Kriminalität steigt im Amt

Starke Zunahme bei Betäubungsmitteldelikten und Einbrüchen

193 Einbrüche oder Einbruchsversuche gab es im Bezirk Affoltern im vergangenen Jahr. (Symbolbild Pixabay)

193 Einbrüche oder Einbruchsversuche gab es im Bezirk Affoltern im vergangenen Jahr. (Symbolbild Pixabay)

Die Zahl der Straftaten der letzten Jahre im Bezirk Affoltern nach Deliktgruppen aufgeteilt. (Grafik: Dominik Stierli)

Die Zahl der Straftaten der letzten Jahre im Bezirk Affoltern nach Deliktgruppen aufgeteilt. (Grafik: Dominik Stierli)

Anfang Woche präsentierte die Kantonspolizei Zürich die Kriminalstatistik des Kantons fürs 2023. Die polizeilich registrierte Kriminalität sei im vergangenen Jahr um gut neun Prozent angestiegen. Dieser Anstieg sei erwartet worden. Es werden zwei Gründe dafür geltend gemacht. In den Vorjahren hatte sich die Corona-Pandemie mässigend auf die Kriminalität ausgewirkt. Zudem nehme stetig auch die Einwohnerzahl zu. Die Marke von 100000 Straftaten gemäss dem Strafgesetzbuch wurde erstmals seit 2013 wieder überschritten. Bei den Tatverdächtigen falle die Zunahme in der Gruppe der Personen aus dem Asylbereich und der «Kriminaltouristen» mit plus 22 Prozent am stärksten aus.

Unterschieden wird in der Statistik nach Verstössen gegen das Strafgesetzbuch (StGB), dem Betäubungsmittelgesetz (BetmG) und gegen das Ausländer- und Integrationsgesetz (AIG). Wie die Kantonspolizei schreibt, machen beim StGB mit 60 oder mehr Prozent die Vermögensdelikte den Hauptteil aus. Weiter führt die Kantonspolizei aus: «Bei den Delikten gegen die Freiheit sind es vor allem Hausfriedensbrüche im Zusammenhang mit Einschleich- und Einbruchdiebstählen, die den Hauptteil der Straftaten ausmachen. Diese Zahl nimmt in den letzten Jahren wieder zu, weil sich auch die Einbrüche wieder dem Niveau vor der Pandemie annähern. Drohungen und Nötigungen nehmen ab.» Bei den Verstössen gegen das BetmG überwiegen die Übertretungen, die in der Regel mit dem Konsum von Betäubungsmitteln im Zusammenhang stehen. Verglichen mit der Anzahl Straftaten gegen das StGB seien Verstösse gegen das AIG eher selten.

Anstieg um zehn Prozent

In allen drei Deliktgruppen kam es im Bezirk Affoltern im letzten Jahr zu einem Anstieg. Beim Strafgesetzbuch stieg die Zahl der Straften von 1971 auf 2174 Straftaten, was einem Anstieg von zehn Prozent entspricht. Trotzdem bleibt der Bezirk Affoltern bei der Zahl der Straftaten fast am tiefsten im Kanton Zürich. Nur gerade der Bezirk Andelfingen weist noch etwas weniger Straftaten aus.

Insgesamt kam es im Bezirk Affoltern zu 158 Straftaten gegen Leib und Leben, was einem kleinen Rückgang von sieben Fällen zum Vorjahr entspricht. Es gab kein Tötungsdelikt. Es kam zu 530 Diebstählen (plus 130), 139 Fahrzeugdiebstählen (minus 14) und 211 Sachbeschädigungen (minus 68). In 164 Fällen wurde wegen Betrugs ermittelt. Zu Raubüberfallen mit einer Waffe kam es 2023 nicht. Bei Straftaten gegen die sexuelle Integrität blieb die Zahl stabil. Es kam zu 48 Fällen, wobei Pornografie mit 25 Delikten mehr als die Hälfte davon ausmachte. Zudem wurden acht Fälle von sexuellen Handlungen mit Kindern und fünf Vergewaltigungen verzeichnet. Es kam zu drei Brandstiftungen und 27 Urkundenfälschungen im Amt. Geldfälschende Personen gab es im Berichtsjahr keine. Beim Ausländer- und Integrationsgesetz stieg die Zahl von 84 auf 111 (plus 32 Prozent) Fälle.

