Handwerkliche Berufe im Bezirk überdurchschnittlich beliebt
Die aktuelle Lehrstellensituation im Bezirk Affoltern ist mit den Vorjahren vergleichbar. Für den Lehrstart im Sommer sind noch rund 143 Lehrstellen offen. Bei den Jugendlichen im Bezirk sind auch Ausbildungen in handwerklichen Berufen beliebt.

Von insgesamt 259 angebotenen Lehrstellen im Bezirk Affoltern sind derzeit noch rund 143, mit 55 verschiedenen Berufsbezeichnungen, frei. Praktisch in jeder Branche finden sich zurzeit noch einzelne Lehrstellen, etwa als Dachdecker/in, Baumaschinenmechaniker/in oder Fachmann/-frau Betreuung EFZ Fachrichtung Kinderbetreuung und sogar im kaufmännischen Bereich. Ein seltener Beruf ist Fachmann/Fachfrau Textilpflege EFZ Textilreinigung. Für diesen gibt es in der gesamten Schweiz nur jeweils rund 15 Lehrstellen, eine davon in Affoltern. Hingegen können sich angehende Elektroinstallateure ihren Lehrbetrieb im Bezirk noch aussuchen. Rund zehn Lehrstellen sind in diesem Beruf noch frei. Auch in der Autobranche und im Gastgewerbe sind noch verschiedene Ausbildungsplätze zu besetzen. Die meisten freien Lehrstellen finden sich aber im Detailhandel. Tatsächlich ist es für die Betriebe heute nicht einfach, Lehrstellen zu besetzen. Der Grund dafür ist, dass viele Jugendliche den gymnasialen Weg einschlagen. «Für viele wäre eine Berufslehre mit Berufsmatur der bessere Weg», sagt Jürg Büchi, Präsident des Lehrstellenforums Affoltern. Diese erhöhe die Chancen auf dem Arbeitsmarkt und biete Möglichkeiten, sich im Beruf weiterzuentwickeln oder der Lehre ein Studium anzuhängen.
Realitätsbezogene Berufswahl
«Von den aktuellen Schulabgängern aus dem Bezirk haben die meisten bereits eine Anschlussmöglichkeit gefunden», sagt Christine Viljehr, Leiterin des biz Urdorf, und die Lehrbetriebe geben auch Schülerinnen und Schülern mit SekB eine Chance. Damit unterscheide sich der Bezirk Affoltern von anderen, wie zum Beispiel Dietikon, so Christine Viljehr. Dabei sind im Bezirk keine Modeberufe auszumachen. «Im Bezirk Affoltern findet die Berufswahl realitätsbezogen statt. Bei den Jugendlichen sind durchaus auch handwerkliche Berufe gefragt, was wir in anderen Bezirken weniger feststellen können», so Christine Viljehr.
Lernende müssen ins Team passen
Immer öfter wird von den Lernenden ein Eignungstest, ein sogenannter «Multicheck» oder «Basic-Check» verlangt, den sie dem Bewerbungsdossier beilegen müssen. Diese sind nicht kostenlos.
Das biz plädiert aber dafür, dass die Persönlichkeit der Jugendlichen bei der Lehrstellen-Rekrutierung wieder vermehrt ins Zentrum rückt und dass stärker auf die Rückmeldungen aus Schnupperlehren sowie auf besuchte Info-Veranstaltungen geachtet wird. «Den Jugendlichen mit ihren praktischen Fähigkeiten und ihrem Engagement sollte mehr Gewicht gegeben werden. Es ist aber auch nachvollziehbar, wenn Betriebe mit sehr vielen Bewerbungen eine erste Selektion mithilfe von Eignungstest-Resultaten vornehmen», sagt Christine Viljehr.
Jürg Büchi, Präsident des Lehrstellenforums Affoltern und selber Inhaber eines Augenoptikergeschäftes findet Multichecks nicht schlecht. In seinem Beruf sind zum Beispiel Rechnen und Geometrie wichtige Fächer, und ein solcher Check weist Schwächen in einzelnen Fächern aus. Ebenso wichtig ist für ihn aber, dass die Lernenden ins Team passen und mit Menschen umgehen können.


