Freiluft-Ausstellung motiviert zu Dorfspaziergängen

Auch bei Regenwetter kann man in Bonstetten Leute beobachten, die einen Plan in Händen halten und sich suchend umschauen, beim Gehen angeregt diskutieren und oft auch lachen. Man ist sich einig: Die Bonstetterinnen und Bonstetter sind aktiv, kreativ – und dies mit einem guten Schuss Humor.

Gemeindepräsident Erwin Leuenberger gefällt das Männerherz von Kunstschmied Daniel Hedinger. (Bild Regula Zellweger)
Gemeindepräsident Erwin Leuenberger gefällt das Männerherz von Kunstschmied Daniel Hedinger. (Bild Regula Zellweger)

Einst wurde in Bonstetten die Kulturkommission abgeschafft. «Keine gute Entscheidung», fand Gemeindepräsident Erwin Leuenberger. Am 3. November im Pandemiejahr 2020 stimmte der Gemeinderat der Schaffung einer Kulturkommission zu und am 1. Januar 2021 trat das neue Reglement in Kraft. Das Ziel dieser Kommission: «Die Kulturkommission Bonstetten fördert das kulturelle Geschehen in der Gemeinde Bonstetten. Das Kulturangebot soll vielseitig sein und ein möglichst grosser Teil der Bevölkerung soll daran Anteil haben können.» Erwin Leuenberger lobt: «In unserer Gemeinde gibt es bereits ein vielseitiges Kulturschaffen. Es war mir ein Anliegen, alle kulturellen Akteure und Themen unter ein Dach zu bringen: Musik, Kunst, Sprache und Sport.»

Kreativität fördern und wertschätzen

Bereits seit dem 10. Mai 2021 ist ein Projekt der neuen Kulturkommission KuKo im ganzen Dorf zu sehen: An 22 verschiedenen Orten kann man kreative Werke entdecken und sie bewerten. Es wird nicht nur ein Publikumspreis verliehen, auch eine Fachjury, bestehend aus Elfi Bohrer, Ursula Leckebusch, Arianne Moser und Robert Zingg, kürt ein Werk und vergibt einen Preis. Galeristin Elfi Bohrer erzählt: «Arianne Moser und ich waren rund vier Stunden gemeinsam unterwegs, ein spannender und kalter Nachmittag, allerdings enorm beeindruckend, was die kreativen Bonstetterinnen und Bonstetter, jung und alt, ­geschaffen haben: durchdachte Botschaften, professionelles Gestalten und Witz und Humor! Bei unseren Favoriten waren wir uns sehr schnell einig, Diskussionen gab es nur zur Reihenfolge unserer ‹persönlich Prämierten›». Einige Kinder sind unter den Ausstellenden und auch die Primar- und die Sekundarschule machte mit. Ihre Leistungen werden eine separate Anerkennung erhalten.

Auch Auswärtige willkommen

Sandra Canonica und Stefan Wälti aus Stallikon waren im Regen mit der Liste der Werke und dem dazugehörenden Plan in Bonstetten unterwegs. Sie finden die Idee der Freiluftausstellung grossartig. Lobend erwähnten sie das Harry-Potter-Mobile der 12-jährigen Amina Frank und die gefilzte Schneckenpost von Regula Leutert. Witzig fanden sie den Coronavernichtinator der 9-jährigen Emma. «Wir hätten sogar Lust auf noch mehr Werke», erklärt Sandra Canonica, selbst Künstlerin, die dieses Jahr mit einem Künstlerkollektiv an der internationalen Ausstellung «RagARTz» ein Werk ausstellt. Stefan Wälti wünscht sich eine Ausschilderung, damit auch Auswärtige die Kunstwerke leicht ­finden.

Eine gute Idee ist auch das Projekt «Gemeinsam statt einsam» von Carmen Domenig. Sie platzierte die Skulptur eines lebensgrossen Mannes auf eine Bank. Besucher setzen sich nun neben ihn und zücken das Handy für ein Selfie.

Vater und Sohn, Oskar und Daniel ­Hedinger, zeigen Herz, jeder auf seine Art. Im Garten von Oskar Hedinger plätschert leise der Herzbrunnen vom einen zum anderen Herzen. Daniel Hedinger hat ein Herz aus wabenartigen, bunten Elementen geschaffen, die mit Begriffen beschriftet sind. Es muss ein Männerherz sein, denn da steht «Mannsein». Auf der Rückseite sieht man das Innenleben: ein Motor und ein grosser Benzinkanister.

In Anbetracht des eher bedrückenden Themas Pandemie, ist die Heiterkeit und positive Ausstrahlung vieler Werke besonders erfrischend. Die Ausstellung lockt oft ein Lächeln oder ein Schmunzeln hervor. Sie bewegt – vor allem die Ausstellungsbesucher. Es braucht einige Zeit, bis man alle Werke gesehen hat, mitsamt dem weit abliegenden Schneckenmuseum von Carmen Cabert am Fluechbachweg.

Dieses Projekt macht Spass: der Kulturkommission, den kreativen Künstlerinnen und Künstlern, den erwachsenen Besuchern und den Kindern, die auf diese Weise einen – nicht immer geliebten – Familienspaziergang mit spannenden Suchaufgaben verbinden können.

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