Hohe Zahl schwerer Fälle

Den höchsten Anstieg im Amt verzeichneten Verfehlungen gegen das Betäubungsmittelgesetz. Die Straftaten stiegen hier um 72 Prozent auf 200 Straftaten. Damit erreichen diese wieder den Wert der Vorjahre. Die Delikte im 2022 waren mit 116 ausserordentlich tief. Trotzdem überrascht hier die Zahl der schweren Fälle. Hier wurden 18 Taten in Zusammenhang mit Besitz oder Handel registriert. Die Kantonspolizei definiert auf Nachfrage, dass in der Regel bei schweren Fällen eine bestimmte Menge an Drogen überschritten wurde. Zum Beispiel wird bei zwölf Gramm Heroin oder 18 Gramm Kokain von einem schweren Fall gesprochen. Oder auch wenn ein gewerbe- oder bandenmässiger Umgang betrieben würde. Schwere Fälle seien mit Gefängnis zu bestrafen. Auf Anfrage zum Anstieg im Bezirk Affoltern schreibt die Kantonspolizei, dass gemäss der Kriminalstatistik kein eigentlicher Grund zu erkennen sei: «Es kam in acht von 14 Gemeinden zu einem Anstieg in mindestens einer der drei Straftatenkategorien (Übertretung, Vergehen, Verbrechen). Die schweren Fälle verteilen sich mehrheitlich auf drei Gemeinden», schreibt sie dazu. Bei den schweren Fällen dürfte es sich um Einzelfälle handeln, die jeweils mehrere Straftaten generiert haben, weil zum Beispiel verschiedene Drogenarten im Spiel waren. Auch seien hier keine vermehrten Kontrollen gemacht worden. In der Regel würden schwere Fälle aus Ermittlungen gegen Drogenproduzenten oder -händler entstehen.

Mehr Einbrüche

Die Kriminalitätsstatik weist Zahlen auch für Gemeinden mit mehr als 10000 Einwohnerinnen und Einwohnern aus. Im Bezirk gibt es somit detaillierte Zahlen zur Stadt Affoltern. Bei Vergehen gemäss dem Strafgesetzbuch stieg die Zahl von 740 auf 787 Straftaten, was einem Anstieg von 6,3 Prozent entspricht. Beim Ausländer- und Integrationsgesetz stieg die Zahl von 46 auf 59 (plus 28 Prozent). Beim Betäubungsmittelgesetz überrascht die Stadt. Im Gegensatz zum hohen Anstieg über den ganzen Bezirk gesehen, gingen hier die Fälle von 66 auf 63 etwas zurück.

Nachgefragt zu einem Fazit zum Bezirk Affoltern, schreibt die Kantonspolizei: «Generell entspricht der Anstieg im Bezirk Affoltern mit Ausnahme beim BetmG weitgehend den kantonsweiten Entwicklungen». Auffällig sei die Zunahme der Einbrüche um 34 Prozent, welche höher als insgesamt im Kanton sei. Und erklärt dazu weiter: «Mehr Einbrüche haben zur Folge, dass die Kriminalitätszahlen stark ansteigen, weil zu einem Einbruch immer zwei oder drei Straftaten gehören.

Im Bezirk kam es im letzten Jahr zu 193 Einbrüchen oder Einbruchsversuchen. Im Verhältnis zu den Einwohnerzahlen waren Wettswil, Hedingen, Stallikon und die Stadt Affoltern am meisten betroffen. In diesen Gemeinden kam es zu 117 Einbrüchen oder Versuchen.

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