Freude an der Sprache und Geduld gefragt

Bei spielerischem Lernen ­Sprachkompetenz für den Alltag aufbauen – darum geht es im Deutschunterricht für Erwachsene des Vereins Gemeinsam statt Einsam (GsE) in Affoltern. Für den Wiederbeginn nach dem Shutdown fehlen noch Lehrpersonen.

Momentan kann der Deutschunterricht bei GsE in Affoltern nicht stattfinden, aber schon bald soll es wieder losgehen – mit Masken und Abstand. (Bild zvg.)
Momentan kann der Deutschunterricht bei GsE in Affoltern nicht stattfinden, aber schon bald soll es wieder losgehen – mit Masken und Abstand. (Bild zvg.)

Rund 80 Personen sind aktuell für die Deutschkurse des Vereins Gemeinsam statt Einsam (GsE) angemeldet. Unterrichtet wird in den fünf Klassen allerdings seit November nicht mehr. «Digital dürften wir zwar», sagt Gesamtleiterin Eveline Hedinger, «aber wir haben das Equipment nicht und auch die Mehrheit unserer Leute kann mit digitalen Mitteln nicht umgehen.»

Dabei ist die Sprachvermittlung wichtig. Deutsch können heisst auch, im Alltag selbstständig unterwegs sein zu können. Etwa dass eine Frau zum Frauenarzt gehen kann, ohne die Tochter als Dolmetscherin mitnehmen zu müssen, nennt Eveline Hedinger ein Beispiel. Sprachkenntnisse sind aber auch essenziell, wenn es darum geht, im Arbeitsmarkt Fuss zu fassen. GsE vermittelt nämlich auch niederschwellig Arbeit, vor allem im handwerklichen Bereich. Und da sei es schon vorgekommen, dass ein Arbeitgeber mit der Arbeitsleistung grundsätzlich zufrieden gewesen, aber die mangelnden Sprachkompetenzen einer Anstellung im Weg gestanden sei.

Soziale Integration

Die Deutschkurse für Erwachsene von GsE setzen bei Bedarf beim Alphabet an und führen bis zur Verständigung in vertrauten Alltagssituationen. Ein nicht zu unterschätzender Nebeneffekt des Unterrichts ist allerdings auch die Struktur, welche die zweimal zwei Stunden in der Woche bieten, sowie die damit verbundene soziale Integration. «Die Leute sind sehr motiviert», hat Eveline Hedinger festgestellt, «und es tut ihnen gut, aus dem häuslichen Alltag herauszukommen.» Zwei Drittel der zu unterrichtenden sind Frauen, das Altersspektrum reicht von 30 bis über 70 Jahre. «Unser ältester Schüler ist 77», so die GsE-Gesamtleiterin.

Wann der Unterricht fortgesetzt werden kann, steht noch nicht fest. «Spätestens nach den Sommerferien», sagt Eveline Hedinger, hofft aber auf Lockerungen ab dem 22. März. Für diesen Fall müsse man bereit sein. Im ­Moment fehlen GsE allerdings noch Lehrerinnen und Lehrer, um das Angebot im bisherigen Umfang fortsetzen zu können. Drei Unterrichtende sind nicht mehr verfügbar, weil sie zur Corona-­Risikogruppe gehören oder ihre Ressourcen andernorts gebunden sind. Deshalb sucht GsE zusätzliche Leute, die sich diese Aufgabe zutrauen.

Mit didaktischer Unterstützung

Der Deutschunterricht findet in den Räumen der Chrischona in Affoltern und vorwiegend vormittags statt. Aber auch Nachmittags- oder Abendkurse seien denkbar. Nach Möglichkeit wird der Stundenplan auf die Lehrperson abgestimmt. Pädagogische Erfahrung sei von Vorteil, aber nicht zwingend. «Wenn jemand Freude an der Sprache hat, macht das schon viel aus», betont Eveline Hedinger. Wichtig sei zudem die Geduld mit Menschen, die keine oder wenig Lernkompetenz mitbringen. Interessierte dürfen sich gerne unverbindlich melden und auch mal als Klassenassistenz eine erfahrene Lehrperson begleiten. GsE bietet bei Bedarf didaktische Unterstützung und stellt auch die Lehrmittel zur Verfügung.

Mit Gehalt kann GsE potenzielle Lehrpersonen nicht locken. Im Verein arbeiten alle – selbst die Gesamtleiterin – ehrenamtlich. «Nur so können wir das Angebot so günstig halten», erklärt Eveline Hedinger. Doch das Engagement sei durchaus eine Bereicherung, etwa durch den Einblick in andere Kulturen. Zudem seien die meisten Menschen dankbar, wenn sich jemand für sie Zeit nimmt, sie unterstützt, sich auf sie einlässt und sie einbezieht. «In einer Klasse können so sehr gute Beziehungen entstehen», betont Eveline Hedinger.

Weitere Infos unter www.gse-affoltern.ch

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