Illegaler Velotrail sorgt für rote Köpfe unterhalb des Uetlibergs
Gemeinde Stallikon stellt jetzt Schilder auf und erstattet Anzeige bei der Kantonspolizei

Sie starten oben am Uetliberg in 871 Metern Höhe und sausen dann jauchzend und teilweise mit hohem Tempo von bis zu 30 oder 40 Stundenkilometern in die Tiefe. Für Mountainbiker ist der Uetliberg ein Veloparadies. Viele nehmen die auf Swisstopo offiziell ausgewiesenen Wege. Aber nicht alle.
Vor etwa drei Monaten angelegt
Einige haben offenbar vor zwei bis drei Monaten einen eigenen Trail angelegt, der oben am Uetliberg startet (mit Baumrodungen und extra angelegten Steilkurven), durchs Fritzenholz führt und im Gewerbegebiet Diebis ein kleines Stück nördlich von Sellenbüren in der Gemeinde Stallikon endet. Dabei verläuft der Trail im vorderen Diebis durch eine grosse wunderschöne Wiese. Das Problem: Der Weg führt durch ein ausgewiesenes Naturschutzgebiet. Die Wiese, in der etliche geschützte Arten, darunter auch Schilf, wachsen, ist ein Hort der Biodiversität und befindet sich in einer eigens ausgewiesenen Schutzzone. «Wie rücksichtslos kann man sich als Mensch eigentlich verhalten?», ärgert sich der Gemeindepräsident von Stallikon, Reto Bernhard. «Ich verstehe ja, dass die Leute in ihrer Freizeit Sport treiben wollen. Aber doch nicht so», so Bernhard weiter. Vor allem auch deshalb, weil kaum 200 Meter entfernt ein legaler Weg verläuft, den Velofahrer benutzen können. «Das ist doch alles eine Riesenschweinerei», schimpft Bernhard.
Scheues Wild wird verschreckt
Das fragliche Gelände, durch das der Weg führt, wird von drei Pächtern bewirtschaftet. Revierobmann ist dort Lukas Wassmann. Er hat als Jäger auch einen klaren Auftrag: «Wir sind hier für die Rehwildbejagung zuständig», erklärt er. Viele Rehe würden die Wiesenfläche vor allem in den Stunden der Dämmerung benutzen, wo man sie dann bejagen könne. Dabei geht es darum, den Bestand den Sollzahlen entsprechend anzupassen. Wenn die scheuen Tiere aber durch die Velofahrenden aufgeschreckt würden, würden sie sich nicht mehr auf die Wiese trauen. Entsprechend höher seien die Verbissschäden im Wald. Die Mountainbiker sind offenbar auch spätabends und in der Nacht unterwegs. Erst vor Kurzem wurde eine Gruppe von ihnen von einer Wildkamera aufgezeichnet. Nacht um halb zwei. «Manche von ihnen schreien wohl auch gelegentlich laut, wenn sie den Berg herunterholpern», berichtet Wassmann, der oft im Gelände unterwegs ist.
Und warum halten sich einige Mountainbikerinnen und Mountainbiker nicht an die Gesetze? «Da kann ich nur spekulieren», sagt Wassmann. Entweder aus Unwissenheit oder aus Rücksichtslosigkeit.» Dabei fallen gelegentlich auch grobe Worte. «Mich haben sie schon als Schafsäckel bezeichnet», ärgert sich Lukas Wassmann.
Um einer eventuellen Unwissenheit vorzubeugen, will die Gemeinde jetzt Schilder aufstellen (siehe Bild links). Zum Schluss der Besichtigung vor Ort kündigt Reto Bernhard an: «Ich erstatte heute noch im Namen der Gemeinde Anzeige bei der Kantonspolizei, wegen Verstoss gegen das Naturschutz- und das Waldgesetz.» Eine solche Anzeige würde in jedem Fall ein Strafverfahren nach sich ziehen. «Mit einer Ordnungsbusse ist das nicht getan.»


