Kollektives Schwitzen im Knonauer Stampfisaal

Erfolgreiche letzte Gemeindeversammlung von Esther Breitenmoser

Vordere Reihe, die zurücktretenden Behördenmitglieder aus dem Gemeinderat (von links): Claudia Bickel, Esther Breitenmoser und Nathanaël Wenger, hinten die zurücktretenden RPK-Mitglieder: Doris Trachsel, Fabienne Zeberli und Paul Corbett. (Bild M
Vordere Reihe, die zurücktretenden Behördenmitglieder aus dem Gemeinderat (von links): Claudia Bickel, Esther Breitenmoser und Nathanaël Wenger, hinten die zurücktretenden RPK-Mitglieder: Doris Trachsel, Fabienne Zeberli und Paul Corbett. (Bild Martin Platter)

102 Stimmberechtigte fanden sich am letzten Donnerstagabend im Knonauer Stampfisaal ein, um der letzten Gemeindeversammlung unter der Leitung von Gemeindepräsidentin Esther Breitenmoser beizuwohnen. Das ist insofern beachtlich, weil der Abend lau war und im Saal selbst saunaartige Temperaturen vorgeherrscht haben. Sehr sympathisch begrüsste Breitenmoser zuerst ihren Nachfolger Roland Buchmann sowie die beiden neugewählten Gemeinderäte Sandra Casartelli und Christoph Bickel, was vom Publikum prompt mit Applaus quittiert wurde. Dann eröffnete die Gemeindepräsidentin die Gemeindeversammlung mit einem kurzen persönlichen Rückblick auf ihre Amtszeit und bedankte sich bei den Verwaltungsangestellten und ihren Mitstreitern für die fruchtbare Zusammenarbeit.

Rechnung 2025 mit grossem Gewinn

Die Rechnung 2025 stellte Finanzvorsteherin Brigitta Trinkler vor. Bei einem Gesamtbetrag von 20.585 Millionen Franken resultiert ein Gewinn von 3.7 Millionen Franken – 11,5 Mal mehr als budgetiert! Als Hauptgründe nannte Trinkler unerwartet hohe Grundstückgewinnsteuern und hohe Steuererträge plus ein Landverkauf. Auf der Ausgabenseite konnte quasi eine Punktlandung realisiert werden, nur 1238 Franken (auf 16.8 Millionen Totalausgaben) sei man über dem Budget gelandet. Das Nettovermögen betrage 18 Millionen Franken. Mit 54 Prozent bilde die Schule nach wie vor den grössten Kostenblock. Das sei der einzige Bereich gewesen, in dem 57000 Franken mehr ausgegeben wurde als geplant. Allerdings seien in der Investitionsrechnung 3.6 Millionen Ausgaben geplant gewesen, aber nur 0.9 Millionen seien tatsächlich realisiert worden. Die Rechnung wurde diskussionslos gutgeheissen.

Mehr zu reden gab der Zusatzkredit von 210000 Franken, den Tiefbauvorstand Marcel Bosshart erklärte. Vor zwei Jahren hatte das Stimmvolk an der Urne einem 2.489-Millionen-Kredit für den Neubau eines neuen Werkhofs auf dem Areal der früheren Kläranlage grünes Licht erteilt. Kurz darauf warf der Planer jedoch den Bettel hin. Nachprüfungen des Projektes durch einen neuen Planer haben dann ergeben, dass die ursprüngliche Planung wohl dem damaligen Stand entsprach, aber keine Kosten für die Bauteuerung und diverse Ingenieurleistungen vorgesehen wurden, das Vorprojekt auch bezüglich Fachplanung unvollständig war. «Bauen mit der öffentlichen Hand ist nicht ganz trivial. Schwierig als Milizbehörde ohne entsprechendes Fachwissen», rechtfertigte sich Bosshart und betonte, dass die Bausumme auch mit dem besagten Zusatzkredit noch immer innerhalb der Abweichungstoleranz von zehn Prozent des an der Urne bewilligten 2.5-Millionen-Baukredits liege. Die RPK stimmte zu – allerdings unter dem Vorbehalt, dass der Gemeinderat eine strikte Kostenkontrolle einhält.

Zusatzkredit: «5er gerade sein lassen»

Die erste Frage aus dem Publikum wollte wissen, was die Folgen wären, würde der Zusatzkredit abgelehnt. Antwort Bosshart: «Es geht weiter. Aber wir würden auf neues Mobiliar verzichten, würden die Umzäunung/Umgebungsarbeiten von unserem Werkdienst erledigen lassen, mehr Eigenleistung erbringen.» Jemand wollte wissen, weshalb der Planer gegangen sei? Bosshardt: Es seien ein paar Fragen unseres Bauherrenbegleiters an den Planer gestellt worden, die er nicht beantworten konnte oder wollte. Deshalb sei er ausgestiegen. Ein anderer wollte wissen, wie kompetent waren die Experten, die die Planungsfehler herausgefunden haben? Antwort Bauherrenberater: Sie sind zum Schluss gekommen, dass die Kosten wohl genügend sind. Fragen warfen die Zuordnung der Kosten, und ob alle Posten enthalten sind, auf. Votant: Dann war der Auftrag nicht klar erteilt? Antwort Bauherrenberater: «Nein, der Auftrag stimmte.»

