Indianerspiel mit Laserkanonen
Covid-19 treibt weltweit sein Unwesen. Zeit, um sich ein paar Gedanken über Sommerferien vor der eigenen Haustür zu machen. Welche Angebote gibts im Säuliamt für Familien, die für Eltern, Kinder und Teenager unterhaltsam sind?

Fast in jeder Säuliämtler Gemeinde gibts ein Freibad. Dazu kommen der Türlersee, unzählige Weiher und die Reuss als beliebte Ausflugsziele für Familien mit Kindern. Kombiniert man den Trip mit Bräteln und Böötlen oder noch besser mit Standup-Paddeling, stehen die Chancen gut, dass sich sogar die Teenies überreden lassen. Es gibt aber noch andere Möglichkeiten, um die Jungs und Mädels aus der virtuellen in die reale Welt zu locken. Erste Adresse im Säuliamt das Actionworld an der Bachstrasse 27 in Obfelden, je nach Bereich eine kluge Mischung aus realer, virtueller und Märchenwelt. Ich machte die Probe aufs Exempel und buchte einen Morgen lang für meinen zwölfjährigen Sohn Vitus, den achtjährigen Nachbarsbub Ilia und mich. Es empfiehlt sich, zeitig zu reservieren, denn gewisse Bereiche sind sehr gut besucht.
Reger Betrieb bereits am Morgen
Als wir am Samstagmorgen kurz vor zehn im Actionworld eintrudelten, herrschte bereits reger Betrieb. Wir sind zuerst für 90 Minuten im Escape-Room «Zauberer» gebucht. Hinterher muss ich sagen: Gut haben wir damit begonnen. Der Escape-Room mit seinen zahlreichen Denk- und Kombinationsaufgaben ist nichts für müde Kinder und schläfrige Erwachsene. Man muss auf Draht sein, um auf die richtige Spur zu kommen. Ohne «Hilfe-» und «Superhilfe»-Taste, über die man Lösungshinweise anfordern kann, hätten wir nicht mal das erste Rätsel geschafft. Marina, die freundliche Frau vom Actionwold-Team hatte uns zwar alles erklärt. Doch die Rätsel mussten wir dann selber lösen. Das Abenteuer beginnt in einem abgedunkelten, schön gestalteten Raum, der über eine Geheimtür noch ein zweites Zauberzimmer freigab. Aufbau und Gestaltung erinnerten mich an die Donald-Duck-Comics, die ich in meiner Kindheit so gerne gelesen habe.
Wir wollen hier nicht zu viel verraten, sonst wären die Rätsel ja keine Rätsel mehr. Aber ein paar Beispiele gibts, um zu illustrieren, mit welcher Sorte Denkaufgaben man in Escape-Räumen konfrontiert ist. Es gilt beispielsweise, Gemälde anhand von Geräuschen in der richtigen Reihenfolge aufzuhängen. Zahlen anhand von Rechnungen und Koordinaten auf einer Karte herauszufinden, Gerüche zuzuordnen, Zauberbücher und Schubladen in der richtigen Reihenfolge zu kombinieren. Gefragt sind also alle Sinne, das gesamte Spektrum an logischem und kombinatorischem Denken und ganz viel Fantasie.
Kinder brillieren mit Experimentierfreude
Als Erwachsener war ich keinesfalls im Vorteil. Die Kids hatten mir die Fantasie und das Experimentelle voraus. Nicht lange überlegen, sondern probieren! Selbst wenn Ilia mit seinen knapp acht Lebensjahren noch recht jung für die Experimente war, hielt er sich wacker, blieb aufmerksam und kam sogar als Erster auf die Lösung der Aufgabe mit den Gerüchen. Gut für die Kinder war, dass die Aufgaben nie statisch waren. Man konnte herumlaufen und verschiedene Lösungen ausprobieren. Und kamen wir an einer Aufgabe trotz der Hilfeknöpfe nicht weiter, schaltete sich per Lautsprecher reale Hilfe zu. Als wir nach 75 Minuten alle Aufgaben gelöst hatten, zeigte der Anflug von Müdigkeit wie fordernd die Rätsel gewesen waren.
Auch das anschliessende Adventure-Golf war etwas Besonderes. Denn die Bälle werden nicht ausschliesslich mit dem Schläger ins Ziel befördert, sondern auch mit Druckluft-Zielvorrichtungen, einem Laubbläser, billardmässig wie ein Queue mit dem Griffteil des Schlägers oder mit einem Zielwurf per Hand. Die Anlage ist sehr abwechslungsreich und aufwändig mit Oldtimern und verwinkelten Kugelbahnen gestaltet, die, mit dem nötigen Talent zum Zielen, auch für die Kinder mehr als ein Hole-in-One ermöglichten.
Modernes Indianerspiel
Als jedoch das Wort «Laser-Tag» fiel, war die aufkommende Müdigkeit bei den Jungs wie weggeblasen. Das Real-Life-Shooter-Game stand ganz klar zuoberst in der Prioritätenliste der Youngsters. Mich erinnerte die Aufmachung der neonfarbenen Spielanlage, in der mit Abstand am meisten Betrieb herrschte, an den 80er-Jahre-Spielfilm «Tron». Da ging es für die realen Protagonisten, die sich in ein Videospiel gebeamt hatten, ebenfalls darum, sich nicht abschiessen zu lassen. Ausgerüstet mit blinkenden Sensorshields an Brust, Rücken und Schultern und natürlich mit Laserkanone gings ins taktische Geplänkel mit zahlreichen Hindernissen – wie das Indianerspiel in meiner Kindheit auf modern.
«Nicht rennen Kinder!», mahnte der Instruktor noch, ehe wir wie von der Tarantel gestochen losgerannt sind. Drei Teams kämpften gegeneinander. Nun war mein Sohn natürlich in seinem Element. Und auch Ilia konnte sich der Faszination des blinkenden und dudelnden Vergnügens nicht entziehen. Nach zwölf Minuten war bereits Schluss. Ich war schweissgebadet wie zu meinen besten Militärzeiten als Mitrailleur. Das Minigolfspielen nach dem Mittagessen auf der Anlage beim Stigeli in Affoltern hätten wir uns sparen können. Die Kinder wären am Nachmittag lieber in die Badi gegangen und interessierten sich mehr für die Trampolins, die bei der Minigolfanlage aufgestellt waren. Was mich noch auf eine weitere Idee brachte: Im Mettmenstetter Jumpin stehen ebenfalls grosse Trampoline, von denen man sich sogar direkt ins Bassin katapultieren lassen kann. Aber das ist wieder eine andere Geschichte.


