Friedensfest mit Milchsuppe und Gesang
Gegen 400 Personen feierten im Kloster Kappel ein Fest der Begegnung
In der Kirche erklingen Chorgesänge, unter der Eiche und vor dem Amtshaus wird ein grosses Buffet aufgebaut, und im voll besetzten Klosterkeller hören viele Interessierte den historischen Ausführungen von zwei Referenten zu. So begann der vergangene Samstag in Kappel. Das Kloster wurde zum grossen, bunten Festareal, belebt von Menschen aus der Region, aus der ganzen Schweiz und aus verschiedensten Kulturen. Zwei Anlässe trafen an diesem Tag zusammen und verknüpften sich. Einerseits feierte man den Milchsuppentag, andererseits das 20-Jahre-Jubiläum der Chöre der Nationen. Und schliesslich feierten einfach alle zusammen, denn das Ziel war dasselbe: das Miteinander, die Begegnung, die Kompromissbereitschaft und der Frieden. Die legendäre Milchsuppe und der Landfrieden waren an diesem Tag nicht Geschichte, sondern Gegenwart.
Sechs Chöre musizieren zusammen
Am Vormittag sprachen die Historiker Peter Niederhäuser und Bruce Gordon über den Kappeler Landfrieden und die Person Huldrych Zwingli. Sie zeigten auf, dass die Milchsuppe ein Symbol ist, das unser Schweizer Zusammenleben prägt. Das Suppenessen und der Erste Kappeler Landfrieden damals bewirkten aber keine Toleranz im heutigen Verständnis. Jeder blieb bei seiner Meinung und stufte die der anderen weiterhin als falsch ein. Für Zwingli war es ein fauler Frieden, und geschichtlich war es eines von vielen Bündnissen, die nicht für dauerhaften Frieden gesorgt haben. Immerhin hat der Landfrieden für einige Zeit verhindert, dass sich die Parteien weiterhin bekriegten. Während der Vorträge übten in der Kirche über 200 Sängerinnen und Sänger Lieder aus verschiedenen Kulturen. Die Chöre der Nationen aus Basel, Bern, Biel, Luzern, St. Gallen und Zürich vereinten sich anlässlich ihres 20-Jahre-Jubiläums zu einem grossen Chor der Nationen. Ein Miteinander der sechs Chöre in dieser Art war eine Premiere. Am Nachmittag, nach verschiedenen musikalischen Workshops, gab der riesige Chor mit Menschen aus 60 Nationen ein fröhliches, spontanes gemeinsames Konzert. Über Mittag genossen alle die grosse Teilete. Natürlich gab es Milchsuppe, aber auch mitgebrachte Speisen aus verschiedenen Kulturen. Die Gäste lagerten sich an diesem heissen Tag auf Decken oder an Tischen im Schatten. Es entstanden Gespräche zwischen Menschen von hier und von irgendwo, die oft mit den Fragen begannen: «Woher bis du und warum bist du hier?» Der Austausch war für alle spannend und bereichernd. Mitten im Geschehen traf man auch den Initiator des Anlasses, den theologischen Leiter, Pfarrer Andreas Nufer. Er genoss die vielen Menschen und das rege Treiben auf dem Areal. Seine ursprüngliche Idee war, einfach einen Milchsuppentag zu feiern. «Wir können die Milchsuppenteilete nun dreimal üben, um 2029 dann das 500-Jahre-Suppenjubiläum zu begehen», erklärte er humorvoll.
Die Verbindung mit dem Fest der Chöre der Nationen ergab sich im Anschluss und ist für ihn thematisch sehr passend. «Die Chöre der Nationen unterstützen das Bestreben für internationalen Frieden.» Zum Kappeler Landfrieden betont er: «Das war ein wichtiger Meilenstein für die Eidgenossenschaft, denn jeder Stand durfte nun seine eigene Art des Glaubens ausüben.» Und was heisst das heute? «Wir sind verschieden, aber wir gehören zusammen und bekämpfen uns nicht. Es geht mir nicht um Romantisierung oder Idealisierung, sondern einfach ums Zusammenleben.»






