Maschwandens Zukunft gestalten

Nach drei Workshops fast 90 Personen an der Grossgruppenkonferenz

Reger Austausch unter drei Generationen über Maschwandens Zukunft im Rahmen einer Grossgruppenkonferenz – mithilfe externer Fachberatung. Links Esther Maurer vom Büro Avventuris.  (Bild Werner Schneiter)
Reger Austausch unter drei Generationen über Maschwandens Zukunft im Rahmen einer Grossgruppenkonferenz – mithilfe externer Fachberatung. Links Esther Maurer vom Büro Avventuris. (Bild Werner Schneiter)

In Maschwanden besteht grosses Interesse an der Zukunft der Gemeinde. Gegen 90 Einwohnerinnen und Einwohner brachten an der samstäglichen Grossgruppenkonferenz und nach drei vorgängigen Workshops Ideen ein, die eine Frage beantworten sollen: Wie kann die kleinste Ämtler Gemeinde weiter bestehen? Externe Hilfe leisteten Esther Maurer und Andreas Hurter vom Zürcher Fachbüro Avventuris und Roman Dellsperger von der moderat GmbH. Die Projektleitung vonseiten der Gemeinde nehmen Chantal Nitschké und Sonja Rothert wahr. In der Projektsteuerung sind auch je zwei Mitglieder von Gemeinderat und Schulpflege involviert.

Nach dem Nein von Mettmenstetten ist das Thema «Fusion» einstweilen vom Tisch. Im Rahmen des Projekts «Maschwanden 2030» soll nun geklärt werden, mit welchen Massnahmen das 670-Seelen-Dorf möglichst eigenständig bleiben kann. Das Damoklesschwert bilden die Finanzen. Nachdem das gemeindeeigene Kieswerk während langer Zeit «den Goldesel» darstellte, ist Maschwanden seit Jahren von individuellem Sonderlastenausgleich (Isola) des Kantons abhängig. Auch stehen in den nächsten drei Jahren Investitionen von über 8 Mio. Franken in die Gemeinde-Infrastruktur an. Unabhängig davon werden kann Maschwanden nur, wenn jährlich 800 000 bis 1.2 Mio. Franken eingespart werden können. Um attraktiver für Allianzen zu werden, bedarf es Verzichtsplanung, Optimierung und neue Einnahmen – und eine deutliche Senkung der Pro-Kopf-Verschuldung (heute 3950 Franken, bis 2029 rund 10 000 Franken). Neue und gute Steuerzahlende anlocken ist unter diesen Voraussetzungen schwierig – und auch deshalb nicht einfach, weil Maschwanden die Vorgaben von Isos (Bundesinventar der schützenswerten Ortsbilder der Schweiz von nationaler Bedeutung) erfüllen muss. Damit ist ein Wachstum nur unter gewissen Voraussetzungen möglich. Zudem hat sich die Bevölkerung in der Vergangenheit für moderates Wachstum ausgesprochen.

Umnutzung des Naturbades?

Bei Kosteneinsparungen steht das Thema «Naturbad» ganz oben. Laut einer Machbarkeitsstudie müssten 2.2 Mio. Franken für eine Sanierung aufgewendet werden; der Aufwand für den jährlichen Unterhalt beträgt etwa 250000 Franken. Isola-Beiträge hierfür wurden gestrichen – genauso wie für die Bibliothek der Gemeinde. Einen vollständigen Rückbau, den der Gemeinderat ins Spiel gebracht hat, will die Bevölkerung mehrheitlich nicht. Eine Umnutzung, die mehreren Zwecken dient, steht im Vordergrund, aber sie muss für die Gemeinde zwingend kostenneutral sein. Soll das Bad weitergeführt werden, bedarf es einer neuen Trägerschaft. Eine solche soll bis 30. November gebildet werden.

Da ist aber auch von einem Naturzentrum mit regionaler Wertschöpfung die Rede, die das ausgeprägte Naturerlebnis zusätzlich bereichern können. Andere Nutzungen sind ebenso denkbar. Eine solche für sportliche Zwecke wird verknüpft mit der Forderung, öffentliche Plätze und deren Angebote besser zu koordinieren. Das gilt auch für die «Gerbi», wo auch andere Nutzungen zur Debatte stehen. Das sollte möglich sein, weil Maschwanden aktive Vereine hat und eine Bevölkerung, die sich engagiert. «Unser Tafelsilber», nannte das eine Teilnehmerin und meinte damit auch die naturnahe Umgebung. Hier wurde der Wunsch zur Bildung einer Koordinationsgruppe oder gar eines Dorf-Entwicklungsvereins geäussert. Mit Eigeninitiative, Freiwilligkeit und individuellem Engagement will man Bewährtes erhalten, aber auch Neues wagen. Es dürfe aber nicht alles der Freiwilligkeit unterworfen werden, nur um Geld zu sparen, warf jemand ein.

Sodann wurde die Bildung einer Arbeitsgruppe vorgeschlagen, die sich dem Thema «gemeindeeigene und private Liegenschaften» widmet und eine Liegenschaften-Strategie aufgleist. Das verspricht allerdings nur bei der Bildung einer Einheitsgemeinde Erfolg, die in Maschwanden erst noch beschlossen werden müsste.

«Schulbus ist ein Bedürfnis»

Auch Mobilität ist in Maschwanden Thema. «Wir kennen den Bedarf nicht», sagte Roman Dellsperger und schlug eine Umfrage vor. Der ÖV-Busanschluss für die Schule ist nicht optimal; der Schulbus wurde nach dem Bau eines Radwegs nach Mettmenstetten liquidiert. «Ein kostenloser Schulbus – allenfalls nur im Winter – würde sich lohnen. Er ist klar ein Bedürfnis», sagte Esther Maurer. Der ÖV kann in Maschwanden aber nur verbessert werden, wenn die Nutzung höher und die Bereitschaft vorhanden ist, die Kosten (ohne Steuern) zu tragen. In Spiel gebracht wurden auch ein Pilotversuch für einen selbstfahrenden Bus und eine App.

Grosse Aufgaben stehen an

Die Ideen im Rahmen von fünf Thesen fliessen nun in ein Arbeitspapier und hernach in eine Masterplanung ein. Gemeindeschreiberin Chantal Nitschké spricht von rollender Planung über mehrere Jahre, die von Gemeinde und Schule jeweils abgesegnet werden muss. Einzelne Themen lassen sich schneller umsetzen – und auch bei der Badi drängt die Zeit. «Wir haben grosse Aufgaben vor uns und müssen etwas wagen. Ich hoffe im Rahmen dieses Prozesses auf viele positive Überraschungen», sagte Gemeindepräsident Ernst Humbel in seinem Schlusswort.

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