Wie eine zentimeterkleine Gefahr bekämpft wird
Die Asiatische Hornisse breitet sich auch im Säuliamt aus
Sie misst maximal drei Zentimeter, bedroht Bienenvölker und ist eine Gefahr für alle Insekten: Die Asiatische Hornisse wird auch im Bezirk Affoltern bekämpft. Der Schädling ist vermutlich auf dem Schiffsweg nach Spanien und Frankreich gelangt und breitet sich nun auch in der Schweiz rasant aus. Hierzulande wurde die Asiatische Hornisse im Sommer dieses Jahres erstmals in Bonstetten gesichtet.
Manuela Gasser, Imkerin aus Knonau, erklärt, wie sich diese invasive Hornissenart ausbreitet und wie sie bekämpft wird: Jungköniginnen überwintern solitär, also allein. Zwischen März und Mai suchen sie einen Platz und formen ein sogenanntes Primärnest; die Königin legt Eier und erhält Gefolgschaft. Nach dem Verlassen dieses Nestes gehen sie auf die Suche nach einem Platz und breiten sich in einem Sekundärnest aus. Ihr Wachstum erfolgt zwischen Juni und August. «Anfang September hat die Königin einen Staat gebildet. Die Nester haben einen Durchmesser von fast einem Meter; darin finden 2000 bis 4000 Tiere Platz. Pro Nest und Saison fressen die Tiere rund 10 Kilogramm», sagt Manuela Gasser. Solche Nester werden vorwiegend in Siedlungsräumen gesichtet, auf Bäumen, Dächern, in Strassendolen, Gullys und anderswo. Es gibt in einem Volk zwei Arten von Asiatischen Hornissen. Die eine braucht viel Eiweiss für die Brutpflege, die andere Kohlenhydrate für den Eigenbedarf, den sie bei gequetschten, reifen Früchten (Trauben und Obst) findet, was zu Schäden in Plantagen und Weinbergen führt. Bedroht sind Wild- und Honigbienen, aber auch sämtliche Insektenarten.
Im Spätsommer beginnt ein Wettlauf gegen die Zeit
Der Ausbau der Population erfolgt also im August, im September die Ausbildung von Jungköniginnen, in einem Jahr sind das rund 200. Das bekämpfende Team ist unter Zeitdruck, weil diese vor dem Schlüpfen geortet werden müssen. «Gelingt das nicht, so entstehen im Jahr daraus aus einem gleich vier bis sechs Nester», so Manuela Gasser.
Sie und ein zehnköpfiges Team von «Nestsuchenden» des Ämtler Bienenzüchtervereins sind seit August daran, dem Schädling in der Region den Garaus zu machen. Rund 200 Stunden wurden bislang aufgewendet. So konnten mehrere, von Privatpersonen gesichtete Primärnester eliminiert werden, dazu auch zwei Grossnester in einem Wald in Bonstetten sowie im Aebnetwald bei Knonau.
Suche mit Drohne und Wärmebildkamera
Das Team verrichtet insbesondere Sucharbeit. Mit der Triangulation wird die ungefähre Lokalisation festgestellt: Einer Hornisse wird ein roter Punkt auf den Rücken gezeichnet. Ihre Flugrichtung wird beobachtet und die Zeit gemessen, bis sie wieder auftaucht. Pro Minute fliegt sie etwa 120 Meter. Das letztliche Finden eines Nestes ist dank Hilfe von Wärmebildkameras der «Rehkitzrettung plus» und einer Peilsenderanlage vom nachbarlichen Imkerverein Muri und Umgebung gelungen. Wird ein Nest lokalisiert, kommen Spezialisten des Kantons. Sie eliminieren die Asiatische Hornisse mit giftfreier Aktivkohle. Gift, wie etwa in Frankreich eingesetzt, ist in der Schweiz verboten. Das Nest wird sofort entfernt, aber es fliegen noch einzelne Tiere fünf bis sieben Wochen.
Die Asiatische Hornisse hat bei uns noch keine natürlichen Feinde», so Manuela Gasser. Sie und das Team sind also weiterhin gefordert. «Für drei Nester suchen wir etwa 300 Mannstunden», hält sie fest und hofft, dass sich diese finden lassen. Spontansichtungen von aufmerksamen Spaziergängern und Jägern im Wald oder Passanten im Siedlungsraum sind hochwillkommen. Die Imkerschaft bittet um Meldung mit Foto und Koordinaten unter www.asiatischehornisse.ch.
«Für diesen Herbst stellt das Nestsucherteam seine Bemühungen ein: Die Königinnen sind bereits ausgeflogen. Im Frühjahr geht die Suche nach Primärnestern wieder los», hält Manuela Gasser fest.






