Fussball in der Schweiz im Ersten Weltkrieg

Der Fussball in der Schweiz hatte während und nach dem Ersten Weltkrieg mit manchen ­Schwierigkeiten zu kämpfen. Militärdienst, Spanische Grippe und Kohlemangel verunmöglichten oder behinderten einen ordentlichen Fussballbetrieb.

In der Saison 1918/19 wurde der FC Etoile La Chaux-de-Fonds Schweizer Fussballmeister. (Bild «Schweizerische Sportzeitung» 1919)
In der Saison 1918/19 wurde der FC Etoile La Chaux-de-Fonds Schweizer Fussballmeister. (Bild «Schweizerische Sportzeitung» 1919)

Bereits nach Beginn des Ersten Weltkrieges war der Spielbetrieb stark eingeschränkt. Um die Selbstversorgung der Bevölkerung sicherzustellen, verfügte der Bund, dass über die Hälfte der Spielfelder in Äcker umfunktioniert wurden. Ausserdem liessen viele Vereine ihre Aktivitäten ruhen, weil die Spieler Militärdienst zu leisten hatten. Nach und nach gelang es jedoch dem Schweizerischen Fussball- und Athletikverband (Vorläufer des Schweizerischen Fussballverbandes), die zunächst skeptischen Militärbehörden von der guten physischen Verfassung der zum Dienst eingezogenen Fussballer zu überzeugen. So normalisierte sich der Spielbetrieb ab 1916 weitgehend. Ausserdem führten zahlreiche Militäreinheiten Fussballspiele durch, was zur Popularität des Sports beitrug.
Ein dramatischer Unterbruch erfolgte zum Ende des Ersten Weltkriegs durch die grassierende «Spanische Grippe», der weltweit zwischen 25 und 50 Millionen zum Opfer fielen. Zum Vergleich: Im Ersten Weltkrieg sollen rund 10 Millionen Soldaten gefallen sein. Auch die Schweiz mit etwa 25 000 Toten blieb von dieser Pandemie nicht verschont. Auffallend hoch war dabei der Anteil der 20- bis 29-Jährigen. Zweimal rollte die «Spanische Grippe» durchs Land. Zuerst im Sommer 1918 und danach noch viel heftiger im Herbst desselben Jahres, sodass die Lebenserwartung in diesem Seuchenjahr im Vergleich zu 1917 von 55,4 auf 46,3 Jahre sank.
Anweisungen von den kantonalen Gesundheitsdirektionen, die auffällig an die Massnahmen des Bundes gegen die Corona-Krise erinnern, wie beispielsweise die folgenden, sollten die Epidemie eindämmen: «Unterlasst den Besuch von Kinos, Variétés, Cabarets, Konzerten und Theatervorstellungen! Gehet zu Fuss euren Geschäften nach, meidet Tram und Eisenbahn, so weit es angängig ist! Befleissigt euch der grösstmöglichen Sauberkeit! Spucket nicht auf die Strasse! Unterlasset den landesüblichen Händedruck!» Daneben wurden aber auch allerlei Wundermittel angepriesen. Seifen, Mundspülungen und Nasensalbungen, sogar Staubsauger sollten helfen, die Erreger loszuwerden. Ausserdem ging das Gerücht um, dass der Genuss von Alkohol und Tabak beitragen solle, sich vor der Grippe zu schützen oder gar, dass diese Epidemie damit zu behandeln sei. Zudem wurden Telefone desinfiziert.

Auswirkungen auf den Spielbetrieb im Fussball
Vom 20. Oktober bis Mitte November 1918 ruhte wegen der Pandemie der Spielbetrieb vollständig. Doch auch nach dem Abflachen der Grippewelle blieb dieser gefährdet. Grund dafür war die kriegsbedingte Kohle-Knappheit in der Schweiz. Deshalb sah sich die SBB gezwungen, am Sonntag, 2. Dezember 1918, in der gesamten Schweiz den Eisenbahnverkehr einzustellen, da zu wenig Kohle für die Dampflokomotiven vorhanden war. Der Sonntag war damals der Spieltag für alle Serien. Dabei zeigten die Vereine bei der Transportbeschaffung viel Flexibilität. Lastwagen, Taxis, Fahrräder und Fuhrwerke dienten zum Transport der Spieler. Clubs der unteren Serien legten den Weg zu Fuss mit bis zu vier Stunden Marschzeit zurück.
Trotz aller Widrigkeiten – auch in der unglücksseligen Saison 1918/19 wurde ein Meister erkoren, es handelte sich um Etoile La Chaux-de-Fonds, der sich gegen die beiden anderen Gruppensieger durchsetzte. Die höchste Schweizer Liga wurde damals in drei Gruppen ausgetragen (West, Zentral, Ost).

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