Genug Sicherheit für die Schulkinder?
Die Niederfeldstrasse in Mettmenstetten zwischen der Primarschule und dem Oberdorf soll im Hinblick auf den Bau des neuen Schulhauses und der Turnhalle neu verlegt werden in begradigter Form. Damit wird die Sicherheit erhöht, sagt die Gemeinde. Anwohner laufen Sturm gegen die Pläne, da ihrer Ansicht nach die Sicherheit für Schulkinder und Fussgänger nicht gewährleistet ist.

Das verstehe er echt nicht, sagt der Anwohner an der Niederfeldstrasse, der nicht namentlich genannt sein will. Er verstehe nicht, wie eine kerzengerade, fast 6 Meter breite Strasse, die über ihre volle Länge von den Autofahrern überblickt werden kann, der Sicherheit dienen soll. Wieso müsse diese Strasse begradigt werden? Eine breite, sehr übersichtlich angelegte Strasse ohne effektive verkehrsberuhigende Massnahmen lade nicht dazu ein, die Geschwindigkeit auf die erforderlichen 30 km/h zu reduzieren.
Die Bauarbeiten für das neue Primarschulhaus und die Doppelturnhalle sind im vollen Gang. Fertiggestellt werden sollen sie bis Mitte (Schulhaus) respektive Ende 2021 (Turnhalle). Die anliegende Niederfeldstrasse wird saniert und leicht verschoben neu angelegt. Die Pläne der Gemeinde für die rund 200 Meter lange Strasse sehen eine «Beibehaltung» des bisherigen Strassenverlaufs vor. Die Strasse soll von 6 auf 5,75 Meter verschmälert werden, talseitig kommen 23 Parkplätze zu liegen, rechtwinklig zur Strasse angeordnet. Ursprünglich waren 42 Parkplätze und eine jetzt dort nicht mehr geplante Drop-Off-Zone für Elterntaxis vorgesehen. Das neue Trottoir kommt hinter den Parkplätzen zu liegen.
Alles Massnahmen, die der Sicherheit dienen, wie Gemeinderat Beat Bär erklärt. «Die geplante Strasse bietet die beste Lösung im Interesse der Allgemeinheit.» Die Verschiebung der Strasse und auch deren Breite seien im Interesse der Sicherheit notwendig. Die geplante Strassenführung biete die besten Sichtverhältnisse und ermögliche eine optimale Trottoirführung. Eine weitere Reduktion der Anzahl Parkplätze als von 42 auf 23 sei nicht möglich, da genügend Parkplätze für den Schul- und Trainingsbetrieb vorgeschrieben sind. Die von den Anwohnern erwünschte Strassenbreite von 4,8 m «ist aus verschiedenen Gründen nicht machbar; zum Beispiel wären die rechtlich geforderten Parkplätze nicht mehr voll nutzbar und die Anlieferung von Holzschnitzeln für die Heizung der Schulanlage massiv erschwert», sagt Bär.
Priorität beim Verkehr?
Der Anwohner und seine Frau kritisieren, die Breite der Strasse sei so konzipiert, dass Lastwagen und Personenwagen auf ihr kreuzen können. Das sei unnötig, da es kaum Lkw-Verkehr gebe auf der Niederfeldstrassse. Einzig die Abfallentsorgung, die Belieferung einer Garage, einer Schreinerei und der Transport von Holzschnitzeln für die künftige Heizung der Schulanlage sorge für geringen Lkw-Verkehr. Bei der Planung der Strasse geniesse der motorisierte Verkehr Priorität, ist die Anwohnerin überzeugt. Sie und ihr Mann kritisieren auch das Fehlen markanter Strassenverengungen sowie von Schwellen oder Kissen zur Verkehrsberuhigung. Und das angedachte Schild am Eingang der Tempo-30-Zone, das lediglich knapp einen Meter in die Strasse hineinrage, erfülle den Zweck der Verkehrsbremsung nicht.
Vier Anwohnerparteien der Niederfeldstrasse haben Einsprache gegen die Neulegung eingereicht. Sie alle sind auch dadurch betroffen, dass sie mit der Begradigung der Strasse einen Teil ihrer Gartenfläche verlieren werden. Land, das der Gemeinde gehört und das die Anwohner von ihr vor ein paar Jahren zur Nutzung erhalten haben. Der Anwohner bestreitet, dass dies beim Widerstand der Anwohner gegen die neue Strasse mitspiele. Ihnen sei von Anfang an bewusst gewesen, dass die Gemeinde mit ihrem Land jederzeit machen könne, was sie will. Es gehe ihnen einzig um die Sicherheit der Schulkinder und Senioren an dieser Strasse.
Rekurs noch offen
Laut Beat Bär wird der Gemeinderat über die Neulegung der Strasse in seiner Sitzung vom 28. April beschliessen. «Es sind beim Strassenprojekt und bei den nach der Erstellung der Strasse geplanten Sicherheitsmassnahmen sehr viele Vorkehrungen für die Sicherheit getroffen worden. Eine grosse Anzahl von Anliegen der Anstösser sind eingeflossen und werden nach dem Bau der Strasse noch einfliessen.»
Die Anwohner hingegen sehen ihre Anliegen von der Gemeinde nicht ernstgenommen. Man habe seinerzeit den Rekurs gegen das gesamt Schulraumprojekt zurückgezogen, erklärt der Anwohner, weil der Gemeinderat versprochen habe, dass über die Ausgestaltung der Niederfeldstrasse nochmals ausführlich diskutiert werde. Doch seither habe sich nichts mehr getan, die Gemeinde blocke jedes Gespräch ab – eine Aussage, die von Seite der Gemeinde als falsch zurückgewiesen wird.
Nach dem Gemeinderatsentscheid haben die Anwohner, die gegen das Projekt Einsprache erhoben haben, 30 Tage Zeit, Rekurs einzulegen. Ob sie dies tun werden, steht allerdings noch nicht fest. Das müsse erst noch innerhalb der Hauptbetroffenen besprochen werden, erklärt der Anwohner.


