«Lasst uns die Kutten ablegen»
Vor 500 Jahren wurde in Kappel das erste reformierte Abendmahl gefeiert
Eine grosse Aufregung gab es vor mehr als 2000 Jahren, als Jesus auf einem Fohlen in Jerusalem einzog. Aufregung gab es auch am 29. März 1526 im Kloster Kappel, als die Mönche ihre Kutten ablegten und das erste Abendmahl in reformierter Weise feierten.
Und am vergangenen Palmsonntag herrschte in Kappel auch einige Aufregung bei der Vorbereitung eines Gottesdienstes, an dem vieles anders war als gewohnt. An dem 500-Jahr-Jubiläum des reformierten Abendmahls in Kappel feierten auch die letzten Zisterziensermönche des Klosters mit und liessen die Besuchenden an ihrem mutigen Entscheid teilhaben. Sie waren in ihren Kutten da: der Heinrich, der Jürg, der Konrad, der Rudolf, der Felix oder auch der Eulogius. Ebenso anwesend waren Abt Joner, Prior Simmler und der Scolarus Heinrich Bullinger. Gespielt wurden diese Personen von Kursteilnehmenden und Männern aus dem Oberamt. Singend zogen sie mit Stechpalmenzweigen in die Kirche ein, hinter ihnen die Gemeindemitglieder. Begleitet wurden sie von Dominic Wunderli an der Trompete und Hiromi Ikei an der Orgel. Die Mönche nahmen im altehrwürdigen Chorgestühl Platz, die Gemeinde an Festtischen. Ob es das schon einmal gegeben habe, dass man an einem Gottesdienst in der Klosterkirche an langen Tischen sitzt? Niemand konnte sich daran erinnern.
Der Beginn der Feier gehörte den Mönchen, die zusammen über den Sinn und Unsinn ihres Daseins im Kloster diskutierten. Einige redeten sich dabei richtig ins Feuer. So sagte einer: «Brüder, es ist an der Zeit, dass wir werden, wie alle Menschen.» Und nach einem weiteren Hin und Her gab schliesslich ein anderer den entscheidenden Impuls: «Lasst uns die Kutten ablegen!» Gesagt, getan. Gleich darauf hingen die Kutten an einem Kleiderständer und standen während der Feier als Symbol für den Wandel. Die ehemaligen Mönche verteilten Blumen und Kerzen auf den Tischen und setzten sich zu den Gemeindemitgliedern.
Ausgiebiges Agapemahl
In der Dialogpredigt von Pfarrerin Anne-Carolin Hopmann und Pfarrer Andreas Nufer ging es um den erstaunlichen und radikalen Schritt dieser Mönche und um die innere Verwandlung, die nach aussen sichtbar gemacht wurde. Die Mönche von Kappel hatten damals einen Lehrmeister, Heinrich Bullinger, der sehr jung und voller Feuer für die Reformation war. Er war eine treibende Kraft für die neue, nach dem Testament ausgerichtete Theologie.
Dem Ablegen der Kutten folgte das Abendmahl auf reformierte Weise. Am vergangenen Sonntag feierte es die Gemeinde jedoch nochmals anders als in gängigen reformierten Gottesdiensten. Zur Zeit Jesu sei das Abendmahl eine Agapefeier gewesen, ein gemeinsames Essen, erklärten die Pfarrpersonen. «Da wurde richtig aufgetischt und zusammen gegessen.» Auch das wurde umgesetzt. Es folgte also eine geschäftige Phase, in der alle halfen, Platten mit Brot, Früchten, Kuchen und vielem mehr auf den Tischen zu verteilen. Zu Beginn dieses Essens setzten die Pfarrpersonen das Abendmahl ein, das mit grossen, vom Laib abgebrochenen Brotstücken, und Traubensaft gefeiert wurde. Darauf folgte ein ausgiebiges gemütliches Zusammensein. In der Kirche herrschten zwar eisige Temperaturen, doch bei einer warmen Suppe und guten Gesprächen war das kaum zu spüren.








