«Ich kann nichts anderes, als Menschen zum Lachen zu bringen»
Brief aus Indien: Säuliämtler Schauspieler Florian Rexer ist für ein paar Monate in Indien – Angekommen (1/6)

Den Beruf des Hofnarren oder Spassmachers gab es tatsächlich schon sehr früh. Meist waren Menschen in diesem Beruf männlich, unverheiratet, und sie lebten oft nicht sehr lange.
Angekommen in Indien
«Welcome to India» prangt in leuchtenden Lettern auf einer Girlande im Arrival Terminal vom Flughafen von Thiruvananthapuram, Kerala. Unser Abenteuer beginnt. Eben noch in eisiger Kälte in Zürich, jetzt zeigt das Aussenthermometer im Taxi 32 Grad.
Sofort habe ich wieder diesen Geruch in der Nase. Diese dichte Mischung, erzeugt durch die Überlagerung von warmem Klima, Gewürzen, Räucherwerk, Mensch, Stadt und Natur. Süsslich-würzig, rauchig. Es riecht, wie Curry schmeckt, nur ungefiltert. Koriander, Kreuzkümmel, Kardamom, Nelke, Kurkuma werden mich und meine Familie die kommenden sieben Wochen begleiten.
Ich lebe im Säuliamt – und doch führt mich mein aktueller Weg weit über die vertrauten Grenzen des Alltags hinaus. Seit vielen Jahren stehen für mich zwei Themen im Zentrum: Lachen und Gesundheit. Themen, die mich beruflich wie privat begleiten und die nun in einem neuen Projekt zusammenfinden.
Schon als kleiner Junge habe ich meine Familie mit kleinen Shows unterhalten, meist am Sonntagmittag. Damals war mir noch nicht bewusst, dass Humor einmal mein Beruf werden würde. Später studierte ich Schauspiel und Regie, arbeitete an verschiedenen Bühnen und war von 2004 bis 2012 festes Ensemblemitglied am Theater St. Gallen. Seit 2010 bin ich künstlerischer Leiter der Schlossfestspiele Hagenwil am Bodensee. Menschen zum Lachen zu bringen, ist mein Handwerk – und zugleich meine Leidenschaft. Kurz vor meinem 50. Geburtstag ist in mir der Wunsch gereift, innezuhalten und meine Erfahrungen festzuhalten. Daraus entstand die Idee zu einem Buch mit dem Arbeitstitel «Lachen & gesund». Der Titel beschreibt sehr genau, was mich seit Jahren umtreibt. Denn Humor ist weit mehr als Unterhaltung oder Klamauk. Er ist eine Haltung, ein Werkzeug und manchmal sogar eine Überlebensstrategie.
Zunehmend stelle ich mir grundlegende Fragen: Was bedeutet es, Menschen zum Lachen zu bringen? Hat es seine Berechtigung, mit Comedy Geld zu verdienen? Warum können Menschen selbst in schwierigen Lebenssituationen lachen – und davon profitieren? Ich möchte diesen Fragen ehrlich und offen nachgehen, ohne einfache Antworten zu liefern.
Yoga in Indien gelernt
Meine Frau Chiara Castellan teilt diese Suche auf ihre eigene Weise. Sie ist ausgebildete Architektin mit ETH-Masterabschluss und arbeitet heute als Yogalehrerin mit Schwerpunkt Ashtanga Yoga. Ihre fundierte Ausbildung führte sie über mehrere Jahre nach Indien. Yoga, Achtsamkeit und körperliche Gesundheit bilden heute ihr berufliches Fundament.
Gemeinsam haben wir entschieden, unsere beiden Welten zusammenzuführen. In den kommenden Wochen verbringen wir mit unseren drei Kindern rund zwei Monate im Süden Indiens, grösstenteils an einem Ort. Man kann diese Zeit durchaus als Studienaufenthalt bezeichnen. Während Chiara ihre Yoga-Ausbildung weiter vertieft, arbeite ich intensiv an meinem Buch. Unterstützt wird das Projekt durch eine Stiftung aus der Ostschweiz, die an die Idee glaubt.
Uns ist wichtig, dass auch unsere Kinder diese Zeit bewusst erleben. Sie sollen Indien nicht nur als Ferienland kennenlernen, sondern als Lebensraum mit Alltag, Begegnungen und neuen Perspektiven. Lernen wird dabei ebenso zum Tagesprogramm gehören wie Schreiben, Yoga und gemeinsames Unterwegssein. Für dieses Vertrauen sind wir sehr dankbar.
Das Buch soll nicht das Endprodukt sein, sondern die Grundlage für weitere Projekte. Geplant sind Vorträge, Kurse und auch unterhaltsame Comedyabende. Seit Jahren arbeite ich zudem als Coach und begleite Menschen im Umgang mit Nervosität, Angst und Auftrittssituationen. Dazu gehören unter anderem Lehrpersonen, Studierende, Staatsanwälte oder ganze Polizeikorps. Mein Ziel ist es zu zeigen, wie man auftreten und sich dabei wohlfühlen kann. Denn nur wer sich wohlfühlt, kann sein Bestes geben. Mit meinen Vorträgen möchte ich künftig vermehrt Schulen und Universitäten besuchen und dort mein Praxiswissen weitergeben. Mehr Lockerheit, mehr Humor und mehr Lachen – gerade in Zeiten, die viele als angespannt erleben. Ich habe den Eindruck, dass man bei den ärmsten Menschen dieser Welt oft mehr lachende Gesichter sieht als bei uns in der wohlhabenden Schweiz. Dieser Gedanke hat mich nachdenklich gemacht und bildet einen wichtigen Teil meiner Auseinandersetzung. Dem Humor auf den Grund zu gehen, bedeutet für mich auch, mich selbst zu hinterfragen.
Was wir aus Indien mit zurückbringen werden, lässt sich noch nicht abschliessend sagen. Doch vielleicht sind es Impulse, Perspektiven oder kleine Werkzeuge für den Alltag – ähnlich jenen Kräutern, Gewürzen und Traditionen, die einst aus fernen Ländern den Weg nach Europa fanden.
Ehrliche Gedanken
Ich bin überzeugt: Lachen verbindet. Und manchmal beginnt Veränderung genau dort – mit einem offenen Blick, einem ehrlichen Gedanken und einem Lächeln.
Gerne nehmen wir die Leserinnen und Leser des «Anzeigers» mit auf unsere Reise. Jetzt sind wir erst einmal angekommen im Süden Indiens. Kerala. Heimat der ayurvedischen Heilkunst. Wirkungsstätte zahlreicher Gurus und Yogis.


