Ja zu Kuh- und Kirchenglocken

Gemeindeversammlung in Aeugst genehmigt die neue Polizeiverordnung – und einiges mehr

Sie wurden unter grossem Applaus aus dem Gemeinderat von Aeugst verabschiedet (von links): Rebekka Manso Parada (Hochbau und Planung), Matthias Ramer (Finanzen und Sicherheit), Nadia Hausheer (Präsidium) und Ueli Trindler (Bildung). (Bild Florian Hofer)

39 Artikel hat die neue Polizeiverordnung in Aeugst (bisher waren es 86). Viele beschäftigen sich mit Handlungen von Bürgern, die verboten oder zumindest bewilligungspflichtig sind. Littering zum Beispiel, zu langes Parkieren auf öffentlichem Grund oder nächtlicher Lärm. Nur zwei Paragrafen beschäftigen sich mit Dingen, die ausdrücklich erlaubt sind: In Artikel 23 heisst es: «Das Kuhglockengeläute ist vom Grundsatz des Lärmschutzes ausgenommen, wird ausdrücklich toleriert.» Und in Artikel 24: «Das traditionelle Kirchglockengeläute sowie der viertelstündliche Glockenschlag sind vom Grundsatz Lärmschutz ausgenommen, werden ausdrücklich toleriert.»

Diebische Rotmilane sind gefürchtet

Was aber nicht geht: das Füttern der Rotmilane, die sich in den letzten Jahren in Aeugst stark vermehrt haben. Wie mehrere Votanten an der Gemeindeversammlung am Dienstagabend in der reformierten Kirche in Aeugst berichteten, stossen immer wieder hungrige Vögel vom Himmel herab und greifen sich Grillgut oder Brot von Aegusterinnen und Aeugstern. Weil es aber auch solche Mitbürger gibt, die die Tiere aktiv füttern, kann das in Zukunft auch von der Gemeinde explizit verboten werden. Dies in der Hoffnung, dass die hungrigen Angriffe aus der Luft im Laufe der Zeit dann nachlassen werden. Ein Votant forderte zwar das Streichen des Artikels, aber bei der Abstimmung fand sich dafür keine Mehrheit.

Keine Mehrheit fand sich auch für einen Antrag, den Littering-Paragrafen auch auf privatem landwirtschaftlichem Gebiet anzuwenden. Hier mische sich ChatGPT ein, das ein Diskussionsteilnehmer zu Rate gezogen hatte – in der Hoffnung zu erfahren, ob das Problem durch übergeordnetes Recht nicht vielleicht schon geregelt sei. Als die Auskunftsmaschine mit Ja antwortete, zog der Votant seinen Antrag zurück. Für Verblüffung sorgte zudem noch Gemeindepräsidentin Nadia Hausheer bei der Diskussion, ob man das Ablassen von lärmigem Feuerwerk am 1. August und an Silvester verbieten solle. Der Gemeinderat hatte beantragt, an den beiden Daten kein Verbot (dafür im Rest des Jahres) auszusprechen, da entsprechende Verordnungen derzeit im kantonalen und im eidgenössischen Parlament diskutiert werden. Aegust, so wurde argumentiert, solle dem Ergebnis dann einfach folgen. Das wollten einige Tierschützer nicht hinnehmen, sie beantragten eine Verschärfung. Die Gemeindepräsidentin erklärte dem staunenden Publikum, das habe sie bereits geahnt und zeigte eine Beschlussvorlage mit dem Verbot, wie es in Affoltern gehandhabt wird. Eine Mehrheit fanden die Verschärfungsbefürworter trotz diesem Service nicht. Zuvor hatte das Stimmvolk noch das Vergnügen, den Ausführungen des scheidenden Finanzchefs Matthias Ramer zu lauschen, der fast nur erfreuliche Zahlen zu verkünden hatte. So schliesst die Rechnung 2025 mit einem Gewinn von 1.8 Millionen Franken statt mit einem leichten Minus. Das führt dazu, dass die Gemeinde inzwischen so gut wie schuldenfrei ist. Das Nettovermögen pro Einwohner und Einwohnerin beläuft sich auf stolze 5493 Franken. Der Grund für das gute Abschneiden liegt bei sehr hohen Erträgen aus der Quellensteuer und Grundstückgewinnsteuern. Das gab alles in allem keinen Grund für kritische Fragen, aber Grund genug, die Rechnung ohne Gegenstimme anzunehmen.

Ohne Diskussionen genehmigt wurden dann noch eine Revision des Reglements des Liegenschaftenfonds, der Umgang mit einer möglichen kommunalen Mehrwertabgabe (Aeugst verzichtet darauf) und eine Anpassung des Baurechtsvertrags der Genossenschaft Unterdorf. Alle drei Traktanden wurden ohne Diskussion und Gegenstimmen genehmigt.

Verabschiedung von vier Personen

Den würdigen Ausklang fand der Abend in der Moser Schüür, wo bereits einige Gäste warteten und wohin ein Grossteil der Gemeindeversammlungsteilnehmerinnen und -teilnehmer pilgerte. Dort gab es neben Häppchen und Wein warmherzige individuelle Würdigungen der scheidenden Gemeinderatsmitglieder. Jeweils mit Applaus und Fanfarenklängen wurden Rebekka Manso Parada (Hochbau und Planung) nach 12 Jahren, Ueli Trindler (Bildung) nach 4 Jahren, Matthias Ramer (Finanzen und Sicherheit) nach 12 Jahren und Nadia Hausheer nach 14 Jahren, 8 davon als Gemeindepräsidentin, verabschiedet.

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