Heizölunfall – kommt es zum Fischsterben?
Belastungsprobe für Natur und Einsatzmaterial
Die Lorze, die zum Teil durch das Säuliamt fliesst, war eines der naturbelassensten Gewässer der Schweiz. Am vergangenen Donnerstag ereignete sich kurz vor elf Uhr ein Unglück, welches schwerwiegende Folgen mit sich zog. In der Gemeinde Hagendorn ZG gelangte beim Befüllen eines Heizöltanks eine grössere Menge Heizöl in die Lorze. Im Vordergrund der Ermittlungen steht eine technische Panne, wie die Zuger Polizei in einer Mitteilung schreibt. Die sofort ausgerückten Feuerwehren aus Zug und Cham errichteten eine erste Ölsperre. Mit der Zeit und dem immer weiter ausgelaufenen Heizöl wurde klar, dass die Folgen dieses Unglücks auch viel weiter flussabwärts zu spüren sein werden. Während sich das Öl durch die unberührte Natur seinen Weg den Fluss hinab suchte, wurden bei sämtlichen Feuerwehren entlang der Lorze bis zur Reuss alle Hebel in Kraft gesetzt, um die Zerstörung der Natur zu verhindern und an bereits betroffenen Stellen weitestgehend einzudämmen.
Binnen kurzer Zeit erreichte das Öl die Gemeinde Maschwanden. Die Feuerwehr von Maschwanden wurde vor Ort durch die Feuerwehr Zug mit Material und Personal unterstützt. Bereits aus einiger Distanz zur Lorze war ein starker Ölgeruch wahrnehmbar. Stand man auf einer Brücke, so war der penetrante Geruch schnell in der Nase verfangen und man roch auch Minuten später nur das Öl. Während die Feuerwehr das Öl zu grossen Teilen auffangen konnte, gerieten trotzdem Restmengen durch die Ölsperren. Um diese aufzufangen, stand anfangs die Feuerwehr Obfelden im Einsatz. Später wurde sie durch die Stützpunktfeuerwehr aus Muri AG unterstützt. «Vorausschauendes Handeln ist das Kernprinzip unserer taktischen Führung: Wir agieren der Lageentwicklung stets mehrere Schritte voraus», erklärt Christof Bossard, Kommandant der Feuerwehr Obfelden. «Unsere Mittel ermöglichen uns eine umfassende Erstintervention. Bei Bedarf, wie in diesem Fall, wird zusätzliches Spezial-Material angefordert, auch überkantonal.»
Vorsorgliche Warnung
In Obfelden wurde mittels eines speziellen Geräts der Feuerwehr Muri das Wasser von der Oberfläche aufgefangen und so das Öl aus dem Wasser gefiltert. Dabei wurden die Feuerwehren durch ein privates Kanalreinigungsunternehmen unterstützt. Spätestens in Obfelden wurde klar, dass dieses Unglück eine wahrliche Belastungsprobe sowohl für das Material als auch die Umwelt zu sein scheint.
Damit die Gefahr dieses Unglücks richtig eingeschätzt werden kann, waren ein Vertreter des AWEL (Amt für Abfall, Wasser, Energie und Luft) des Kantons Zürich und eine Vertreterin des Kantons Aargau vor Ort. Auf Anraten des AWEL verfassten die Gemeinden Obfelden und Maschwanden eine vorsorgliche Warnung für die Bevölkerung, dass die Uferbereiche der Lorze und Reuss insbesondere für Tiere wie Hunde zu meiden seien. «Einsätze aufgrund auslaufender Betriebsstoffe auf Strassen sind für Feuerwehren keine Seltenheit. Ein koordinierter Einsatz mit drei involvierten Kantonen ist eine äusserst seltene Ausnahme», berichtet Bossard aus seinen Erfahrungen. Am späten Nachmittag fiel auf, dass sich Öl im Wehr in Ottenbach verfangen hatte. Deshalb wurde die Feuerwehr Ottenbach hinzugezogen, um auch diese Ölreste noch zu binden.
Nebst den Feuerwehren Maschwanden, Obfelden, Ottenbach, Muri, Zug, Cham und Affoltern standen auch Vertreter der Gemeinden, der Kantone und der Umweltschutzbehörden im Einsatz. Der Pächter der Lorze sowie das Amt für Jagd und Fischerei waren ebenfalls vor Ort. Im Verlauf des Tages standen insgesamt knapp 100 Einsatzkräfte im Einsatz. Davon leisteten fast alle ihren Einsatz in einer freiwilligen Feuerwehr und mussten ihrer beruflichen Arbeit fernbleiben. Dies sei aber meist kein Problem, berichtet ein Feuerwehrmann.
Ein solches Ereignis stellt die Kommunikation der verschiedenen Organisationen untereinander auf die Probe. Man sei zwar auch auf solche Fälle vorbereitet, jedoch erfordere es im konkreten Einsatz ein grosses Mass an Koordination.
Ölsperren bleiben noch bestehen
Die Faustregel bei Gewässerverschmutzungen besagt, dass ein Liter Öl rund eine Million Liter Wasser verschmutzen kann. Bei mehreren hundert Litern, wie die Zuger Strafverfolgungsbehörde berichtet, dürfte die Verschmutzung immens sein. Trotzdem wurde laut Behörden bis zum Abend kein Fischsterben festgestellt. Auch am Folgetag konnte die Baudirektion des Kantons Zürich, der auch das Amt für Fischerei untersteht, kein Fischsterben feststellen.
Vorsorglich bleiben die Ölsperren in den nächsten Tagen bestehen. Wie die Natur auf das Öl reagieren wird, dürfte sich zeigen. Für die Fische sei es ein Vorteil, dass das Öl in ein fliessendes Gewässer geraten ist und so an ihnen vorbeizieht. Anders sieht es für Kleintiere aus, die sich an den Uferbereichen aufhalten. Wie gross die Verschmutzung der Ufer tatsächlich ist, lasse sich zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht abschätzen.
Langer Einsatz wird belohnt
Die Feuerwehr Obfelden stand als letzte Instanz vor der Einmündung der Lorze in die Reuss während rund sieben Stunden im Einsatz. Der Einsatz an der Sonne war lang und intensiv, jedoch mit einem positiven Ende verbunden. «Zusammen mit allen Feuerwehren und Behörden gelang es, eine noch grössere Katastrophe zu verhindern», schliesst Christof Bossard ab. Bis die Lorze wieder ein unberührter Fluss sein wird, dürfte noch einige Zeit vergehen. Sicher ist nur, dass Schlimmeres weitestgehend verhindert werden konnte. Wie die Fische, Vögel und Säugetiere in den kommenden Tagen und Wochen darauf reagieren werden, ist unklar. Über die Schadenshöhe ist bislang nichts bekannt. Potenzielle Schäden an Natur und Tierwelt lassen sich kaum in Geld beziffern. Einzig die Zeit wird zeigen, wie sich die Natur davon erholen wird. Bis dahin wird angeraten, auf die Anweisungen der Behörden zu achten. Gestern konnten die Ölsperren dann wieder abgebaut werden, weil keine Gefahr für die Umwelt mehr besteht.








