Höhere Entschädigungen für Ottenbacher Behörden
Ottenbachs Behörden werden besser entschädigt. Die Gemeindeversammlung stimmte einer neuen Verordnung zu, die mit Blick auf die am 1. Juli in Kraft tretende Einheitsgemeinde notwendig wurde. Angepasst werden auch die Ansätze der Sek. Obfelden-Ottenbach.

Gemeindepräsidentin Gaby Noser Fanger begrüsste 38 Stimmberechtigte zu einer «historischen Gemeindeversammlung». Der Grund: Es ist die erste Veranstaltung seit der Werkhof-Einweihung im Frühling, die erste Gemeindeversammlung im Säuliamt nach dem Lockdown und die letzte, bevor am 1. Juli 2020 in Ottenbach die Einheitsgemeinde in Kraft tritt. Der fällige Apéro, versprach die Gemeindepräsidentin, werde nachgeholt. Grund zur Freude gab es für die Behörden auch aus ganz aktuellem Anlass: Die Gemeindeversammlung stimmte sämtlichen Anträgen einstimmig zu.
Den Auftakt machte die Sekundarschule. Der Totalrevision der kommunalen Personalverordnung erwuchs keinerlei Opposition, auch nicht der Entschädigungsverordnung. Die Versammlung zeigte Verständnis für die Argumente für eine Erhöhung der Entschädigung: Mehrbelastung, komplexere Geschäfte, flexiblere Verfügbarkeit und eine kritischere Öffentlichkeit. Laut Präsidentin Susanne van Hoof soll die neue Entschädigung in einem wirtschaftlich angemessenen Umfeld verankert und das Milizsystem gestärkt werden. Der jährliche Mehraufwand beläuft sich auf 12000 Franken, was ein Plus von 12 Prozent auf neu gesamthaft 95000 Franken bedeutet. 20 Prozent davon werden zusätzlich als Pauschalspesen ausbezahlt. Die Sekundarschule vergütet die höhere Entschädigung individuell – je nach Lasten in den Ressorts.
Auch die von Gemeindepräsidentin Gaby Noser Fanger, Finanzvorsteherin Yvonne Piguet und Schulpräsidentin Gioia Schwarzenbach erläuterte Entschädigungsverordnung bot keinen Anlass zu kritischen Bemerkungen. Allein, weil die alte Vorlage aus dem Jahr 2006 stammt und die Einheitsgemeinde per 1. Juli 2020 Tatsache wird, ist Dringlichkeit das Gebot der Stunde. «Wir haben für Behörden und Kommissionen eine fortschrittliche Verordnung für ein attraktives Milizsystem», sagte die Gemeindepräsidentin, machte aber klar, dass die erhöhten Entschädigungen keinen vollen Ersatz für eine Erwerbstätigkeit darstellen und die Balance zwischen Ehrenamt und behördlicher Tätigkeit gewahrt sei. Aber sie können dazu beitragen, dass sich leichter Interessierte für eine Behördentätigkeit finden lassen. Gesamthaft werden die Entschädigungen um 30 Prozent angehoben, was einem jährlichen Mehraufwand von rund 87000 Franken entspricht. «Im Vergleich zu anderen Gemeinden von ähnlicher Grösse liegen wir in Ottenbach damit im unteren Mittelfeld», fügte die Gemeindepräsidentin an. Und Yvonne Piguet ergänzte mit der Bemerkung, dass sich Ottenbach die Erhöhung aufgrund der soliden Finanzlage leisten könne. Im Gegensatz zum Gemeinderat wird die Primarschule die Erhöhungen aufgrund der Belastungen in den Ressorts individuell «verteilen».
Unbestritten auch die Schaffung einer neuen Stelle «Pädagogischer ICT-Support» der Primarschule. 22 Stellenprozente werden dafür eingesetzt und der «technische Support» wird um ein Prozent aufgestockt. Ab 2021 ist das mit jährlichen Mehrkosten von 34500 Franken verbunden.
Unterschiedliche Rechnungsabschlüsse
Als «sehr erfreulich» bezeichnet Finanzvorsteherin Yvonne Piguet den Rechnungsabschluss 2019 der Politischen Gemeinde, erstmals nach der HRM2-Methode erstellt: Es ist ein Überschuss von 528000 Franken, möglich geworden durch hohe Grundstückgewinnsteuer-Einnahmen, kleinere Abschreibungen und Minderaufwand. Das Eigenkapital beträgt jetzt solide 10,5 Mio. Franken. Investiert wurden 2010 rund 3,3 Mio. Franken. Die Zentrumsgestaltung ist wegen des noch nicht realisierten Autobahnzubringers weiterhin in Planung; die Kugelfang-Sanierung beim Schützenhaus wurde aufgeschoben. Hier können noch Bundesbeiträge erwartet werden.
Auch Bettina Bucher, die Finanzvorsteherin der Sekundarschule, konnte einen satten Ertragsüberschuss vermelden: 641 000 Franken, ermöglicht durch hohe Steuereinnahmen und Sparanstrengungen aller Beteiligten. Mit der Selbstfinanzierung von 1,1 Mio. Franken lassen sich 44 Prozent der Investitionen decken, für den Rest stehen liquide Mittel bereit.
Die Primarschule hingegen weist einen Aufwandüberschuss von 180000 Franken aus, was verschiedene Ursachen hat. Aufgrund der letzten positiven Jahre sei das gut verkraftbar, machte Finanzvorstand Guido Pelizzoni klar. Das Eigenkapital beträgt knapp 3,6 Mio. Franken. Bei der Rechnung der reformierten Kirche sprach Finanzchef Roland Koller von einer Punktlandung. Der Aufwandüberschuss beträgt 12000, das Eigenkapital 117000 Franken.
Grosse Minderkosten, wenig Mehrkosten
Bei Investitionen schliessen die Kreditabrechnungen fast durchwegs mit Minderkosten ab. Von Tiefbau- und Werkvorstand Peter Weis wurden 3,7 Prozent weniger Kosten (Kredit 452000 Franken) für den Klappschacht und die Leitungssanierung an der Steinernstrasse gemeldet. Kleine Mehrkosten dagegen beim Projekt einer Sanierung von Bühne und Bühnentechnik im Gemeindesaal: Der bewilligte Kredit von 130000 Franken wird um 1360 Franken überschritten.
Bei der Gesamterneuerung der Heizanlage der Primarschule sind es fast 59000 Franken, die vom Kredit von 150000 Franken nicht in Anspruch genommen werden mussten. Und beim Kredit (1,35 Mio. Franken) für den Ersatz der Heizanlage samt Zusatz einer Fotovoltaikanlage resultieren Minderkosten von 124000 Franken. Hier dankte Guido Pelizzoni den Protagonisten Paul Schelbert, Kurt Schlegel und Roger Hegetschweiler. Auch für die «straffe Kontrolle des gesamten Projekts». Für die PV-Anlage kann überdies noch ein Zuschuss von gut 23000 Franken erwartet werden. Eine geringe Kostenüberschreitung (3200 Franken) musste nur Carl-Heinz Voûte bei der Erneuerung der Heizung im Pfarrhaus vermelden. Der Kredit betrug 70000 Franken.


