Geben und Nehmen auf Augenhöhe

Siebte ordentliche Generalversammlung der Genossenschaft Kiss Knonauer Amt

Beat Bär stellt sich als neuer Vizepräsident vor. Präsidentin Barbara Steiner und Geschäftsführerin Birgit Schellmann Straub freuen sich auf die Zusammenarbeit (von links). (Bild Regula Zellweger)

Beat Bär stellt sich als neuer Vizepräsident vor. Präsidentin Barbara Steiner und Geschäftsführerin Birgit Schellmann Straub freuen sich auf die Zusammenarbeit (von links). (Bild Regula Zellweger)

Anna Günthart ist seit einigen Jahren Koordinatorin bei der Genossenschaft Kiss Knonauer Amt. In dieser Funktion ermittelt sie in Aufnahmegesprächen sorgfältig die Bedürfnisse der Nehmenden und die Möglichkeiten der Gebenden, führt sie zu sich optimal ergänzenden Tandems zusammen und begleitet sie beratend. Besonders wichtig waren ihr bisher die Freundschaften, die daraus entstanden.

«Plötzlich meldete ein Tandem keine geleisteten Stunden mehr», erzählt sie. «Auf Nachfrage erklärten die Beteiligten, man müsse keine Stunden mehr erfassen – es sei inzwischen eine tragende Freundschaft entstanden.» Ein schönes Ergebnis, auch wenn es nicht ganz dem ursprünglichen Grundgedanken von Kiss entspricht. Dort basiert das System auf Zeitguthaben: Individuelle Fähigkeiten und Kompetenzen werden eingesetzt, um anderen zu helfen und gleichzeitig Zeitgutschriften für den eigenen späteren Unterstützungsbedarf zu sammeln.

Freiwilligenarbeit fördern

Im Knonauer Amt gibt es viele Möglichkeiten für Freiwilligenarbeit. Gefragt sind jedoch auch alternative Modelle, die auf dem Geben und Nehmen basieren. Genau hier setzt Kiss an: Wer Menschen unterstützt, wird nicht mit Geld, sondern mit Zeitgutschriften entschädigt, und kann später selbst unkompliziert Hilfe beanspruchen.

Um dem Fachkräftemangel und den Folgen der demografischen Entwicklung entgegenzuwirken, braucht es neben staatlicher Unterstützung auch private Initiativen. Gleichzeitig ist aber auch die Förderung der Freiwilligenarbeit durch die öffentliche Hand wichtig. Noch wird Kiss nicht von allen Gemeinden des Bezirks unterstützt. Die Gewinnung zusätzlicher finanzieller Mittel zählt deshalb laut Geschäftsführerin Birgit Schellmann Straub zu den Zielen des kommenden Genossenschaftsjahres. Zudem soll die Öffentlichkeitsarbeit verstärkt und der Bekanntheitsgrad erhöht werden. Dafür sucht die Genossenschaft ein weiteres Vorstandsmitglied mit Fachwissen in den Bereichen Fundraising und Kommunikation.

An der Generalversammlung 2026 am 12. Mai bei Senevita Obstgarten in Affoltern wurden mehrere personelle Veränderungen kommuniziert. Beat Schärer trat als Co-Präsident zurück. Barbara Steiner übernimmt das Präsidium künftig allein, unterstützt vom neuen Vizepräsidenten Beat Bär. Christopher Nokes verantwortet wie bisher die Informatik. «Die neue IT-Lösung entlastet enorm, ist praxisnah und verschafft uns mit wenig Aufwand eine übersichtliche und verständliche Darstellung der aktuellen Statistiken», lobte Barbara Steiner. Maja Mosimann ergänzt den vierköpfigen Vorstand als Aktuarin. Dieser arbeitet ehrenamtlich. Für die Revision ist die Zahlenwerkstatt GmbH zuständig. Das Genossenschaftskapital beläuft sich auf knapp 30000 Franken, knapp 300 Personen sind Genossenschafterinnen und Genossenschafter.

Bericht der Geschäftsführerin

Birgit Schellmann Straub dankte allen Personen, die ihre Tätigkeit für Kiss Knonauer Amt beendeten, für ihr grosses Engagement. Der scheidende Co-Präsident Beat Schärer betonte, er habe die Arbeit im Vorstand sehr geschätzt und freue sich nun auf eine neue Lebensphase mit Reisen im Wohnmobil.

Besonders würdigte die Geschäftsführerin die wichtige Arbeit der Koordinatorinnen Barbara Bäni, Anna Günthart und Brigitte Kubli.

Kiss verfolgt zudem das Ziel, Menschen zu vernetzen und Einsamkeit entgegenzuwirken. Dazu dienen unter anderem die halbjährlichen Kiss-Treffen. Jeden ersten Dienstag im Monat kommen Mitglieder zu einem gemeinsamen Mittagstisch im Central in Affoltern zusammen. Zudem treffen sich Konversationsgruppen, um ihre Italienisch- und Englischkenntnisse zu pflegen.

Dankbar zeigte sich die Geschäftsführerin für die Unterstützung der Kollektivpartner, darunter das Pflegezentrum Sonnenberg, die Job Werkstatt Mettmenstetten, die Standortförderung Knonauer Amt, die Widmer-Frick-Stiftung, die Raiffeisenbank Kelleramt-Albis sowie die Mobiliar, die auch den Apéro anschliessend an die GV offerierte.

Kiss Knonauer Amt kann durch persönliches Engagement als Genossenschafterin oder Genossenschafter, durch Spenden, Sponsoring oder Legate unterstützt werden. «Wir sind zuversichtlich, dass wir gemeinsam auf dem richtigen Weg sind und noch vieles erreichen können», zeigte sich Präsidentin Barbara Steiner überzeugt. Kiss Knonauer Amt macht sichtbar, wie freiwilliges Engagement, gegenseitige Unterstützung und persönliche Begegnungen den gesellschaftlichen Zusammenhalt stärken können.

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