Herausforderung Home-Schooling

Die Beschulung der Kinder ist in vielen Familien ein Dauerthema, die mit den Notmassnahmen des Bundes eine «ausserordentliche Situation» erzeugt hat. Plötzlich sind die Eltern in der Hauptverantwortung, dass ihre Sprösslinge lernen. Die digitalen Medien erweisen sich dabei als weitere Herausforderung.

Home-Schooling ist eine Herausforderung für die Familien.
Home-Schooling ist eine Herausforderung für die Familien.

Diejenigen Eltern, die mit der laufenden Digitalisierung bisher nichts anfangen konnten, hatten bisher vielleicht kein Problem. Aber mit jeder Woche, die der Ausnahmezustand andauert und die Schulen ihre digitalen Angebote hochfahren, wird der Druck auf die Eltern grösser, sich mit der Materie zu befassen. Parallel zur bundesrätlichen Schliessungsverfügung aller Schulen in der Schweiz hat das Fach ICT einen deutlich höheren Stellenwert erlangt. Informations- und Computertechnologie ist nicht mehr gesondertes Fach oder nur in einzelnen Fächern präsent, sondern allgegenwärtig. Die Stoffvermittlung, Anweisungen der Lehrpersonen und weiterführende Links laufen über schulspezifische Homepages. Das Lernangebot ist plötzlich keine reine Bringschuld des Lehrpersonals mehr, sondern wird auch zu einer Holschuld für die Schulkinder – und je nach Schulstufe auch von deren Eltern. Das stellt die Erziehungsberechtigten vor neue Herausforderungen. Zum einen, weil die Smartphones, Tablets und Computer der Kids bevorzugte Spiele- und Chat-Plattformen sind, die – nur einen Klick von den Lerninhalten entfernt – zu Ablenkung und Zerstreuung einladen. Fehlt die Motivation für den Schulstoff, braucht es ein ausgeklügeltes Konzept und viel Überzeugungskraft der Eltern, damit ihre Sprösslinge an den Schularbeiten ­dranbleiben. Die Rollenvermischung Eltern-Polizist-Pädagoge-Gefängniswärter-Unterhalter (es gilt vor allem auch die weibliche Form) macht die Sache nicht eben leichter. Ohne Druck und Deals funktioniert der geregelte Home-Schoolingbetrieb wohl nur bei kinderlosen Ehepaaren ... Manch einer dürfte in den letzten Wochen ein Aha-Erlebnis bezüglich der Leistung und Geduld der Lehrpersonen erlangt haben, die diesen Drucksituationen im normalen Schulbetrieb tagtäglich und noch wesentlich konzentrierter ausgesetzt sind, wenn 20 und mehr Kinder und Jugendliche im Schulzimmer sind.
Als weitere Herausforderung sind derzeit auch viele Eltern zu Hause am Arbeiten. Die Grenzen zwischen Arbeits-, Familien- und Freizeit verschwimmen. Neue Tagesstrukturen müssen her, damit die Life-Work-Balance (ja, nicht umgekehrt!) ins Lot kommt. Das erhöht die sozialen Spannungen, denn das individuelle Ruhebedürfnis kann innerhalb einer Familie  höchst unterschiedlich sein. So erstaunt es nicht, dass die Kids plötzlich gerne zur Schule gehen würden und es auch die Eltern wieder schätzen, für den Job das Haus verlassen zu dürfen. Aber noch ist erst Halbzeit in der Corona-Krise – und zudem ist es ungewiss, ob der Lockdown am 19. April tatsächlich aufgehoben wird.
 

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