Keine Grossbauten ermöglichen
Revision der Nutzungsplanung angenommen: Rifferswil soll nur moderat wachsen dürfen

Die 200 stimmberechtigten Rifferswilerinnen und Rifferswiler brauchten am vergangenen Mittwochabend etwas Sitzleder und einen wachen Geist. An der Gemeindeversammlung in der Turnhalle des Primarschulhauses hatten sie über eine Vorlage zu befinden, welche die grundlegenden Parameter für die Entwicklung des Dorfes festsetzt. Ein Versammlungsteilnehmer sagte treffend: «Was wir heute entscheiden, prägt unser Dorf in den nächsten 15 bis 20 Jahren.» Am Ende wurde die revidierte Bau- und Zonenordnung (BZO) samt Zonen- und Kernzonenplan bei nur einer Gegenstimme und zwei Enthaltungen angenommen. Eingang in das Regelwerk fand zuvor auch einer der Änderungsanträge.
Mit sichtlicher Erleichterung und begleitet von spontanem Applaus durfte der zuständige Gemeinderat Yves Haller seine Mission nach dreistündiger Beratung als beendet betrachten. Gemeindepräsident Christoph Lüthi würdigte denn auch dessen Einsatz: «Er wurde vor drei Jahren als frisch gewählter Gemeinderat ins kalte Wasser geworfen.» Mittlerweile sei er in dieser Sache «zum Profi» geworden. Es sei für ihn aber eine «Riesenbüez» gewesen. Haller gab unumwunden zu: «Wenn ich vorher gewusst hätte, was für ein Riesenwerk das ist, hätte ich mich wohl nicht zur Wahl gestellt.»
Etwas mehr Lärm zulassen
Eine relativ deutliche Mehrheit fand ein Antrag, der eine Erweiterung der lärmunempfindlicheren Zone im Ortsteil Ober-Rifferswil forderte. In dieser Zone – insgesamt wurden etliche solche Zonen ausgeschieden, in denen bereits Gebäude zumindest teilweise gewerblich genutzt werden – darf die Lärmbelastung künftig 65 statt 60 Dezibel betragen. Damit soll verhindert werden, dass Gewerbebetriebe in ihrem Bestehen, aber auch in ihrer Entwicklung, behindert werden. Ein Antrag, gleich die ganze Kernzone, zu welcher Ober- und Unter-Rifferswil im Wesentlichen gehören, auf 65 Dezibel aufzustufen, fand eine deutliche Mehrheit nicht unterstützenswert. Christoph Lüthi wies zuvor auf die Konsequenzen hin, welche eine Annahme hätte. Da nicht abschätzbar sei, welche Auswirkungen eine solch gravierende Änderung auf die Gemeinde hätte, wäre der Gemeinderat gezwungen, dies erst abzuklären und die Versammlung zu einem späteren Zeitpunkt nochmals darüber zu befinden lassen.
Das gleiche Schicksal ereilte ein Antrag, der eine Erweiterung des schützenswerten Grünraums zwischen den Siedlungsgebieten Winkel und Jonenbachstrasse zum Inhalt hatte. Yves Haller hatte zuvor dargelegt, dass der Kanton verantwortlich sei für die Einhaltung der übergeordneten Schutzziele und bei seiner Prüfung nichts moniert habe. Tatsache sei, dass in der vom Gemeinderat vorgeschlagenen Version bereits acht Meter mehr Grünraum aufgenommen worden seien als vorgeschrieben. «Wir sind klar der Meinung, dass dies mehr als genug Freiraum ist», bekräftigte Christoph Lüthi.» Dass dort auf einer Baulandparzelle nahe des Freihalteraums dereinst Häuser gebaut werden könnten, ist aber nicht von der Hand zu weisen. Der Gemeindepräsident wies in dieser Hinsicht auf die Planungssicherheit hin, welche man dem Landbesitzer gewähren müsse. Dieser hatte das betreffende Land vor rund fünf Jahren erworben.
Überbauungsziffer einführen
Mittels Einführung einer Überbauungsziffer will die Gemeinde zudem sicherstellen, dass das Dorf nur moderat wachsen kann. In der Kernzone soll die Ziffer 22 und im Gebiet Mettler, einem Wohnareal mit mehrheitlich einstöckigen Einfamilienhäusern, 20 betragen. Die Ziffer legt fest, wie viel Prozent des Baulands in Quadratmetern durch den Baukörper belegt werden darf. Einigen Rifferswilerinnen und Rifferswilern ging diese neue Einschränkung zu weit. Sie monierten, damit beschneide man sich zu stark, gerade auch angesichts der Wohnungsknappheit in der Region. Andererseits ist es eine Tatsache, dass Rifferswil mit einem Bevölkerungszuwachs von 2,3 Prozent über die letzten 15 Jahre bereits überdurchschnittlich stark gewachsen ist. «Rifferswil soll nur noch moderat wachsen, grosse Neubauten sind nicht ortstypisch», so Lüthi. Und Yves Haller meinte: «Wir haben gut gerechnet, es hat für die Entwicklung noch genug Platz.»
Den Antrag, auf die Einführung der Überbauungsziffer gänzlich zu verzichten, verwarf die Versammlung klar.


