Jungstörche wurden Opfer des Sturms
Drei Jungstörche stürzten am letzten Samstagabend aus ihrem Nest in Ottenbach – nur wenige Wochen, bevor sie flugfähig geworden wären.

In Ottenbach erfreute man sich dieses Jahr über den Zuwachs von brütenden Storchenpaaren, bloss fanden sich wenig geeignete Brutplätze. Die Storchenhilfe, zwei zusammengebundene Stauden über dem Dachfirn auf der Mühlescheune wurde vorsorglich im Januar abgebaut, damit der Neubau durch eventuell brütende Störche nicht verzögert würde. Alternativen wurden keine angeboten, auch von der Gemeinde nicht, die vor zwei Jahren die Storchenhilfe auf der Mühlescheune angebracht hatte. Der Fabrikkamin ist seit Jahren schon von den gleichen Störchen besetzt, wohin also mit dem Zuwachs?
Exponierte Wohnlage
Ein Paar baute sich ein Nest an einer exponierten Ecke auf dem Fabrikdach, unmittelbar neben einer starken Aussenbeleuchtung, die dann von den Mitarbeitern von Haas Shopping vom Strom genommen wurde (im «Anzeiger» vom 24. April). Zwei Paare wählten sich zwei hohe Tannen aus, die auf dem Grundstück von alt Gemeindepräsident Willy Bonvin stehen. Der sichtlich berührte «Storchenpate» Willy Bonvin erzählt nach dem Sturm: «Bei der einen Tanne fielen bereits die Storcheneier, eins nach dem andern, herunter.»
Auf der Tanne, die näher zum Ufer des Kanals steht, klappte es aber mit dem Brüten und die ganze Familie Bonvin verfolgte die Aufzucht mit Spannung: «Wir sagten noch, wenn es keinen Sturm gibt, dann schaffen sie es.» Leider fielen die drei Jungstörche am letzten Samstagabend bereits der ersten Sturmböe zum Opfer. Sie hätten sich im Nest aufgerichtet, seien vom Wind aus dem Nest gehoben worden und zu Boden gefallen. Zwei waren sofort tot, der dritte blutete aus dem Schnabel.
Der Jagdaufseher hilft auch beim Storchunfall
Der herbeigerufene Jagdaufseher Walter Häusermann sah wenig Hoffnung für das Jungtier. Mit verletzten Störchen hat er aber selten zu tun, zudem ist das Tier geschützt. Er versuchte sich mit der Vogelwarte Sempach und Storch Schweiz abzusprechen, die aber nicht verfügbar waren. Erreichbar war dann Willy Huwyler, selber Jäger und «Storchenvater» in der Bützen Hünenberg. Als Freiwilliger hilft er jeweils bei der Beringung der Jungstörche mit, die gerade am Dienstag vor dem Sturm durchgeführt wurde. Auch er meinte aber, dass man den Jungstorch erlösen solle. Die drei Kadaver boten dann selber wieder Nahrung für eine Fuchsfamilie mit drei Jungen, die unten beim Kanal ihre Höhle hat. Walter Häusermann legte sie ihnen als Festschmaus über den Zaun.
Wehmütig meinte Willy Bonvin nach dem Drama: «In etwa zwei Wochen wären die Jungstörche flugfähig gewesen.» Er hätte es den schönen Vögeln mehr als gegönnt, wenn sie ihre mächtigen Schwingen hätten ausbreiten können, um sich im Aufwind in den endlos blauen Himmel zu schrauben, um dann nach Afrika zu fliegen – vielleicht als ehemaliger Berufspilot umso mehr.


