Kalte Nächte haben dem Steinobst zugesetzt
Jetzt wie bereits vor einer Woche wurde es nochmals winterlich. Mehr als der Schnee haben die tiefen Temperaturen dem bereits blühenden Steinobst geschadet. Auch im Säuliamt sind Obstkulturen betroffen. Die effektive Höhe der Schäden lässt sich erst etwa in einem Monat definitiv feststellen.
Schnee im April ist nichts Aussergewöhnliches. Zugenommen haben aber in den letzten Jahren die starken Temperaturschwankungen im Frühling. Zuerst sommerlich warm, dann tiefe Minus-Grade. Die Kirschbäume hatten durch die Wärme schon zu blühen begonnen, ebenso die Aprikosen und die frühen Zwetschgensorten. Die Blüten der Apfel- und Birnbäume waren noch verschlossen. Der Frost in den eisigen Nächten vor einer Woche schadete den offenen Blüten der Steinobstbäume. In verschiedenen Regionen der Schweiz wurden Schäden in grosser Höhe festgestellt, so auch im nahen Kanton Zug und im Säuliamt. Frostschäden an Obst können als Zusatz bei der Hagelversicherung gedeckt werden. Lange nicht alle Landwirte machen von dieser Versicherung Gebrauch. Sie ist vor allem für Betriebe attraktiv, die sich mehrheitlich auf Obstproduktion spezialisiert haben und deren Existenz davon abhängt.
Für Landwirt Thomas Göggel in Kappel sind seine zahlreichen Obstbäume ein kleiner Betriebszweig neben Milchwirtschaft und Ackerbau. «Es war zu schnell zu heiss», stellt er sachlich fest. Und nun habe die Kälte den offenen Blüten zugesetzt. Über den Schadenumfang werde er sich etwa in einem Monat ein Bild machen können. Auch Ernst Meier aus Obfelden nimmt die Folgen der Frostnächte relativ gelassen und wartet mit einer Prognose ab. Frostschäden im Frühling habe er auch schon in früheren Jahren erlebt, weiss er zu berichten. «Ich tue in meiner Anlage das, was ich mit sinnvollem Aufwand tun kann. Und im Weiteren vertraue ich auf Gott.»
Braun und verwelkt
Ende Woche ergab ein Augenschein in der Obstanlage der Familie Stübi in Mettmenstetten ein ernüchterndes Ergebnis. Die meisten Kirschbäume hatten bereits vor den Frostnächten zu blühen begonnen. Die jungen Bäume waren besonders früh und hatten ihre Blüten schon in voller Pracht geöffnet. Jetzt präsentiert sich ein trauriges Bild: Braun und verwelkt hängen die Blüten an den jungen Zweigen. Es ist zu hoffen, dass vielleicht doch noch ein paar geschlossene Blüten überlebt haben. Auch an den älteren Bäumen ist der Schaden erheblich, auch wenn die erfrorenen Blüten noch nicht verwelkt sind. Landwirt Beat Stübi erklärt und demonstriert, wie eine erfrorene Blüte erkannt werden kann: «Ich öffne die Blüte und sehe hier den Ansatz des Fruchtknotens. Ist dieser braun, wie hier in dieser Blüte, dann kann keine Kirsche mehr wachsen.» Der Landwirt geht von Baum zu Baum und öffnet auch Blüten, die noch nahezu geschlossen sind. Mehr als die Hälfte davon sind erfroren. Der Schaden lässt sich auch hier zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht genau beziffern. Aber er wird über 50 Prozent betragen. Die regionalen Kirschen werden diesen Sommer vermutlich ein rares Produkt sein. Auch für Beat Stübi sind Schäden durch Frühlingsfrost nicht neu. «2003 hatten wir wegen Frost einen Totalausfall», erinnert er sich.
Aufwändige Schutzmassnahmen - auch für das Freilandgemüse
In grossen Obstbetrieben, wie zum Beispiel im Thurgau oder im Norden des Kantons Zürich, kommen in Frostnächten vielerorts Kerzen zur Beheizung oder eine Frostbewässerung mit Sprinklern zum Einsatz. Diese Methoden sind aufwendig und teuer. Für die Beheizung braucht es in einer Anlage pro Frostnacht durchaus 200 bis 300 Kerzen, was Auslagen von rund 3500 Franken bedeutet. Die Frostbewässerung ist eine effiziente Massnahme, benötigt aber die entsprechende Einrichtung und viel Wasser. Fein versprüht gelangt es auf die Pflanzenteile und bildet eine schützende Eisschicht, innerhalb dieser die Temperatur nicht unter den Gefrierpunkt absinkt.
Nicht nur die Obstbäume sind den Frostschäden ausgesetzt, sondern auch das Freilandgemüse. Roland Moser aus Obfelden hatte mit seinem Team vor den kalten Nächten viel Arbeit. «Wir haben das Gemüse mit Flies abgedeckt», erklärt er. «Die besonders empfindlichen Pflanzen wie Fenchel, Krautstiele oder Sellerie erhielten sogar eine doppelte Decke.» Der grosse Aufwand habe sich aber gelohnt. In etwa zwei Wochen kann er mit der ersten Ernte beginnen.






