Kandidierende stellten sich vor
Eine Podiumsdiskussion in Ottenbach lieferte Antworten

In Ottenbach wird es im Hinblick auf die diesjährigen Erneuerungswahlen am 8. März spannend. Sieben Bewerberinnen und Bewerber stellen sich für fünf Sitze im Gemeinderat zur Wahl. Auch das Gemeindepräsidium ist umkämpft: Mit Gaby Noser Fanger (bisher) und Ernst Diethelm (neu) treten zwei Kandidierende an. Die separat zu wählende Schulpräsidentin besetzt den sechsten Sitz im Gemeinderat. Für die Primarschulpflege kandidieren ebenfalls mehr Personen, als Sitze zur Verfügung stehen. Die Ottenbacher Bevölkerung hat damit eine echte Auswahl.
Um den Stimmbürgerinnen und Stimmbürgern die Kandidatinnen und Kandidaten persönlich näherzubringen, organisierten die Ortsparteien FDP, GLP und SVP am vergangenen Dienstagabend eine aufschlussreiche Podiumsdiskussion.
Motivation und Persönliches
Das Angebot stiess auf Anklang: Rund 170 Dorfbewohnerinnen und Dorfbewohner strömten in den Ottenbacher Gemeindesaal. Nach einer kurzen Begrüssung durch René Nikles, Präsident der FDP Ottenbach, übernahm Roland Brüniger die souveräne Leitung durch den Abend. Er gliederte die Veranstaltung in drei Teile. Im ersten Block erhielten sämtliche Anwärterinnen und Anwärter jeweils 90 Sekunden Zeit, um über sich und ihre Motivation für das politische Amt zu erzählen. Schliesslich ist ein solches nicht nur Würde, sondern auch Bürde.
Fragen des Moderators
Im zweiten Teil stieg die Spannung weiter. Moderator Brüniger hatte für jede Kandidatin und jeden Kandidaten Fragen im Gepäck, die den Beteiligten im Vorfeld nicht bekannt waren. «Ich bitte euch explizit, möglichst kurz und prägnant zu antworten. Nicht viel reden und nichts sagen, sondern konkret werden», forderte er die Kandidierenden auf. So fragte er etwa die parteilosen Kandidaten, wo sie sich innerhalb der Parteienlandschaft verorten würden. Damit lieferte er den Wählenden Hinweise, um die politischen Positionen der Kandidierenden besser einordnen zu können.
Den Mitanwärter auf das Gemeindepräsidium, Ernst Diethelm, sprach Roland Brüniger auf seine kürzlich erfolgte Änderung der Parteizugehörigkeit an: «In der Publikation der Gemeinde wurden Sie als parteilos deklariert, im ‹Anzeiger› stehen Sie nun als SVP-Kandidat. Wie kam es dazu?» Dazu erklärte Ernst Diethelm: «Bereits Anfang Dezember hatte ich mich entschieden, Mitglied der SVP zu werden. Die offizielle Bestätigung erhielt ich dann am 8. Januar.»
Ebenfalls thematisiert wurde Diethelms im «Anzeiger» genanntes Ziel, Unternehmungen – Gewerbe- und Dienstleistungsbetriebe – in Ottenbach anzusiedeln. Der Moderator gab zu bedenken, dass es derzeit keinerlei Gewerbezonen-Reserven in der Gemeinde gebe, und fragte ihn nach seinem Ansatz. «Wir müssen allenfalls um- oder aufzonen, um dies erreichen zu können», antwortete Diethelm.
Die amtierende Gemeindepräsidentin Gaby Noser Fanger wurde gefragt, was sie nach 14 Jahren im Gemeinderat zu einer erneuten Kandidatur bewogen habe. «Ich habe mir diesen Entscheid lange und gut überlegt. Wir haben mehrere grosse laufende Projekte, insbesondere die Zentrumsplanung, bei welcher ich ab der ersten Stunde dabei bin. Es ist ein Herzensprojekt von mir, das ich gerne noch abschliessen möchte», erklärte sie. Zudem habe der Entschluss des jetzigen Tiefbauvorstehers Peter Weis, nicht mehr zur Wiederwahl anzutreten, zum Ausschlag mitgetragen, denn damit gehe bereits viel Know-how verloren.
Fragen aus dem Publikum
Dieser Umstand schien auch das Publikum zu beschäftigen, was im dritten Teil der Veranstaltung zu mehreren Wortmeldungen führte.
Insbesondere die anstehenden Projekte im Tiefbau würden einen Vorsteher mit vertieften Fachkenntnissen erfordern. Gleichzeitig verfügt keiner der kandidierenden Gemeinderatsanwärter über die gewünschte Expertise in diesem Bereich. Dazu äusserte sich Serge Bonvin: «Wie die anderen Kandidierenden habe ich keine Erfahrungen im Tiefbau. Einen Dorfplatz habe ich noch nie umgebaut. Allerdings ist es in einem Milizsystem wohl selten der Fall, dass die politischen Ämter durchwegs mit Fachpersonen besetzt werden können.» Ein Votant ergänzte, dass dies auch gar nicht zwingend notwendig sei, da die einzelnen Ressorts von Kommissionen unterstützt und begleitet würden. In diesen Gremien sei entsprechendes Fachwissen vertreten. Weiter ist der Gemeinderat ein Kollegialgremium, in dem Novizen Rückhalt von den erfahrenen Gemeinderäten und der Verwaltung erhalten.
Weiter wollte das Publikum wissen, ob Ernst Diethelm das Amt als Gemeinderat annehmen würde, falls er nicht zum Präsidenten gewählt werde. «Ja, selbstverständlich würde ich das Amt als Gemeinderat annehmen», erklärte er. Mehrere Votanten brachten ihre Wertschätzung gegenüber allen Kandidierenden zum Ausdruck, die sich für ein politisches Amt in der Gemeinde Ottenbach zur Verfügung stellen.
Nach zahlreichen wissenswerten Informationen und einigen kritischen Fragen machte sich nach knapp zwei Stunden bei allen Anwesenden langsam der Durst bemerkbar, sodass zum gemütlichen Teil – dem Apéro – übergeleitet wurde, bei dem sich die Anwesenden weiter rege unterhielten.


