Kappel ist alles andere als «Game over»

Am Freitagabend hiess es in Kappel nach einjähriger Zwangspause wieder: Partytime! Unter dem Motto «Game over» veranstaltete die Fasnachtsgesellschaft Uerzlikon ihren Maskenball. Es kam reichlich Publikum.

Feiern unter dem wachsamen Auge von Hollywood-Ikone Marilyn Monroe.

Feiern unter dem wachsamen Auge von Hollywood-Ikone Marilyn Monroe.

«Die Schwache nimmts.» Soso.

«Die Schwache nimmts.» Soso.

Ohne Guggenmusik keine Fasnacht, keine Stimmung, keine Hände in der Luft. Sechs Formationen traten in Kappel auf. (Bilder Martin Platter)

Ohne Guggenmusik keine Fasnacht, keine Stimmung, keine Hände in der Luft. Sechs Formationen traten in Kappel auf. (Bilder Martin Platter)

Können sich auch mit einem Würfel vergnügen: Spielerinnen des FC Hausen.

Können sich auch mit einem Würfel vergnügen: Spielerinnen des FC Hausen.

22.15 Uhr:

Wer nach zehn Uhr in Kappel eintrifft, hat Glück. Bis dahin hat sich die Warteschlange vor dem Kassenhäuschen wieder verflüchtigt. In vergangenen Jahren hat der Maskenball am Freitagabend eher eine Nebenrolle gespielt, doch nun, da der Umzug und die Uslumpete am Sonntag ausfallen, ist er für einmal der Star des Wochenendes. Unter den Gästen erspäht man ganz Junge, aber auch viele (ewig) Junggebliebene. FGU-Präsident Christian Müller freuts: So viel Publium hätten sie an einem Freitag­abend schon lange, lange nicht mehr gehabt.

22.58 Uhr:

In manchen Restaurants kann es sich unter ungünstigen Umständen zutragen, dass plötzlich irgendein windiger Rosenverkäufer neben einem am Tisch steht. An der Fasnacht passiert das auch, nur ist es dort der Pirat Jack Sparrow mit einem karibischen Brand. Die Kafistube, dieses Jahr im Foyer des Gemeindesaals einquartiert, ist sein Marktgebiet. Und er bewirtschaftet es pflichtbewusst. Die Gäste haben kaum ein, zweimal ­geblinzelt, da hat er schon die Plastikbecherchen verteilt und eingeschenkt.

23.35 Uhr:

Ein Wahlkampf ist in Kappel kein ­Zuckerschlecken. Wer das nicht wusste, weiss es seit Montag vergangener Woche. Am Podium zu den Erneuerungswahlen des Gemeinderats gab es gehässige Voten, gegenseitige Vorwürfe und Giftpfeile in Richtung jenes Kandidaten, der offenbar auch schon zum Gewehr griff und einen Schuss abfeuerte. Deshalb gibt es Anlass zur Besorgnis, als sich abzeichnet, dass sich unter den Fasnachtsgästen mindestens zwei Gemeinderatskandidierende tummeln.

Werden Bierflaschen fliegen?

Wortbomben?

Fäuste?

Konfetti?

Der Nahkampf bleibt aus. Mit einem gemeinsamen Erinnerungsfoto will es allerdings nicht klappen.

23.50 Uhr:

Wer an der Fasnacht in Kappel nicht verkleidet ist, gilt schnell als verhaltens­auffällig. Und nun, da es auf Mitternacht und auf die Maskenprämierung zugeht, erzählt einer, also einfach für nächstes Mal...er habe den Keller voller Kostüme und helfe gerne aus. Styling-Nachhilfe, quasi.

00.43 Uhr:

Eine besonders eingefleischte Besucherin ist in der Bar im Obergeschoss anzutreffen. Für den Ball ist sie extra aus dem Bündnerland angereist...Für das Foto müssen sie und ihre Begleiterin noch gschwind die Snus-Beutelchen aus der Oberlippe entfernen, sonst wirds schwierig mit dem strahlenden Lachen.

01.10 Uhr:

Inzwischen spielt die letzte von sechs Guggenmusiken. Wer das nicht mit-erlebt...ist selber schuld. Das Stück ist ein wahrer Fasnachtsklassiker:

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02.05 Uhr:

Treuer Gast in schummrigen Morgenstunden jeder Fasnachtsparty ist der Schweizer Sänger Florian Ast mit seinem Song «Sex». Der kommt immer, ist man geneigt zu sagen, und mit ihm Corina, Fränzi, Julia, Käthi, Vreni Heidi und Nuria. Zu diesen lüsternen Zeilen trällern im Saal ziemlich viele mit. Ausser einem Gast vielleicht: Er trägt ein schwarzes Shirt, darauf steht: «I don’t need Sex. The Government fucks me everyday.»

02.45 Uhr:

Die FGU hat den Gemeindesaal in Kappel mit Poker- und Spielsujets verziert. Das Motto des Abends: «Game over.» Den Spielerinnen des FC Hausen macht allerdings so schnell keiner was vor. Sie wissen: Vorbei ist es erst nach dem Abpfiff. Kurz vor drei Uhr wirken sie noch beneidenswert spielfähig, und weil kein Fussball in Griffweite ist, dribbeln sie mit einem Schaumstoffwürfel.

«Rien ne va plus» gilt in den frühen Morgenstunden für bemerkenswert viele Gäste und auch für manche schnupfgeprüfte Nase längst noch nicht. Momoll, da geht noch was.

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