Häuser im Knonauer Amt

Das Neujahrsblatt 2021 befasst sich wie im Vorjahr mit der Geschichte und Geschichten von Häusern. Die reich bebilderte Broschüre lädt ein zu einem Streifzug durchs Knonauer Amt, stellt geschichtsträchtige Bauten und weitere interessante Gebäude vor. Der beliebte Neujahrsanlass entfällt wegen der verschärften Schutzbestimmungen des Bundes.

Markante Bauten: Die Titelseite des GGA-Neujahrsblatts 2021. (Bild zvg.)
Markante Bauten: Die Titelseite des GGA-Neujahrsblatts 2021. (Bild zvg.)

«Das Waschen war in meiner Kindheit eine anstrengende und aufwendige Arbeit. Am Samstagabend pflegte die ganze Familie zu baden, am Sonntag zogen wir frische Kleider an und bei sonnigem Wetter folgte in der nächsten Woche einmal monatlich der obligate Waschtag. Schon früh am Morgen wurde – anfänglich noch bei Kerzenlicht – der Waschkessel eingeheizt», erinnert sich Ruedi Bieri an das Waschen in seiner Jugend. Die Geschichte von Waschhäusern ist ein Schwerpunkt dieses Neujahrsblattes. Beispielhaft dafür stehen drei Kleinode in Aeugst, welche die vielfältige Nutzung der Waschhäuser in der Vergangenheit illustrieren. So dienten gewisse Waschhäuser nicht nur zum Waschen, sondern ebenfalls als Schlachtlokale und der eingeheizte Kupferkessel wurde zum Brennen von Schnaps oder zum Sieden von Schweinefutter verwendet. Erst nach dem Zweiten Weltkrieg mit dem Aufkommen der vollautomatischen Waschmaschinen wurde das Waschen in Waschhäusern allmählich hinfällig. Heute werden diese Gebäude vielfältig genutzt. In einigen wird ein Hofladen geführt, etliche dienen als Lager-, Versammlungs- oder sogar als Unterrichtsraum für Kleingruppen. Andere wiederum wurden zu Wohnraum umgestaltet, doch viele stehen – scheinbar funktionslos – als steinerne Zeugen einer verflossenen Zeit, bereichern jedoch durch ihr malerisches Aussehen so manches Ortsbild.

Schlachthäuser und Bauten der «Belle Epoque»

Ein zweites Kapitel widmet sich den Hof- und Notschlachtungen. Auch in einem einfachen Lokal an der Tränkegasse in Rifferswil wurden solche Notschlachtungen durchgeführt. Erfahrenen Störmetzgern oblag dabei diese Aufgabe, so dass das sogenannte Versicherungsfleisch – Meinungsverschiedenheiten über Preise und Qualität waren häufig – schliesslich verteilt werden konnte.

Die landschaftliche Schönheit unserer Region ist unbestritten. Das aktuelle Neujahrsblatt lädt jedoch ein, besonders prächtige Bauten zu entdecken. So zeugen Gebäude der «Belle Epoque» vom Glanz des Bezirkshauptortes um die Jahrhundertwende, als der Wasserkurort Affoltern mit Kneippkuren und Luftbädern internationales Renomee erlangte. Das Haus «Friedheim», die «Villa ­Alpina» sowie das erste Wohnhaus im Hägeler, die allesamt unter Denkmalschutz stehen, dokumentieren die Schönheit dieser Architektur und sind teilweise mit Gottlieb Gautschi, einem legendären Baumeister der «Belle Epoque», verbunden.

Doch auch in anderen Orten des Knonauer Amtes hat die Stilvielfalt der Jahrhundertwende ihre Spuren hinterlassen. So in zwei Gebäuden von Obfelden, in der repräsentativen Villa Stehli-Vollenweider mit zahlreichen Jugendstilelementen und dem «Friedberg» (Türmlihaus), Alterssitz des Dekans Esslinger. In Mettmenstetten schliesslich besticht das Vollenweider Haus, auch «sBotte Huus» genannt, nicht nur durch seine prunkvolle Fassade, sondern ebenso durch den grosszügigen Garten.

Herrschaftliche Häuser waren oft gepaart mit einem bedeutenden politischen Amt der Besitzer oder demonstrierten deren unternehmerische Macht. Die Vollenweiders in Mettmenstetten wirkten als Gemeinderäte und Gemeindepräsidenten, während Stehli-Vollenweider in Obfelden als Direktor der Seidenweberei Stehli fungierte.

Trouvaillen im Frohmoos und Häuser aus Bruchsteinmauerwerk

Im idyllischen Weiler Frohmoos, oberhalb von Hedingen gelegen, thront das Haus Spillmann, ein herrschaftlich anmutendes Gebäude. Die Geschichte dieses Hauses zeigt auf, wie eine gut gestellte Bauernfamilie im 19. und 20. Jahrhundert lebte. Besonders reich an Trouvaillen ist das Innere des Gebäudes. Ein Läutwerk beispielsweise verrät, wie einst Eigentümer mit den in verschiedenen Zimmern beschäftigten Mägden in Verbindung treten konnten.

Wer durch den alten Dorfkern von Mettmenstetten sowie die Weiler Grossholz, Grüt und Dachlissen streift, begegnet ihnen besonders häufig: Den Häusern aus Bruchsteinmauerwerk, welche diese Orte prägen. Da Hau- oder Quaderbausteine lokal nicht verfügbar waren, verwendete man damals oft unverputztes Bruchsteinmauerwerk, so auch im vorgestellten Bauernwohnhaus mit Baujahr 1862 in Dachlissen.

Abgerundet wird das informative Neujahrsblatt durch ein Quiz, in dem die Leserschaft aufgefordert wird zu erraten, wo sich die Gebäude mit den abgebildeten Inschriften befinden.

Verabschiedung von Marianne Voss verschoben

Seit 2008 war Marianne Voss Vorsitzende der Redaktionsgruppe und durch ihre umsichtige Führung massgeblich daran beteiligt, dass das Neujahrsblatt stets von neuem Kostbarkeiten aus dem ­Knonauer Amt in Wort und Bild präsentierte. Wegen der Absage des Neujahrsanlasses muss die Verabschiedung auf die am 27. Mai stattfindende Generalversammlung der GGA verschoben werden.

Das Neujahrsblatt gibt es für 10 Franken bei der Buchhandlung Scheidegger, Affoltern, oder bei der Gemeinnützigen Gesellschaft des Bezirks Affoltern, www.ggaffoltern.ch, info@ggaffoltern.ch.

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