Knonau, Obfelden und Stallikon-Wettswil wollen den grossen Zusammenschluss nicht
Auf die zehn deutlichen Zustimmungen zur Planung einer einzigen Kirchgemeinde im Knonauer Amt in der ersten Wochenhälfte, folgten am Donnerstag und Sonntag die drei Absagen von Knonau, Stallikon-Wettswil und Obfelden.
«Wir haben gewusst, dass Stallikon-Wettswil ziemlich sicher nicht mitmacht, Obfelden ebenfalls», verrät Markus Rosenberger, Leiter des Lenkungsausschusses KG+ Bezirk Affoltern. Dass aber ausgerechnet seine eigene Kirchgemeinde Nein sagen könnte zur Verhandlung in Richtung einer einzigen Grossgemeinde, das sei überraschend gekommen, so der Knonauer Kirchgemeindepräsident. Mit dem Abschluss des Vorprojekts per 5. Juli wird er damit auch die Leitung des Lenkungsausschusses abgeben müssen. Vier bis sechs Monate werden sich die zehn beteiligten Gemeinden dann Zeit nehmen, das gemeinsame Projekt konkret aufzusetzen. Einerseits wolle man zügig vorangehen, andererseits aber auch die Leute von Anfang an mitnehmen. Ziel ist es, per 2020 die Zusammenschlüsse zu machen, dort wo es sinnvoll ist. Der Zeitpunkt ist nicht zufällig bestimmt: Im selben Jahr stehen auch die Neuwahlen der Pfarrpersonen an.
Knonau: Gemeinde ist geteilt
«Die Zahl der Mitglieder der reformierten Jahreskirche nimmt stetig ab und es wird immer schwieriger, Kirchenpflegemitglieder zu finden», hatte Rosenberger am Donnerstag an der Kirchgemeindeversammlung in Knonau erläutert. «In einem grösseren Verbund könnten wir im Bereich Diakonie und Jugend mehr machen.» Lisette Müller fragte, ob man sinnvolle Einheiten bilden könnte, wenn man sich zu mehreren Kirchgemeinden zusammenschliessen würde. Rosenberger erklärte, dass dies in den Verhandlungen angesprochen worden sei, man aber nie zu einer Einigung gekommen wäre. Mehrere Anwesende äusserten ihre Befürchtungen, beispielsweise, dass der Pfarrer plötzlich anonym werde, andere schwächten ab und meinten beispielsweise, dass der gesamte Kanton Zug eine Kirchgemeinde sei und hervorragend funktioniere.
Nach mehr als eine Stunde Diskussion wurde der Antrag zur Aufnahme von Verhandlungen mit 30-Ja- zu 3 Nein-Stimmen angenommen. Der zweite Antrag – die Ermächtigung der Kirchenpflege zur Aufnahme von Zusammenschlussverhandlungen für eine einzige Kirchgemeinde – wurde mit 15-Ja- zu 20-Nein-Stimmen abgelehnt.
Zusammenschluss im Unteramt?
45 Stimmberechtigte nahmen an der Kirchgemeindeversammlung Stallikon-Wettswil vom vergangenen Donnerstag teil. Nach einer intensiven, offenen Diskussion mit zahlreichen Wortmeldungen wurde über drei Varianten abgestimmt. Dem Zusammenschluss mit der Kirchgemeinde Bonstetten stimmten 40 Personen zu, 5 waren dagegen. Die Variante, sich mit Bonstetten und Hedingen zusammenzuschliessen, wurde mit wenigen Ja-Stimmen abgelehnt. Für die Variante, eine einzige Kirchgemeinde im Bezirk anzustreben, sprachen sich nur 3 der Anwesenden aus. 42 Personen waren dagegen.
Die Kirchenpflege Stallikon-Wettswil hat somit den Auftrag erhalten, mit der reformierten Kirchgemeinde Bonstetten Verhandlungen aufzunehmen. In Bonstetten war der Antrag «Unteramt», das heisst Verhandlungen mit Stallikon/Wettswil und Hedingen, zwei Tage zuvor nur knapp unterlegen.
Obfelden will Schicksal selbst bestimmen
Ähnlich heftig wie in Stallikon-Wettswil fiel die Schlappe für eine einzige Kirchgemeinde am Sonntag in Obfelden aus. «Die Formel ‹weniger Mitglieder – weniger Steuereinnahmen› stimmt für uns nicht», sagte Kirchgemeindepräsident Werner Schneiter. Die Zuwanderung mache die Austritte mehr als wett. «Wir sind stark genug, unser Schicksal selbst bestimmen zu können», so sein Fazit.
Vizepräsident Christoph Kutassy sprach gar von einem Grundsatzentscheid: Miliz- oder Berufskirche. Die Kirchenpflege machte keinen Hehl daraus, dass ihr das Milizsystem mehr zusagt: «Die Gemeinde soll sich dadurch auszeichnen, dass sich alle einbringen können, so Kutassy. Statt die Kräfte auf zwei Prozesse zu verzetteln, sollen sie auf die gemeindeinterne Entwicklung konzentriert werden, schlug die Behörde der Kirchgemeindeversammlung vor, was diese nach ausführlicher Diskussion mit 53:7 Stimmen gegen Fusionsverhandlungen und 58:0 Stimmen für den gemeindeeigenen Entwicklungsprozess deutlich guthiess.


