«Fast wäre ich auf die Masche reingefallen»
Peter Ackermann erhielt einen «Hilferuf» von einem Freund – nun will er andere warnen

Sie heissen Phishing, Vishing, Smishing oder Quishing. Und auch wenn sie ein bisschen tönen wie Zungenbrecher aus einem mittelmässigen Comedyprogramm, gibts bei diesen Wörtern nichts zu lachen: Es handelt sich um Betrugsmaschen, mit denen sich Banditen weltweit die Taschen füllen. Die Polizei steckt viel Zeit und Geld in Prävention, gerade bei älteren Menschen − und doch lässt sich bei Weitem nicht jeder Betrugsversuch verhindern.
Knapp am Unglück vorbeigeschrammt ist vor einigen Tagen der 80-jährige Peter Ackermann aus Affoltern. Beinahe wäre er einem Identitätsmissbrauch in Verbindung mit Geschenkkartenbetrug auf den Leim gegangen. Dabei hatte er stets in der Überzeugung gelebt, dass er solche Machenschaften würde durchschauen können. Bis eine E-Mail in sein Postfach flatterte, die seine Aufmerksamkeit fand:
Hallo,
Hast du meine E-Mail von gestern erhalten?
Markus
Ackermann prüfte die E-Mail-Adresse und stellte fest, dass sie identisch war mit jener seines Freundes Markus. Also schickte er ihm eine E-Mail zurück, verneinte und schrieb, bei Bedarf sei er erreichbar. Markus sei viel im Ausland unterwegs, sagt Ackermann, es sei deshalb nicht unüblich, dass er sich per E-Mail melde. «Ich habe nichts Böses vermutet.»
Vier Geschenkkarten vom Kiosk
Bald darauf erhielt Ackermann eine weitere E-Mail. Darin berichtete «Markus» ihm «im Vertrauen», dass er schwer an Krebs erkrankt sei und «einen ganz kleinen Gefallen» brauche – per E-Mail und möglichst rasch. Auch da vermutete Ackermann noch nichts Böses: «Für mich war das ein Hilferuf eines lieben Freundes, der mich in einer schwierigen Situation ins Vertrauen zog.»
Wieder antwortete Ackermann, «Markus» solle mit ihm Kontakt aufnehmen. Als die dritte E-Mail reinkam, begann es Ackermann zu dämmern: holpriges Deutsch und die Bitte, an einem Kiosk vier Apple Gift Cards zu je 200 Franken zu besorgen.
Der Betrug mit Apple-Geschenkkarten ist eine häufige Variante von Gutscheinbetrug. Die Täter wollen dabei nicht unbedingt die physische Karte, sondern den Code auf der Rückseite. Wer diesen Code kennt, kann das Guthaben einlösen. «Markus würde mich nie und nimmer um Geld bitten», sagt Ackermann. «Da war mir klar, dass hier etwas faul ist.»
Also wandte sich Ackermann an die Kantonspolizei, die diese Masche kennt und ihm den Betrugsversuch bestätigte. Ackermann kam mit einem kleinen Schrecken davon – und mit der etwas unangenehmen Erkenntnis, dass es auch ihn beinahe getroffen hätte: «Fast wäre ich auf die Masche reingefallen.» Nun will Peter Ackermann andere vor solchen und ähnlichen Maschen warnen.
Dass Betrüger sich per E-Mail als Freunde und Bekannte ausgeben und schwere Krankheiten vorgaukeln, ist alles andere als neu. Neu ist auch die Erkenntnis nicht, dass man bei unerwarteten Geldforderungen misstrauisch werden sollte. Der Fall von Peter Ackermann zeigt vielmehr, weshalb solche altbekannten Maschen trotzdem noch funktionieren können: Die Nachrichten wirken auf den ersten Blick glaubwürdig – gerade dann, wenn sie scheinbar von einer vertrauten Adresse stammen.
Bis jetzt ist Ackermann nicht dahintergekommen, wie es aussehen konnte, als seien diese E-Mails tatsächlich von der Adresse seines Freundes verschickt worden. Auf Telefonanrufe reagierte Markus nicht; sein Handy schien abgestellt. Möglich wäre, dass in Ackermanns Fall das E-Mail-Konto des Freundes durch eine Malware infiltriert worden sei, schreibt die Kantonspolizei Zürich auf Anfrage. Die Polizei rät, bei solchen E-Mails stets genau zu prüfen, von wem die Anfrage kommt und ob diese plausibel ist und die Person im Zweifelsfall über einen anderen Kommunikationskanal zu kontaktieren. Zudem sei es ratsam, die Person, deren Account allenfalls von den Betrügern übernommen wurde, zu informieren.
Neuste Masche: Whatsapp-Betrug
Natürlich ändern sich mit den Kommunikationsmitteln auch die Maschen der Betrüger. So kursieren seit einigen Tagen etwa Whatsapp-Nachrichten, in denen Bekannte scheinbar um eine Stimme bei einer Tanzabstimmung bitten. Wer dem Link folgt und einen QR-Code scannt, verknüpft sein Whatsapp-Konto unbemerkt mit einem Gerät der Betrüger. Diese können danach im Namen des Opfers weitere Nachrichten verschicken.
Bei der Informations- und Warnplattform Cybercrime Police haben sich bereits 28 Betroffene gemeldet; die Dunkelziffer dürfte weit höher sein.


