Igeln Gelegenheit für ein «Nestli» bieten
Jörg Strohmeier und Robert Zingg zeigten Möglichkeiten, dem stacheligen Gast beim Nestbau zu helfen
Seit vier Jahren gibt es in Bonstetten die Fachgruppe Umweltschutz, die sich innerhalb der Gemeinde für mehr Biodiversität einsetzt. Jedes Jahr wird ein Anlass organisiert, um die Bevölkerung zu motivieren, mitzumachen. In diesem Jahr wurde gezeigt, wie Igeln geholfen werden kann, ein Igel-Nest zu bauen.
Igel kennen keine Gemeindegrenzen
Am vergangenen Samstag hiess Jörg Strohmeier die Interessierten um Punkt neun Uhr im Gemeindehaus Bonstetten willkommen. Mit dem Zoologen Robert Zingg, der ebenfalls Mitglied der Fachgruppe Umweltschutz ist, war ein ausgewiesener Fachmann vor Ort, denn dieser hat zum Thema Igel promoviert. So übernahm er denn auch die Einführung und erklärte erst einmal den Jahreszyklus des Igels. Es sei ein Insektenfresser und ein Säugetier in nächster Verwandtschaft zu beispielsweise Spitzmäusen und Maulwürfen. Der «Winterschläfer» überbrücke die Zeit, in der er keine geeignete Nahrung findet, indem er sich in einen tiefen Schlaf versenke. «Nach dem Winterschlaf kommen die Igel aus ihren Nestern und müssen erst wieder Fettreserven aufbauen», erklärte der Experte, denn diese hätten sie während des Winterschlafs abgebaut. Dann würden sie sich auf einem Gebiet von etwa 20 Hektaren bewegen. Mit der Aussage: «Wenn man im Garten einen Igel hat, dann muss man ihn mit dem Nachbar teilen», sorgte er für Schmunzeln. Dieses Streifgebiet verteidige der Igel nicht. «Er ist höchstens unfreundlich, wenn er auf einen Artgenossen trifft», so der Zoologe, der seit über 50 Jahren in Bonstetten wohnt. Für die Männchen fange dann bald einmal die Paarungszeit an. «Sie suchen ein noch grösseres Gebiet ab, weil sie wissen wollen, wo die Weibchen sind», erklärte Zingg und er fuhr fort: «Damit sie diese dann unter dem Jahr aufsuchen können.» Bei einer Studie, welche er gemacht habe, bei der Igel mit Sendern ausgestattet wurden, konnte der Igel-Experte feststellen, dass ein Männchen in dieser Zeit regelmässig zwischen dem Dorf in Bonstetten bis zum hintersten Teil in Wettswil hin und her gependelt sei. Ein Streifgebiet von über vier Quadratkilometern!
Von April bis August paaren sich die Igel. «Die Männchen suchen gezielt die Weibchen auf, die sie zuvor aufgespürt haben», erklärte Zingg. Nach einer Tragezeit von etwa 35 Tagen kommen die Jungen zur Welt. Sie hätten bereits kleine, feine Stacheln, aber diese seien für den Geburtsvorgang so in die Haut eingebettet, dass sie den Geburtskanal nicht verletzen. Schnell kommt nach der Geburt jedoch auch schon die zweite Generation an Stacheln, die dann kräftiger ist. Die Mutter gehe nachts Futter suchen und tagsüber säugt sie die Jungen. «Mit drei Wochen gehen die Jungtiere dann bereits das erste Mal aus dem Nest, um sich eine räumliche Vorstellung von ihrer Umgebung zu machen», sagte Zingg. Nach 45 Tagen überlasse die Mutter die Jungen schliesslich ihrem Schicksal. Manchmal gebe es einen zweiten Wurf, ehe die Tiere im Herbst wieder Fettreserven aufbauen würden, um den Winterschlaf zu überdauern. Igel würden nicht sonderlich alt werden, so der Experte: «Der älteste, den ich je gesehen habe, war zirka sieben Jahre alt.» Im Durchschnitt würden sie aber nur zwei bis drei Jahre alt werden.
Kleine Struktur, grosse Hilfe für Igel
Den Bogen zum Igel-Nester-Bauen spannte Robert Zingg dann mit dem Hinweis, dass auch für den Winter ein Nest angelegt werden müsse. Oftmals würden die Igel dafür an den Waldrand gehen, aber im Siedlungsraum könne es beispielsweise auch unter einer Holzbeige im Garten sein, unter die sie kriechen und wo sie sich den Hohlraum mit Laub auspolsterten. Solche Hohlräume können auch von Menschen geschaffen werden, um den Igeln einen Ort für ein Nest zu bieten. Robert Zingg nennt dies «einfache Strukturen», diese könne man aus Sachen machen, die bei der Gartenpflege anfallen würden. Nur schon Laub, bedeckt mit Reisig aus Abschnitten, in einer trockenen Ecke ist für den Igel ein Nest. «Es ist kein Garten zu klein, um dem Igel eine Möglichkeit für ein Nest zu bieten», ermutigte Robert Zingg.
Dann ging es raus vor das Gemeindehaus, wo Jörg Strohmeier und Robert Zingg verschiedenste Möglichkeiten zeigten, wie dem Igel eine einfache Struktur für ein Nest geboten werden kann. Sei es durch einen einfachen Haufen Reisig, der über das Laub gelegt wird, oder durch zwei Baumstammrollen, die mit einem Holzbrett gedeckt werden. Diese müssen dann jedoch zusammen genagelt werden, damit die Baumstämme nicht wegrollen. Auch kann eine Harasse verwendet werden. Dort muss dann allerdings ein Eingang hineingesägt werden. Aber ausgepolstert mit Laub ist das dann schon die Luxusvariante eines Igel-Nestli.
Wer es dem Igel ganz feudal machen will, der kann auch ein Igelhaus kaufen. Jörg Strohmeier schraubte mit Aria und ihrem Vater drinnen auch gleich ein solches zusammen. Wenn sie wieder daheim sei, würde sie sofort mit ihrem Papi ein Igel-Nestli bauen, sagte das Mädchen begeistert. Womöglich hätte die Grossmutter sogar noch eine Holzlatten-Kiste. Wenn nicht, halb so wild, denn die Teilnehmenden durften am Ende, wenn sie wollten, ein Igelhaus-Bauset oder etwas von den verwendeten Materialien mit nach Hause nehmen.










