Flinke Sonnenanbeter

Streifzüge durch die Natur (41): Drei Eidechsen-Arten kommen im Säuliamt vor – allesamt gefährdet

Waldeidechse.

Waldeidechse.

Weibliche Zauneidechse.

Weibliche Zauneidechse.

Mauereidechse.

Mauereidechse.

Männliche Zauneidechse im Frühling. (Bilder zvg)

Männliche Zauneidechse im Frühling. (Bilder zvg)

Hat sich da am Waldrand im Gewirr von Ästen und Steinen nicht soeben etwas bewegt? Nein, ich habe mich wohl geirrt. Und doch – im Augenwinkel sehe ich erneut, wie etwas aus der Sonne in den Schatten huscht, nur um gleich wieder zu erstarren. Jetzt erkenne ich einen dinosaurierartigen Kopf, dank Braun- und Grüntönen perfekt getarnt: eine Zauneidechse. Ich halte den Atem an, um nicht zu stören. Auch sie bleibt reglos, nur ihr Brustkorb hebt und senkt sich, kaum sichtbar. Dann erneut ein kurzes Rascheln – zack – sie ist weg. Zurück bleibt nur dieser Glücksmoment, wenn man etwas entdeckt hat, das einem normalerweise verborgen bleibt – ein Stück urtümliche Natur, mitten in der vom Menschen dominierten Landschaft des Säuliamts.

Die Zauneidechse wird bis zu 22 Zentimeter lang und ist damit die grösste heimische Eidechse. Das Männchen ist derzeit auffällig leuchtend grün gefärbt; ab dem Spätsommer gleicht es sich dem Weibchen mit seinen überwiegend braunen Tönen an. Man erkennt die Art dann am besten an den deutlichen Augenflecken, die über den Körper verteilt sind und aus einem dunklen und einem hellen Teil bestehen.

Leider ist die Art in den letzten Jahrzehnten überall seltener geworden. Sie liebt sonnige und strukturreiche, «unaufgeräumte» Lebensräume mit viel Nahrung in Form von Insekten und Spinnen. Wichtig sind dabei offene Bodenstellen zum Sonnen sowie Verstecke wie Altgras und Holz- und Steinhaufen. Bei uns findet man sie am ehesten an Bahndämmen, Böschungen, auf Magerwiesen mit Sträuchern oder seltener auch in naturnahen Gärten.

Zwei weitere Arten

Neben der Zauneidechse leben im Säuliamt noch zwei weitere kleine Dinos: die Mauer- und die Waldeidechse. Erstere kam ursprünglich nur in der Südschweiz und entlang des Juras vor. Vermutlich per Zug gelangte sie in den letzten Jahrzehnten aber zum Beispiel auch an den Hauptbahnhof Zürich, wo auf dem grossen Gleisfeld mehrere tausend Exemplare leben. Doch auch im Säuliamt ist sie punktuell häufig geworden und breitet sich rasant aus. Damit verdrängt sie die beiden anderen Arten zunehmend. Ursprünglich an felsige Lebensräume gebunden, lebt sie gerne an Trockenmauern, auf Bahntrassen oder an sonnigen Hauswänden. Entsprechend ist auch ihre Färbung an einen eher steinigen Untergrund angepasst.

Die Dritte im Bunde – die Waldeidechse – ist etwas eintöniger braun gefärbt und damit auf dem Waldboden super getarnt. Sie lebt an etwas feuchteren und schattigeren Orten: auf Wiesen, in Mooren oder eben auch in lichten Wäldern und an Waldrändern.

Wer einen kleinen Dinosaurier entdecken möchte, besucht deren typisches Habitat am besten frühmorgens an warmen, windstillen Frühlingstagen. Denn um sich aufzuwärmen, nehmen die Tiere dann gerne ein ausgiebiges Sonnenbad. Erst wenn sie ihre bevorzugte Betriebstemperatur erreicht haben, werden sie aktiv. Wird es zu warm, verkriechen sie sich schon bald wieder in den Schatten.

Jetzt im Frühling ist sowieso die aktivste Zeit der Eidechsen. Diese sind nun etwas kopf- und sorgloser als sonst, haben sie doch vor allem das andere Geschlecht im Sinn. Nach der Paarung legt das Weibchen rund acht bis fünf weichschalige Eier in den gut besonnten, sandigen Boden. Die Temperatur im Boden entscheidet darüber, wie schnell sich die Embryonen entwickeln. Die frisch geschlüpften Tiere sind nur rund fünf Zentimeter lang. Sie müssen sich gut in Acht nehmen, denn sie haben viele Feinde – sogar auch ihre eigenen Eltern und Artgenossen, welche sie gerne fressen möchten! Wenigstens können sie bei einer Bedrohung ihren Schwanz abwerfen, der noch eine Zeit lang zuckt und den Angreifer ablenkt. Der Schwanz wächst später nach – allerdings nie wieder ganz so perfekt wie zuvor.

Lebendgebärende Waldeidechse

Ungewöhnlich ist die Strategie der Waldeidechse: Sie bringt bei uns nämlich lebende Junge zur Welt, statt Eier zu legen. Allerdings sind die rund fünf bis zehn Jungen bei der Geburt noch von einer weichen Eihaut umhüllt, aus der sie sich erst noch befreien müssen. In südlicheren Gefilden hingegen legt die Waldeidechse ganz normale Eier.

Im Spätsommer und Herbst geht es dann bei allen Arten nur noch ums «Auftanken»: Die Tiere fressen sich Reserven an, bevor sie sich in ihre Winterquartiere zurückziehen. Mit sinkenden Temperaturen verlangsamt sich ihr Stoffwechsel – bis sie schliesslich in einem vor Frost sicheren Versteck in die Winterstarre fallen.

Alle drei Arten stehen unter Schutz: Intensive Landwirtschaft, Bebauung und das «Aufräumen» der Gärten und der letzten wilden Ecken nehmen ihnen wichtige Rückzugsorte. Wer ihnen helfen möchte, kann schon im eigenen Garten etwas tun: Steinhaufen, Totholz, sonnige Ecken und naturnahe Strukturen schaffen ideale Bedingungen.

Melden Sie Eidechsen-Funde

Der Verein Naturnetz Unteramt (VNU) möchte zusammen mit dem Amphibien- und Reptilienspezialisten Harald Cigler genauer wissen, wo im Knonauer Amt noch Eidechsen vorkommen. Dabei interessieren ihn vor allem die Standorte der Zaun- und der Waldeidechse. Ziel ist es, später an ausgewählten Orten Fördermassnahmen zu ergreifen. Wer eine Eidechse findet, ist gebeten, sie, wenn möglich, zu fotografieren und den genauen Standort (Koordinaten) zu melden. Das Meldeformular ist unter www.naturnetz-unteramt.ch/eidechsen zu finden. Der VNU dankt herzlich für alle Fundmeldungen.

 

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