«Wir bitten den Gemeinderat, eine günstigere Variante vorzulegen»
Die Initianten der Stalliker Petition gegen die geplante Schulraum-Erweiterung/Mehrzweckhalle über ihre Beweggründe

Die Gemeinde Stallikon benötigt zusätzlichen Schulraum und eine Sporthalle. Nach jahrelanger Projektierung und Planung liegt inzwischen ein pfannenfertiges Projekt auf dem Tisch: Es umfasst ein Schulhaus mit vier Klassenzimmern und Nebenräumen, eine Mehrzweckhalle sowie eine Freizeit- und Sportanlage (Generationenplatz). Die entscheidende Abstimmung über den Baukredit ist für den 27. September vorgesehen.
Eine detaillierte Abstimmungsvorlage will der Stalliker Gemeinderat innerhalb der nächsten Wochen publizieren. Darüber hinaus ist für den 26. August eine Informationsveranstaltung geplant.
Wie hoch die projektierten Baukosten sind, ist offiziell noch nicht bekannt. Im letzten Herbst war an der Gemeindeversammlung von möglichen Gesamtkosten von 23 Millionen Franken die Rede («Anzeiger» vom 2. Dezember 2025). Doch gegen das Projekt regt sich Widerstand. Anlässlich der letzten Gemeindeversammlung, im April, gab Ruedi Fischer im Namen einer kleinen Gruppe von Stimmbürgerinnen und Stimmbürgern die Lancierung einer Petition bekannt. Die Gruppe stört sich an den aus ihrer Sicht viel zu hohen Kosten von möglichen 23 Millionen Franken.
Die Kritik richtet sich gegen das geplante Gesamtprojekt. Die Kosten für das Schulhaus waren in einer ersten Schätzung vor drei Jahren auf 6.7 Millionen Franken geschätzt worden, plus/minus 30 Prozent. Dazu kommen die Kosten für die Mehrzweckhalle von 7.9 Millionen Franken und den Generationenplatz von 1.4 Millionen (ebenfalls plus/minus 30 Prozent). Mit der Petition bittet die Gruppe Gemeinderat und Schulpflege, die geplante Abstimmung zu verschieben und «Offerten für den Bau von Schulraum/Mehrzweckhalle in hochwertiger Modulbauweise einzuholen». Sie verspricht sich davon deutlich tiefere Baukosten.
«Anzeiger»: Herr Fischer, Herr Giger, auch von Ihrer Seite wird nicht bestritten, dass die Gemeinde zusätzlichen Schulraum benötigt. Sie stören sich aber an den Kosten für das geplante neue Schulhaus und schlagen eine Modulbauweise vor. Was wären aus Ihrer Sicht die Vorteile?
Ruedi Fischer: Eine Modulbauweise wurde von den Stalliker Behörden selber in der Machbarkeitsstudie vom Dezember 2022 vorgeschlagen und ist beträchtlich günstiger. In Wettswil kostete diese für zwei komplette Schulzimmer, Nebenräume und Infrastruktur zirka eine Million Franken. Die Modulbauweise ist zudem jederzeit erweiterbar und auch rückbaubar, ein entscheidender Vorteil, da die Prognosen gemäss der von der Schulpflege publizierten Studie von einer sinkenden Anzahl Schüler ausgehen. Erst in rund zehn Jahren wird wieder die heutige Anzahl Schüler erreicht.
René Giger: Diese Herausforderung stellt sich für viele Schulgemeinden in der Schweiz, wie unter anderem die Reportage «Schulraumplanung: Gibt es bald überschüssige Schulzimmer – auch in Ihrer Region?» von Radio SRF1 vor Kurzem aufzeigte.
«Anzeiger»: Das Projekt der Gemeinde ist planerisch sehr weit fortgeschritten. An der letzten Gemeindeversammlung erklärte Gemeindepräsident Reto Bernhard, dass ein Umschwenken auf eine Modulbauweise das Projekt um zweieinhalb bis drei Jahre verzögern würde. Und dass zusätzliche Projektierungskosten entstünden. Für Sie kein Problem?
Ruedi Fischer: Ja, es entstehen zusätzliche Kosten. Die Einsparungen überwiegen diese aber bei Weitem. Erstens können grosse Teile der planerischen Vorleistungen weiterverwendet werden. Zweitens haben wir Modulbauoptionen fundiert abgeklärt mit möglichen Anbietern. Drittens sind diese bereit, zeitnah Offerten zu unterbreiten, die den gegebenen Anforderungen entsprechen. Dadurch beschränkt sich die Verzögerung auf einen weit kürzeren Zeitraum als zweieinhalb bis drei Jahre. Zudem werden die zusätzlichen Schulräume erst bei Ausführung des Projektes Zentrum Stallikon gebraucht, also zirka 2030 mit dem Teilrückbau des Schulhauses Dorf.
«Anzeiger»: Ein weiterer Einwand seitens Gemeinderat: Eine Modulbauweise wäre kurzfristig günstiger, langfristig im Unterhalt aber teurer als ein konventioneller Bau. Was sagen Sie dazu?
René Giger: Das können wir nicht nachvollziehen. Rund um uns herum, auch in der Stadt Zürich, wird laufend in hochwertiger Modulbauweise gebaut. In dieser Qualität ist auch die Kantonsschule in Affoltern geplant.
«Anzeiger»: Sie haben auf der Internetseite www.civic.ch mittlerweile rund 90 Unterschriften für Ihre Petition gesammelt. Nun ist eine Petition lediglich eine Bitte. Der Gemeinderat kann, muss aber nicht darauf eingehen. Sogar wenn der Gemeinderat Ihre Bitte eingehend prüfen sollte, ist es zeitlich so gut wie unmöglich, auf den Abstimmungstermin hin am 27. September eine seriöse Abstimmung mit zwei Varianten vorzulegen (herkömmliche Bauweise/Modulbauweise). Die Stimmbürgerinnen und Stimmbürger werden im September somit voraussichtlich nur Ja oder Nein zum gemeinderätlichen Vorschlag sagen können. Oder sehen Sie da andere Möglichkeiten?
Ruedi Fischer: Ja. Wir bitten den Gemeinderat, die Abstimmung vom Herbst 2026 um wenige Monate zu verschieben und dem Souverän neben dem Originalprojekt eine günstigere Variante in hochwertiger Modulbauweise zur Abstimmung vorzulegen.
«Anzeiger»: Noch einmal zurück zu den Kosten. Würde es für den einzelnen Steuerzahler letztlich einen spürbaren Unterschied ausmachen, wenn es in Modulbauweise gebaut würde?
René Giger: Ja, sicher. Zuerst ist da einmal der horrende Betrag von 23 Millionen Franken zu erwähnen, welcher Steuergelder bindet, die anderweitig benötigt werden, zum Beispiel mit einer – bisher nirgends erwähnten – Gesamtsicht auf die Schulinfrastruktur, inklusive des in grossen Teilen über 50-jährigen Schulhauses Loomatt. Dann rechnet die Gemeinde bei Investitionen mit 8,03 Prozent jährlich wiederkehrenden Folgekosten für Abschreibungen, Zins, Betrieb, Unterhalt und Personal. Bei 23 Millionen betragen diese 1.8 Millionen Franken, entsprechend rund 13 Steuerprozent. Für jede Million weniger macht das somit 80300 Franken pro Jahr.


