Neues, noch Besseres entstehen kann.

Das Buch «Kochen wie früher, international, mit Berthe Elsen-Melkert» ist bei der Buchhandlung Scheidegger in Affoltern erhältlich.

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