Jungsteinzeitliche und bronzezeitliche Funde

Die archäologischen Sondierungen im Bereich des Autobahnzubringers Obfelden-Ottenbach, die im November begonnen haben, haben dank einer Fundstelle beim «Hirschen» Bickwil erste Ergebnisse geliefert. Letzte Woche erlaubte das Wetter eine Fortsetzung im Raum Ottenbach.

Nadja Oertle, die letzte Woche die Sondierung zwischen Ottenbach und der Reuss durchgeführt hat, zeigt auf die Markierung, mit deren Hilfe die Koordinaten des Sondierschnittes exakt festgelegt werden. (Bild Bernhard Schneider)
Nadja Oertle, die letzte Woche die Sondierung zwischen Ottenbach und der Reuss durchgeführt hat, zeigt auf die Markierung, mit deren Hilfe die Koordinaten des Sondierschnittes exakt festgelegt werden. (Bild Bernhard Schneider)

Bevor der Strassenbau die Bodenstruktur zerstört, wird sie im Rahmen archäologischer Sondierungen dokumentiert – und im Idealfall kommt eine Fundstelle zum Vorschein. Eines der spektakulärsten Beispiele ist die römische Stadt Aventicum, Hauptort der helvetisch-römischen Gebiete im Bereich der heutigen Deutsch- und Westschweiz von etwa 0 bis 400 n.Chr. Grosse Teile dieser antiken Stadt wurden anlässlich des Baus der Nationalstrasse A1 im Jahr 1985 entdeckt.

Auswertung der Funde beim «Hirschen»

Erste Ergebnisse aus den Untersuchungen im November 2017 beim «Hirschen» Bickwil liegen bereits vor: Damals wurden ein Pfostenloch und zwei Gräben gefunden. Die dort gewonnene Holzkohle wurde im Labor mit der sogenannten C14-Methode untersucht, mit der das Alter organischer Fundgegenstände auf wenige Hundert Jahre genau oder sogar noch präzisier bestimmt werden kann. Die Holzkohle aus dem Pfostenloch beim Hirschen datiert aus der Jungsteinzeit, genauer zwischen 3300 und 3000 v. Chr. aus der Horgener Kultur, die von 3500 bis 2800 v.Chr. zwischen dem Boden- und dem Genfersee blühte. Noch ist nicht klar, ob es sich um einen Bestandteil eines Gebäudes aus der Jungsteinzeit handelt.

Der andere Fund vom selben Ort lässt sich noch genauer zeitlich einordnen. Zwei lange, schmale, dunkle Verfärbungen im Boden erwiesen sich als Gräben. Die darin gefundene Holzkohle stammt aus dem Übergang von der Spätbronze- zur älteren Eisenzeit, nämlich aus dem Zeitraum zwischen 840 und 790 v.Chr. Zurzeit wird das weitere Vorgehen im Zusammenhang mit diesen beiden Funden abgeklärt.

Fortsetzung der Sondierungen

Die Grabungen auf dem Gemüseacker im «Tüepel» zwischen dem Lanzen und der Reuss südwestlich von Ottenbach finden ausserhalb der bereits bekannten archäologischen Zone im Lanzen statt, die vom geplanten Strassenbau nicht direkt betroffen ist. Wie das Beispiel der urgeschichtlichen Funde im Gebiet «Hirschen» zeigt, lohnt es sich, auch ausserhalb der archäologischen Zonen zu suchen, da noch unzählige Zeugen unserer Vergangenheit im Erdreich schlummern.

Die Sondierungsarbeiten sind darauf angelegt, durch die Analyse der Bodenstruktur Hinweise auf die Besiedlung der Gegend in den letzten fünf bis acht Jahrtausenden zu erhalten. Die entdeckten urgeschichtlichen Strukturen können sich dank der Holzreste, die hier gefunden wurden, zeitlich einordnen: Jedes Detail kann bei der Interpretation hilfreich sein, auch wenn es für sich allein unspektakulär erscheint. Nicht nur für die Geschichte der Region Knonauer Amt wäre es sehr erfreulich, wenn die Funde im Rahmen der Sondierungen Anlass gäben, vertiefter zu graben. Archäologie ist ein komplexes, vielschichtiges Puzzle, bei dem die meisten Einzelteile fehlen. Um daraus ein Bild zu formen, ist viel Wissen und Spürsinn erforderlich, denn allein das Fehlen von Einzelfunden in einem Sondierungsgebiet sagt so wenig aus wie eine Anzahl von Zufallsfunden aus verschiedenen Zeitaltern. Vielleicht ergibt eine Vertiefung der Arbeiten in diesem Bereich neue Erkenntnisse über die Besiedlung der Region Knonauer Amt seit der Jungsteinzeit. Man darf jedenfalls gespannt sein auf die weiteren Resultate.

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