Votant: Es stehen weitere Bauprojekte in der Gemeinde an. Was unternimmt man, damit das nicht mehr geschieht? Antwort Bosshardt: «Wir werden künftig ein Projekt-Pflichtenheft mit klaren Verantwortlichkeiten und Zuordnungen erarbeiten.» Zum Grund des Antrags erklärt der Bauherrenberater: Die Finanzkompetenz des Gemeinderats liege bei 150000 Franken. Dieser Freibetrag sei inzwischen überschritten worden. Jemand wollte wissen: «Wie viel hat der ausgestiegene Planer gekostet?» Antwort Bosshart: 23000 Franken für Architekt und Baukostenmanagement. Der Bauherrenberater ergänzt: «Die Leistung hatte er erbracht, einfach nicht die richtige.» Ein Votant wollte wissen: Wieso packt man diesen Planer nicht dort, wo es wehtut? Antwort Bosshardt: Das kritische Hinterfragen ist ihm vermutlich in den falschen Hals geraten. Deshalb wollte er nicht weitermachen. Ein Votant gab zu bedenken, dass Planungsfehler immer passieren können, «denken Sie ans Kinderspital in Zürich». Er forderte die Leute auf: «Lassen Sie den 5er gerade sein und bürden Sie dem Werkdienst nicht noch mehr Arbeit auf.» Das verfing auch in der Abstimmung: Mit offensichtlichem Mehr wird der Zusatzkredit angenommen, mit 71 zu 20 Stimmen.

Kein generelles Böllerverbot

Ähnlich engagiert verlief auch die Einzelinitiative, die ein generelles Verbot von lärmendem Feuerwerk auf dem Gemeindegebiet forderte – obschon die Polizeiverordnung, die das regelt, erst vor zwei Jahren revidiert wurde. Initiant Roland Heldner ist überzeugt, dass die Polizeiverordnung nicht greift und anstatt an zwei an mindestens zwölf Tagen Knallkörper gezündet werden. «Bei einem Verbot kann diskussionslos eingeschritten und auch die Polizei gerufen werden.» Heldner machte zudem schlechte Erfahrungen mit Jugendlichen, die er zu Rede stellte, als sie unerlaubterweise Feuerwerk zündeten.

Der Gemeinderat empfahl die Initiative jedoch zur Ablehnung. Brigitte Trinkler begründete, es sei heute schon verboten, willkürlich Feuerwerk abzubrennen. Die Polizei müsse die Leute allerdings in flagranti erwischen. Bei der Revision der Polizeiverordnung sei das Abbrennen von Feuerwerk bereits stark eingeschränkt worden. Sie stellte zudem in Aussicht, dass bald ein landesweites oder kantonales Verbot kommen könnte – sofern dies das Volk an der Urne annimmt. Dann würde auch der Verkauf untersagt. Bei einem kommunalen Verbot ist der Verkauf weiterhin erlaubt. Dies würde die Vollzug- und Kontrollproblematik für die Gemeinde erheblich erschweren und vermutlich zu einem Exodus der Böller-Fans über die Gemeindegrenze führen.

Eine Mitunterzeichnerin der Einzelinitiative sagte: «Natürlich ist es schwierig, diese Leute in flagranti zu erwischen. Aber nur weil es schwierig ist, sagen wir ja auch nicht, dass wir nun die Tempolimiten abschaffen.» Es gebe schon diverse Gemeinden im Kanton, die ein Verbot haben. Dem widersprach ein anderer: «Schlechte Erfahrungen mit einzelnen sollten nicht dazu führen, dass alle bestraft werden. Wird es verboten, werden die Betreffenden trotzdem Feuerwerk ablassen – und das jederzeit. Man kann sich als Tierbesitzer gar nicht mehr darauf einstellen.» Mit offensichtlichem Mehr von 67:26 Stimmen wird die Initiative schliesslich abgelehnt.

Keine Chance für Einzelinitiativen

Das gleiche Schicksal erlitt auch die Einzelinitiative, die die Ausgestaltung einer Baumhecke als Sicht- und Immissionsschutz der Risi-Kiesgrube für das Siedlungsgebiet der Gemeinde Knonau vorsah. Die Initianten möchten sichergehen, dass alles eingehalten wird, was von Risi versprochen wurde.

