Kein Historiker, kein Politiker...
Gemeinsam organisierten der Verschönerungsverein und der Turnverein Mettmenstetten die 1.-August-Feier im Paradies ob Mettmenstetten. Es wurde Handorgel gespielt und gejodelt. Es gab Bratwürste und der Schweizerpsalm wurde gesungen. Aber kein Feuer loderte gen Himmel und der Redner sprach nicht über das hehre Vaterland.
Eine idyllische Szene wie im Bilderbuch: Unter lauschigen Bäumen und farbigen Lichtergirlanden sassen plaudernde Menschen und bewunderten den Blick aufs Dorf und ins weite Grün des Reusstales. Zuerst ertönte aus dem Lautsprecher das Geläute der Kirchenglocken, dann erklang volkstümliche Musik, gespielt vom Duo Ueli und Kari. Peter Junker begrüsste die Mettmenstetter, bedankte sich bei allen, die das Fest mitgestaltet hatten und führte den Redner ein mit den Worten: «Wir mussten lange suchen.» Drei Trachtenmeitli aus dem Bernbiet jodelten wunderschön.
Traditionelle Feier im Paradies
Die Geschwister Moser sangen von einem Mann, der nur an sich denkt. Es sei ihm nur um Geld und Gut gegangen. «Die Augen sind leer und das Herz ist hart wie Stein.» Der Schreiber des Liedes schloss daraus: «I bliibe lieber muusarm.»
Damit war man schon mitten im Thema des Redners, der für ein achtsames und gerechtes Miteinander plädierte. Hansruedi Sommer betonte, er sei weder ein Historiker noch ein Politiker, ihm ging es um soziale Aspekte des Miteinanders in der Schweiz und weltweit. Der Agronom führt seit 24 Jahren das Werk- und Wohnhaus zur Weid in Rossau. Diese Arbeit habe ihn zum Experten des menschlichen Zusammenlebens werden lassen. Wo Menschen zusammenleben, gibt es Konflikte und es brauche Geduld, Beharrlichkeit, Gelassenheit und Vertrauen, um diese zu entschärfen.
Soziales Engagement
Hansruedi Sommer lobte die Mettmenstetter und Rossauer für ihren toleranten Umgang mit seinen Klienten, die manchmal auch ungehobelt sein könnten. Insbesondere der direkte Kontakt seiner Klienten mit der Bevölkerung liege ihm am Herzen. Er freue sich, dass viele Besucher zur Weid kommen, um im Weid-Laden einzukaufen, sich den Gutsbetrieb mit den Tieren «von Kühen bis Tauben» anzuschauen und im Weid-Kafi einzukehren. Dabei entstehen kurze Kontakte, die seinen Klienten guttun. Eine überzeugende Strategie, die Männer aus dem Wohnheim in die Dörfer zu integrieren!
Miteinander, weltweit
Der 1.-August-Redner las die Präambel der Bundesverfassung vor, welche die Verantwortung gegenüber der Schöpfung sowie die Offenheit und Solidarität gegenüber der Welt zum Inhalt hat. «…im Willen, in gegenseitiger Rücksichtnahme und Achtung ihre Vielfalt in der Einheit zu leben» und weiter: «…gewiss, dass frei nur ist, wer seine Freiheit gebraucht, und dass die Stärke des Volkes sich misst am Wohl der Schwachen.»
Diese Kernsätze unserer Demokratie nahm Hansruedi Sommer auf und wünschte, dass die Schweiz ein prosperierendes, friedliches Land bleibe, dass die Menschenrechte aktiv gelebt würden und die Schweiz zu den Ressourcen Sorge trage. Nicht nur das eigene Wohl solle Lebensinhalt sein, sondern das aller auf dieser Welt. Ganz entgegen dem aktuellen Trend «Wir zuerst».






