«Historischer» Abend in Aeugst
Ein Abschluss und ein Neuanfang: Es war eine besondere Gemeindeversammlung, die am vergangenen Dienstagabend trotz Corona noch 37 Stimmberechtigte ins Aeugster «Gallenbühl» lockte.

Statt in der Kirche fand die Aeugster Gemeindeversammlung diesmal im Kulturraum des Schulhauses Gallenbühl statt. Eine nette Geste, der Primarschulpflege bei ihrer letzten Gemeindeversammlung Gastrecht zu gewähren? Das dürfte nicht die Hauptüberlegung gewesen sein, vielmehr liessen sich die Corona-Bestimmungen hier besser umsetzen. Für 48 Personen war im Saal gestuhlt. Wenn sich Paare zusammensetzen, hätten noch etwas mehr Platz gefunden. Und sicherheitshalber mussten sich die Versammlungsbesucher mit Namen und Telefonnummer eintragen. So hätte der empfohlene Abstand von 1,5 Metern notfalls auch unterschritten werden dürfen. Als Alternative mit noch mehr Platz wäre im Dorf nur die Turnhalle geblieben, so Gemeindepräsidentin Nadia Hausheer.
Schliesslich waren es 37 Stimmberechtigte und eine Handvoll Gäste, die Schulpräsidentin Verena Commissaris zur «historischen Gemeindeversammlung» begrüssen durfte. Es war die letzte vor der Auflösung der Primarschulgemeinde. Die Primarschule wird nun – wie mit Ausnahme von Wettswil und Maschwanden schon im ganzen Bezirk umgesetzt oder in Umsetzung – in die Politische Gemeinde integriert. Verena Commissaris nutzte die Gelegenheit zu einem ganz kurzen Rückblick von der ersten Erwähnung einer Schule in Aeugst im Jahr 1667, über den Regierungsratsbeschluss von 1927, die Schulen Aeugst und Aeugstertal zusammenzuschliessen, bis zum aktuellen Zusammenschluss mit der Politischen Gemeinde. Und auch als Kommission werde sich die Schulpflege weiterhin mit ganzem Herzen für die Schule einsetzen, versprach die Präsidentin, die per 1. Juli als Ressortvorsteherin Bildung im Gemeinderat Einsitz genommen hat.
Aufwandüberschuss und Mehrkosten für die Schulgemeinde
Die letzte eigene Rechnung der Primarschulgemeinde schliesst mit einem Minus von 130000 Franken – budgetiert war eine schwarze Null. Für die Mehrkosten sorgten unter anderem die höheren Schülerzahlen, Mehrbedarf an sonderpädagogischer Förderung und eine Aufstockung in der Hauswartung, wie Finanzvorstand Adrian Glutz ausführte. Netto wurden 1,29 Mio. Franken investiert – alles ins Projekt Aufstockung Gallenbühl 2. Darin enthalten ist neben den zwei zusätzlichen Klassenzimmern und Gruppenräumen auch eine Vergrösserung der rege genutzten Tagesbetreuung «Villa Kunterbunt» im Gallenbühl1. Im Dezember 2017 hatte die Gemeindeversammlung für das Projekt 1,075 Mio. Franken gesprochen. Teurer wurde es schliesslich unter anderem, weil eine Baustellenerschliessung erstellt und im Sinne des barrierefreien Zugangs ein Lift nachgerüstet werden musste, wie Schulpflegerin Ursula Leuthold aufzeigte. Die Bauabrechnung wurde wie auch die Jahresrechnung diskussionslos und ohne Gegenstimme gutgeheissen.
Mit einem Blumenstrauss verabschiedete Verena Commissaris die Schulleiterin Simone Augustin, die nach Horgen wechselt. Ablösen wird sie Urs Bregenzer – ad interim in einem 80-Prozent-Pensum und für maximal ein Jahr. Bregenzer wohnt in Aeugst, ist Schulpräsident der Oberstufe Ennetgraben und wurde vor zwei Jahren als Schulleiter der Sek. Mettmenstetten pensioniert. Mit dem Wechsel von der Primarschulversammlung zu jener der politischen Gemeinde durfte Commissaris ihrerseits von Gemeindepräsidentin Nadia Hausheer ein «Power-Päckli» entgegennehmen. Unter anderem dafür, dass sie «sechs Jahre charmant durch die Schulgemeindeversammlung geführt» habe, aber auch als Energieschub für die künftige Mehrbelastung im Gemeinderat.
Sattes Plus bei den Grundstückgewinnsteuern
Seine Gemeindeversammlungs-Premiere in Aeugst erlebte der neue Gemeindeschreiber Vit Styrsky. Er liess sich durch technische Probleme mit dem Beamer kaum aus der Ruhe bringen. Ohne Gegenstimmen und Wortmeldung wurde die Abrechnung der Sanierung Kanalisation Üerenberg gutgeheissen – eine finanzielle Punktlandung. Keinen Diskussionsbedarf lieferte auch die Jahresrechnung 2019. Anstelle der budgetierten schwarzen Null blieb bei einem Gesamtaufwand von 7,25 Mio. und einem Gesamtertrag von 7,89 Mio. Franken ein Plus von 648000 Franken.
Den Unterschied zur Schulgemeinde machen die Grundstückgewinnsteuern, so Marlyse Blatter Burger. 500000 Franken wurden in diesem Bereich mehr eingenommen als budgetiert. Gestiegen ist auch die Steuerkraft. Hier muss die Gemeinde im Coronajahr 2020 dann allerdings wieder mit einem markanten Rückgang rechnen. Und teuer fiel mit 110000 Franken der ungeplante Springereinsatz für den Gemeindeschreiber aus. Investiert wurden nur 773000 Franken. Hauptgrund dafür sind verschobene Investitionen. Etwa die Sanierung der Schiessanlage auf dem Bolet. Dafür dürfte es in zwei Jahren mehr Subventionen geben – und zwar 24000 Franken, wie die Gemeindepräsidentin auf eine Nachfrage aus der Versammlung präzisierte.
Angenommen wurde dann auch die neue Entschädigungsverordnung für Behörden und Kommissionen – allerdings sorgte zuvor ein überraschender Antrag für Diskussionsstoff...


