Lebenshof Bunte Bande in Ottenbach

Fortsetzung von Lebenshof Bunte Bande gibt Tieren ein artgerechtes Zuhause

Die Schafe lieben es, zu schmusen. Thomas Ackermann nimmt sich gern Zeit.

Die Schafe lieben es, zu schmusen. Thomas Ackermann nimmt sich gern Zeit.

Beacon hat eine lange, traurige Geschichte. Dank der Hündin Megumi konnte sich der verängstigte Hund auf dem Hof einleben. (Bilder Regula Zellweger)

Beacon hat eine lange, traurige Geschichte. Dank der Hündin Megumi konnte sich der verängstigte Hund auf dem Hof einleben. (Bilder Regula Zellweger)

Eva Lehmanns Buch-Serie. (Bild zvg)

Eva Lehmanns Buch-Serie. (Bild zvg)

Farah ist erst drei Wochen in Ottenbach. Sie ist hin- und hergerissen zwischen der Neugier, Kontakt aufzunehmen, und der Angst vor schlechten Erfahrungen.

Farah ist erst drei Wochen in Ottenbach. Sie ist hin- und hergerissen zwischen der Neugier, Kontakt aufzunehmen, und der Angst vor schlechten Erfahrungen.

Eva Lehmann und Thomas Ackermann bieten Tieren auf ihrem Lebenshof Bunte Bande ein artgerechtes Zuhause sowie liebevollen Schutz und Geborgenheit. Da sind, wie bereits erwähnt, zum Beispiel Beacon und eben Buddy, der Mini-Pig-Boss. Besonders liebt er es, am Bauch gestreichelt zu werden. Seine Schwester Sunny war anfangs abgemagert und aggressiv. Erst als Eva Lehmann und Thomas Ackermann bemerkten, dass Buddy ihr das Fressen nicht erlaubte, verstanden sie die Ursache. Sie entwickelten mit viel Geduld eine Strategie, damit die Schweine schliesslich gemeinsam und in Ruhe das ausgestreute Futter schmatzend geniessen konnten.

Ausserdem leben noch zwei weitere Mini-Pigs auf dem Hof. Sie sind im Flegelalter, und es macht Spass, die kleine Rotte zu beobachten. Sie verfügen über eine breite Palette akustischer Ausdrucksmittel. Auch ihre Schwänze verraten ihre jeweilige Gemütsverfassung. Alle vier lieben Musik. Das zeigen sie mit kreisenden Schwänzen. «Wie Propeller», lacht Thomas Ackermann, der den Schweinen auch gerne ein Lied vorpfeift.

Verschmuste Schafe

Auf dem Hof leben auch Schafe. Als Negras Schwester Sereina starb, trauerten nicht nur die Tiere, sondern auch die beiden Menschen mit ihr. Negra und Seraina kamen von einem Bauernbetrieb, der sich aufgelöst hatte, und sie fanden altershalber keinen Platz mehr. Die Vorbesitzer wollten sie nicht in die Metzgerei geben. Maite, Flöckli und Leo wurden als Lämmchen von einer Frau vor dem Tod gerettet. Sie zog sie zunächst in ihrer Garage auf und mietete später einen Platz für sie. Nach zwei Jahren war sie erleichtert und dankbar, die drei Tiere dem Lebenshof anvertrauen zu können.

Die Ratten haben ein grosses Spielzimmer im Haus. Eva Lehmann baut ihnen immer wieder neue Spielwelten. Die drei Katzen leben harmonisch mit den Hunden zusammen. Eva Lehmann und Thomas Ackermann verstehen ihr Engagement für die Tiere als ein Geben und Nehmen. «Wie sehr sie uns verändern. Wie sie uns zwingen, langsamer zu werden. Genauer hinzuschauen. Nicht zu kontrollieren, sondern zu begleiten. Gerade die, die am meisten erlebt haben, sind oft die, die uns am meisten beibringen. Nicht über Training oder über ‹Funktionieren›. Sondern über Vertrauen, über Raum und über das, was entsteht, wenn man einfach da ist – mit einem offenen Herzen.»

Den Lebenshof besuchen

Eva Lehmann arbeitet nur noch zu 50 Prozent als Coiffeuse. Die Betreuung der Tiere braucht Zeit. Thomas Ackermann investiert neben seinem Beruf als Lastwagenchauffeur einen grossen Teil seiner Freizeit. Doch um einen Lebenshof zu betreiben, braucht es nicht nur Zeit, genügend Raum, artspezifische Infrastruktur und gesundes Futter. Allein für Tierarztrechnungen fielen im vergangenen Jahr 22 000 Franken an. Dank Spenden konnten 17000 Franken gedeckt werden.

Sie organisieren auch Veranstaltungen auf ihrem Hof, beispielsweise Kindernachmittage. Dort können die Kinder Geschichten lauschen, den Tieren achtsam begegnen und bei der Stallarbeit helfen. Dazu gehören ein Hundespaziergang sowie ein rein veganes Picknick auf der Weide. Auch Kindergeburtstage sind beliebt. Mehr als sechs Kinder möchten sie den Tieren jedoch nicht zumuten. Sie sind sich ihrer Verantwortung gegenüber den Kindern ebenso wie gegenüber den Tieren sehr bewusst. «Die Tiere bestimmen über Nähe und Distanz. Respektvoller und liebevoller Umgang gehört zu unseren Basiswerten.»

Eva Lehmann und Thomas Ackermann haben ihren Traum vom Lebenshof verwirklicht. Der Hof ist weit mehr als ein Hobby – er ist Ausdruck eines verantwortungsvollen und zeitintensiven Lebensstils. Ferien in der Südsee stehen für sie nicht im Fokus, sondern das Auffangen und Begleiten von Tieren mit schwierigen Lebensgeschichten. Ein Lebenshof ist ein dauerhaftes, tierleidfreies Zuhause für Tiere. Im Gegensatz zu konventionellen Bauernhöfen oder Tierheimen werden die Tiere nicht weitervermittelt. Sie dürfen ihren Lebensabend artgerecht verbringen, ohne wirtschaftlichen Nutzen erbringen zu müssen.

«Jedes Tier hat eine Seele und eine Geschichte.» Eva Lehmann hat diese Geschichten aufgeschrieben und erzählt sie in ihren Büchern «Geflüsterte Weisheiten – Tiergeschichten fürs Herz». Zwei Bände sind bereits erschienen und handeln von den Tieren, denen man auf dem Lebenshof begegnen kann. Sie erzählt in ihrem eigenen, emotionalen Stil und erläutert im Nachwort ausführlich ihre Haltung zur Tierhaltung. Dabei zeigt sie sich als aufmerksame Beobachterin mit grosser Offenheit und dem Wunsch, den Dingen auf den Grund zu gehen. Die beiden Bücher sind reich illustriert – mit KI-generierten Bildern sowie Fotografien von Eva Lehmann. Wer ein Buch bestellen, den Lebenshof besuchen oder den Verein unterstützen möchte, findet weitere Informationen unter www.lebenshofbuntebande.ch.

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