«Flachsbrächet» wie vor 100 Jahren

Der Schweizerische Mühlentag vom Samstag, 16. Mai, steht in der Aumüli Stallikon dieses Jahr unter dem Motto «Flachs». In Stallikon lässt sich die Verarbeitung dieser uralten, einst sehr bedeutenden und heute fast vergessenen Kulturpflanze erleben.

Flachsbrechen am traditionellen Flachsbock.

Flachsbrechen am traditionellen Flachsbock.

Bereits vor 7000 Jahren wurde Flachs in Mesopotamien angebaut und kam Jahrtausende später mit den Römern zu uns. Flachs ist also eine der ältesten Textilpflanzen der Menschheit. Die Fasern seiner Halme eignen sich zum Weben von Leinenstoffen. Aber auch seine ölhaltigen Samen werden genutzt: als verdauungsförderndes Heilmittel, für die Farbenherstellung, aber auch gegen Hexen und böse Geister.

In den letzten Jahrhunderten ist der Flachsanbau stark zurückgegangen, erst wegen der Konkurrenz der Baumwolle, dann der Kunstfasern.

Flachs wird, ähnlich dem Getreide, auf grossen Ackerflächen ausgesät, wo es im Frühling wunderschön lila blüht. Im Sommer werden die geernteten Pflanzen getrocknet und danach durch einen grossen Kamm, die «Riffel», gezogen um die Samenkapseln abzustreifen.

Das Stengelmaterial muss ersteine aufwendige Prozedur durchlaufen, das «Rösten», die Vorbereitung auf das «Brechen». Handvoll für Handvoll werden die Halme nun in der Flachsbreche geknickt oder eben «gebrochen». Durch das anschliessende «Schwingen» trennt man die Fasern von den übrigen Pflanzenteilen. Das «Hecheln» ist der letzte Vorgang vor dem Spinnen. Die Hechel ist ein Brett mit vielen feinen Nadeln, durch welches die Flachsfasern gezogen und somit geputzt und geordnet werden.

Ausprobieren und geniessen

Nebst der Pflege von Brauchtum und traditionellem Handwerk kann sich dieses Jahr Gross und Klein an einer historischen Flachsbreche versuchen. Auch wird wieder gesägt, gemahlen, gesponnen, gewaschen, geklöppelt, geschmiedet und gejodelt. Die Festwirtschaft lädt zum gemütlichen Zusammensitzen und an den Verkaufsständen gibts Produkte aus lokaler Hofproduktion zu kaufen. Der Verein «Pro Aumüli» verspricht einen fröhlichen und interessanten Tag, hofft auf viele Besucher und auf schönes Wetter. Parkplätze sind vorhanden, Bus 235 bis Haltestelle «Aumüli». (pd.)

 

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