«Ich möchte im Dorf präsent und sichtbar sein»
Ein Gespräch mit dem Hausemer Gemeindepräsidenten nach 100 Tagen Amtszeit

«Anzeiger»: Sven Kammer, am 14. Juni wurden Sie im 2. Wahlgang zum Gemeindepräsidenten von Hausen gewählt. Wie kam es dazu?
Sven Kammer: Ich bin bereits seit vier Jahren im Gemeinderat Hausen. Für das neue Präsidium stand damals eine Person zur Verfügung, die ebenfalls über Erfahrung verfügte. Daher gab es für mich keinen Grund, fürs Präsidium zu kandidieren. Zudem fühlte ich mich in meinem Ressort Tiefbau sehr wohl. Im ersten Wahlgang kam aber unerwartet alles anders. Ein zweiter Wahlgang war angesagt, ohne eine Person aus dem bestehenden Gemeinderat. Bei der Konstellation von vier Neuen und drei Bisherigen war ich der Überzeugung, dass der Präsident eine Person sein sollte, welche die aktuellen Themen bereits kennt. Daher kandidierte ich kurzfristig doch noch.
Sie wurden mit einem guten Ergebnis gewählt. Bereits zwei Wochen später traten Sie Ihr Amt an.
Das ist so. Am 1. Juli übernahm ich offiziell das Präsidium, am 7. Juli leitete ich bereits die erste Sitzung des neuen Gemeinderates.
Wie geht es Ihnen nach den ersten 100 Tagen?
Es geht mir gut. Ich habe Freude an der neuen Herausforderung. Eine wichtige Voraussetzung dafür ist natürlich die Unterstützung durch gut funktionierende Verwaltung und den erfahrenen Gemeindeschreiber.
Was gab es bereits zu tun?
Ich habe einige Gemeinderatssitzungen geleitet, an denen ich auf einem anderen Stuhl als bisher Platz genommen habe. Mein Blickwinkel an den Sitzungen hat sich verändert. Ich bin nicht mehr auf mein Ressort fixiert, sondern überschaue das Ganze. Mein erster öffentlicher Auftritt fand am 1. August statt. Und kürzlich feierten wir das Aufrichtefest der neuen Sporthalle. Anfang Dezember werde ich zum ersten Mal eine Gemeindeversammlung leiten.
Ein kurzer Rückblick auf Ihre letzten vier Jahre. Welche Herausforderungen im Ressort Tiefbau standen im Vordergrund?
Es ging während der letzten Amtszeit um die gesamte Reorganisation der Abteilung mit der Abschaffung der Tiefbaukommission und der Ernennung eines neuen Leiters Tiefbau. Die wichtigsten Projekte waren die ARA, die Ersatzschwellen im Fellibach und die LED-Beleuchtung im Dorf.
Sie haben Jahrgang 1989 und sind der jüngste Gemeindepräsident im Bezirk Affoltern. Wie fühlt sich das an?
Als ich vor vier Jahren im Gemeinderat anfing, war ich mit Abstand der Jüngste im Gremium. Die meisten Kollegen und Kolleginnen hätten meine Eltern sein können. (Er lacht.) Doch ich profitierte vom fachlichen Austausch mit meinen erfahreneren Kolleginnen und Kollegen. Inzwischen bin ich gut in der Behördentätigkeit angekommen und habe auch schon einen schönen Korb voller Erfahrungen gesammelt. Mein junges Alter erlebe ich jetzt als Gemeindepräsident sicher nicht als einen Nachteil, manchmal vielleicht sogar als Vorteil.
Sie sind in Hausen aufgewachsen, hier zur Schule gegangen und haben sich im Turnverein stark engagiert. Ist Hausen Ihre Heimat?
Absolut. Ich bin inzwischen sogar stolzer Bürger von Hausen.
Wie das?
Das kann man beantragen, und es kostet ein bisschen etwas. Doch das war es mir wert.
Sie waren Gemeinderat, jetzt sind Sie der Präsi. Wie erleben Sie diese neue Position im Dorf?
Ich werde von der Bevölkerung stärker wahrgenommen, und es sind natürlich auch höhere Erwartungen an mich im Raum. Es gibt im Dorf mehr Leute, die mein Gesicht und meinen Namen kennen.
Wenn jemand mit Ihnen ins Gespräch kommen möchte, wie ist das möglich?
Ich möchte im Dorf präsent und sichtbar sein, damit die Leute mich ansprechen können. Das ist eines meiner wichtigsten Ziele. Daher nehme ich ganz bewusst am Dorfleben teil und besuche die verschiedenen Anlässe. Dort entstehen häufig Begegnungen und gute Gespräche. Aber natürlich kann ich nicht 24/7 zur Verfügung stehen.
Was steht bevor? Welche Projekte möchten Sie verwirklichen?
Der Gemeinderat geht demnächst in Klausur, um die Legislaturziele zu definieren. Dann beschäftigt uns alle die neue Sporthalle, die wir im kommenden Sommer einweihen möchten. Es steht auch eine Gesamterneuerung der IT-Struktur für die Verwaltung an, damit wir auf dem aktuellen Stand sind. Ebenso möchte ich mich für einen besseren CI-Auftritt, ein einheitliches Erscheinungsbild nach aussen einsetzen.
Sie sind beruflich in der IT-Branche tätig und Sie haben eine Familie mit einer kleinen Tochter. Wie bringen Sie Beruf, Familie und Präsidium unter einen Hut?
Die Familienzeit ist mir sehr wichtig. Meine berufliche Tätigkeit habe ich daher auf 40 Prozent reduziert. Für das Gemeindepräsidium rechne ich ebenfalls mit rund 40 Prozent Zeitaufwand.
Und der Sport?
Ich war sehr intensiv engagiert im Korbball, doch das werde ich reduzieren. Doch ich bin nach wie vor allgemein im Sportbereich aktiv, zum Beispiel als Experte für Jugend & Sport.
Sonstige Hobbys?
Gemeindepräsident sein. (Er schmunzelt.)
Was wünschen Sie sich? Was wünschen Sie dem Dorf?
Ich wünsche mir sehr, dass das Miteinander im Dorf nicht verloren geht, dass man sich noch kennt, sich grüsst auf der Strasse. Ich wünsche mir, dass Hausen im Charakter ein lebendiges und heimeliges Dorf bleibt.


