Gilt auch auf der Dorfstrasse in Obfelden künftig Tempo 30?
In Ottenbach und Obfelden entsteht für 80 Millionen Franken ein Autobahnzubringer, der die Dörfer vor den Gefahren des Verkehrs schützen soll. Nach der Eröffnung gilt im Ottenbacher Dorfkern Tempo 30. Und in Obfelden? Kommende Woche präsentiert der Gemeinderat die Ergebnisse aus seiner Vorstudie.
Ende 2009 wurden die A4 im Knonauer Amt und der Üetlibergtunnel eröffnet. Während einige Dörfer im Bezirk vom Durchgangsverkehr entlastet wurden, nahm er in Obfelden und Ottenbach zu. Um die Bevölkerung auch dort vor Gefahren und Lärm zu schützen, sprachen sich die Zürcher Stimmberechtigten im September 2012 für einen Autobahnzubringer aus. Die Kosten – teils mitfinanziert durch den Bund – bezifferte man damals auf 65,4 Millionen Franken. Es folgte ein Nachtragskredit über 15 Millionen Franken, der im Januar 2020 vom Kantonsrat bewilligt wurde.
Langsam nimmt das 80-Millionen-Projekt Gestalt an. Die Bauarbeiten in Ottenbach, Rickenbach und Bickwil laufen, eröffnet werden soll der Zubringer im Mai 2023. Entscheidend für seinen Erfolg wird sein, möglichst viel Verkehr auf die Umfahrung zu lenken, um ihn aus den Dorfkernen von Ottenbach und Obfelden fernzuhalten. Damit das klappt, sind ausser- und innerhalb der Dörfer flankierende Massnahmen nötig. Als solche gelten zum Beispiel ausgebuchtete Fahrbahnen an den Dorfeingängen und verengte Fahrspuren innerorts, die eine Temporeduktion erfordern – oder generelle Änderungen an den Tempo-limiten. Im Zuge der Bauarbeiten werden mehrere Strassenabschnitte, die durch die Zentren von Obfelden und Ottenbach führen, von Kantons- zu Gemeindestrassen abklassiert. Sie fallen dadurch in die Entscheidungsgewalt der Gemeinden.
In Ottenbach gilt auch auf einer Kantonsstrasse bald Tempo 30
In Ottenbach lud der Gemeinderat 2018 zu einer Zukunftswerkstatt ein, in der die Bevölkerung gefragt wurde, was ihr für den neuen, verkehrsberuhigten Dorfkern vorschwebe. Ein Konsens ergab sich bei der erlaubten Fahrgeschwindigkeit: Man wünschte sich auf der Kantonsstrasse durch das Dorfzentrum Tempo 30.
Inzwischen ist die Planung der Dorfgestaltung fortgeschritten: Das Begehren erwies sich in seiner Absolutheit als nicht umsetzbar. Zumindest vorläufig bleibt auf der Zwillikerstrasse und auf der Jonenstrasse dorfeinwärts bis zur Einmündung Hobacherstrasse (nahe der Ausstellung Schneebeli AG) die Höchstgeschwindigkeit bei 50 km/h. Ab dort soll jedoch auf einer 700 Meter langen Strecke durch das Dorfzentrum (bis zur Bushaltestelle Rigiblick) Tempo 30 herrschen. Dieser Abschnitt verbleibt zwar im Netz der Kantonsstrassen, doch der Gemeinderat konnte die kantonale Baubehörde davon überzeugen, dass eine Tempo-30-Strecke die richtige Lösung ist. Zwei weitere Strassenabschnitte (von «Haas Shopping» bis zum Lichtsignal im Dorfkern und ab der Kreuzung Affoltern-/Rickenbacherstrasse) werden zu Gemeindestrassen und zugleich zu Tempo-30-Zonen.
Die Abklassierung der Dofstrasse bietet Obfelden neuen Spielraum
In Obfelden war die Zustimmung aus der Bevölkerung für den Autobahnzubringer besonders gross. Es entstand die IG Sicherer Schulweg, die sich dafür einsetzte, den Schwerverkehr aus dem Dorf zu verbannen und die Dorfstrasse zu einem sichereren Schulweg zu machen. Praktisch alle Schülerinnen und Schüler seien auf dem Weg zu ihren Schulhäusern auf dieser Strasse unterwegs, zeigte man in einem Faktenblatt vom Juli 2012 auf. Der A4-Zubringer biete eine langfristige Lösung für Verkehrssicherheit im Dorf.
Mit dem Bau des Zubringers wird nun auch in Obfelden ein Strassenabschnitt abklassiert und der Gemeinde zur Neugestaltung übergeben. Konkret ist das auf der Dorfstrasse zwischen den Restaurants «Kreuzstrasse» und «Rütli» der Fall. Was diese Strecke – im langgezogenen Obfelden gewissermassen die Hauptschlagader – in Zukunft bieten soll, damit befasst sich der Gemeinderat seit 2017. In die Planung involviert sind neben der Verkehrskommission auch die Arbeitsgruppe «Dorfstrasse» und das Ingenieur-Büro SNZ.
Über konkrete Ideen der Gemeinde ist bisher wenig an die Öffentlichkeit gelangt. Anfang 2020 wurden die Arbeiten für die Vorstudie aufgenommen, die als Grundgerüst für die weitere Planung dienen soll. Im April desselben Jahres hiess es im dorfeigenen Bulletin: «Die Resultate der Vorstudie werden im Verlauf der zweiten Jahreshälfte mit der Bevölkerung diskutiert. Anschliessend kann dann das Vorprojekt erarbeitet werden.»
Zur Präsentation der Ergebnisse kam es nicht. Stattdessen war im Dezember 2020 auf der Gemeinde-Website zu lesen, der Gemeinderat habe die Vorstudie im Oktober zuhanden einer Prüfung an den Kanton Zürich verabschiedet. Kurz darauf wurde die Submission für die Ingenieursarbeiten gestartet, vor den Sommerferien erhielt das Büro BG Ingenieure und Berater AG den Zuschlag.
Daniel Launer, der Präsident des Gewerbevereins Obfelden hofft, dass die Projektverantwortlichen für die Dorfstrasse eine Lösung finden, die der Bevölkerung mehr Lebensqualität bietet und zugleich den Bedürfnissen der Gewerbetreibenden Rechnung trägt. Es sei wichtig, dass die Zufahrt im Dorf für sie gut erhalten bleibe. Philipp Schweiger von der IG Sicherer Schulweg indes bekräftigt, man werde genau hinschauen, dass die Sicherheit der Schülerinnen und Schüler gewährleistet sei. Die Gestaltung der Dorfstrasse sieht er als Chance, den Charakter Obfeldens als «Strassendorf» neu zu formen. Ähnlich sieht es Rolf Vollenweider, Präsident der SP Obfelden. Er hofft auf ein innovatives Projekt, das die Gestaltung von den Bedürfnissen der Bevölkerung her denkt und Begegnung ermöglicht.
Die Gemeinde möchte sich derzeit zum Thema Dorfstrasse nicht äussern. Sie verweist auf ein Sonderbulletin, in welchem die Erkenntnisse der Vorstudie zusammengefasst werden. Das Bulletin wird nächste Woche in alle Obfelder Haushalte verschickt.