Auch diese Initiative empfahl der Gemeinderat zur Ablehnung. Denn der Gemeinderat stellt sicher, dass der kantonale Gestaltungsplan umgesetzt wird. Die operative Umsetzung soll in der Verantwortung des Gemeinderats bleiben. In seiner Argumentation konnte der Gemeinderat glaubwürdig darlegen, dass er seit einem Jahrzehnt im Austausch mit Risi und den kantonalen Stellen Zürichs und Zugs ist, damit der Gestaltungsplan dereinst Form annehmen kann. Auch diese Initiative wird deutlich abgelehnt mit 66:27 Stimmen. Die detaillierte Weisung zur Gemeindeversammlung findet sich auf knonau.ch.

Esther Breitenmoser nach 22 Jahren verabschiedet

Ähnlich wie in Hedingen mit Ruedi Fornaro wurde auch in Knonau mit Esther Breitenmoser ein langjähriges Gemeinderatsmitglied in den wohlverdienten Ruhestand verabschiedet. Die heute 70-jährige Parteilose schaffte bei der Ersatzwahl 2004 im zweiten Wahlgang einen historischen Sieg, der ihr als erster Frau den Einzug in den Gemeinderat Knonau ermöglichte. Sie übernahm zunächst das Finanzressort. Danach führte die gelernte Kauffrau im Immobiliensektor viele Jahre die Abteilung Hochbau, Liegenschaften und Verkehr. Vor acht Jahren wurde sie erstmals auch als Gemeindepräsidentin gewählt und schaffte 2022 die Wiederwahl. Breitenmoser präsidierte dabei die Baukommission durch eine Phase starker baulicher und infrastruktureller Wachstumszyklen, die die Eröffnung der Autobahn 4 durchs Knonauer Amt ausgelöst hatte. Nicht ohne die Nachhaltigkeit aus den Augen zu verlieren: Knonau ist «Energiestadt» und kantonaler Spitzenreiter im Bereich Sonnenenergie. Als Delegierte der regionalen Verkehrskonferenz setzte sich Breitenmoser für den Ausbau des öffentlichen Verkehrs ein. Daneben gründete und präsidierte sie die Kulturkommission, was alleine 96 Sitzungen ausmachte. Entsprechend lange war der Applaus. Ebenfalls auch dem Gemeinderat verabschiedet wurden Nathanaël Wenger und Claudia Bickel. Doris Trachsel tritt als RPK-Präsidentin zurück, bleibt aber im Gremium. Ganz zurückgetreten sind Fabienne Zeberli und Paul Corbett. (map)

Höhere Besoldungen für reformierte Kirchenpflege

Bei der Kirchgemeindeversammlung der Reformierten, die im Anschluss an die Gemeindeversammlung stattfand, waren noch 33 Stimmberechtigte zugegen. Präsident Maximilian Hofmann konnte sich freuen. Die Jahresrechnung, die mit einem Defizit von 14800 Franken schliesst, wurde kommentarlos gutgeheissen. Das Eigenkapital per Ende 2025 beläuft sich auf 1.181 Millionen Franken. Auch die Bauabrechnung (total 2.44 Mio. Franken) für den Umbau des Pfarrhauses gab keinen Anlass zu Wortmeldungen und wurde vom Plenum genehmigt. Sie endet mit einer Kostenunterschreitung von 54000 Franken. Allerdings wurde noch kein Einkauf der Tiefgaragenplätze getätigt, was 108000 Franken gekostet hätte. Dieser Aufwand fällt nun zu einem späteren Zeitpunkt an. Die Kostenunterschreitung würde sich damit in eine -überschreitung verwandeln. Auch das nicht ohne Grund, denn für das Geld wurde noch eine unvorhergesehene Dachreparatur erledigt. Für Erheiterung sorgte ein Intermezzo mit dem Denkmalschutz. Es ging um den Brandschutz im Versammlungsraum: Die bestehende Türe geht nach innen auf, müsste aber gemäss Brandschutz nach aussen aufgehen. Handwerker: kein Problem. Denkmalschutz: Aber die Türe ist schon immer nach innen aufgegangen. Deshalb wird eine zweite Türe eingebaut, die nach aussen aufgeht. Gelächter im Saal. Für die Amtsdauer 2026–2030 sind folgende Leute in die Rechnungsprüfungskommission (RPK) gewählt worden: Stefen Furter (Präsident), Barbara Brüniger, Paul Cobett, Johannes Leuthold und Martina Röthlisberger. Für etwas Verwirrung sorgte dann noch das letzte Geschäft des Abends, die moderate Anpassung der Besoldungsverordnung. Denn Votantin Lisette Müller stellte den Änderungsantrag, dass auch die Ressorts Gottesdienst und Erwachsenenbildung von 2000 auf 2600 Franken angehoben werden – wie das bereits für die Ressorts Liegenschaften und Finanzen vorgesehen war. Der Änderungsantrag wurde mit 17:16 angenommen und die Besoldungserhöhung in der Schlussabstimmung gutgeheissen. Um 22.25 Uhr durften dann endlich auch die Reformierten am Apéro teilnehmen, der wegen der Hitze nach draussen verlegt wurde. (map)

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