Projekte, so vielfältig wie die Interessen der Schülerinnen und Schüler

An der Sekundarschule Ennetgraben in Affoltern stellten die dritten Klassen ihre diesjährigen Projektarbeiten aus

Elia Streiff mit seinem Modell des Stadions Letzigrund. (Bilder Marcus Weiss)

Elia Streiff mit seinem Modell des Stadions Letzigrund. (Bilder Marcus Weiss)

Eline Schwarz knüpfte für ihr Projekt eine Hängematte in Makramee-Technik.

Eline Schwarz knüpfte für ihr Projekt eine Hängematte in Makramee-Technik.

Noah Kull hat seine Fernfahrt mit dem Mofa für das Projekt dokumentiert.

Noah Kull hat seine Fernfahrt mit dem Mofa für das Projekt dokumentiert.

Melanie Stalder mit ihren Aquarellbildern zum Thema Kapellen.

Melanie Stalder mit ihren Aquarellbildern zum Thema Kapellen.

«Sport trotz Asthma» lautet der Titel des Projekts von Abdou Iten.

«Sport trotz Asthma» lautet der Titel des Projekts von Abdou Iten.

Nora Helfer untersuchte in ihrem Projekt den Einfluss von Social Media auf die Psyche von Jugendlichen.

Nora Helfer untersuchte in ihrem Projekt den Einfluss von Social Media auf die Psyche von Jugendlichen.

Die Hitzewelle ist auf ihrem Höhepunkt angelangt, als am frühen Donnerstagabend der vergangenen Woche die Präsentation der Projektarbeiten auf dem Pausenplatz der Schule Ennetgraben beginnt. Trotz Temperaturen von weit über 30 Grad herrscht eine fröhlich-erwartungsfrohe Stimmung, ein regelrechtes Gewusel ist zwischen den zahlreichen aufgebauten Ständen im Gange. Man spürt, dass sich die Schülerschaft auf diesen Moment gefreut hat, schliesslich geht es darum, etwas vorzeigen zu können, woran man während Monaten mit Herzblut gearbeitet hat. Bevor es zu den eigentlichen Resultaten und ihren Schöpfern geht, erklärt Kathi Wanner, Leiterin Projektunterricht an der Schule, die Hintergründe dieser in mancher Hinsicht etwas an eine Berufswahlmesse erinnernden Schau. «Die Veranstaltung heute ist in erster Linie für Eltern, Familie und andere nahestehende Personen, aber auch für ehemalige Schülerinnen und Schüler gedacht, denn die Experten haben die Projektarbeiten bereits gestern begutachtet», führt sie aus. Im Verlauf des Tages hätten bereits erste Notenbesprechungen stattgefunden.

Vom Stadionnachbau bis hin zum Psychologieprojekt

Beim Rundgang über den Platz sticht an einem Stand das in leuchtendem Rot und Blau bemalte Modell des Zürcher Letzigrund-Stadions ins Auge. Gebaut hat es der Sekundarschüler Elia Streiff. «Ich bin ein grosser Fan des FCZ und wollte am Schluss etwas haben, was mit meinem eigenen Hobby zu tun hat und was ich später zu Hause aufstellen kann», berichtet er. Nebst den dafür vorgesehenen Schullektionen habe er auch noch viele Stunden seiner Freizeit ins Projekt investiert. «Die Geometrie des Originalstadions, das teilweise in den Boden eingelassen ist, hat es für mich ziemlich knifflig gemacht, dieses Modell umzusetzen», so der Schüler. Obwohl die Stützen des Tribünendachs sich nicht exakt so nachbauen liessen, wie er sich dies gewünscht hätte, ist Elia mit seinem Holzmodell zufrieden. Ebenfalls ein für die visuelle Betrachtung gedachtes Werk hat Melanie Stalder geschaffen. Es handelt sich um eine Serie von Aquarellbildern, die Kapellen im Gebirge zeigen. «Ich wandere sehr gerne, und Kapellen in der Landschaft haben mich dabei immer fasziniert», schildert sie ihre Motivation. So habe sie eigens für das Projekt vier Bergwanderungen unternommen und anhand der dort aufgenommenen Fotos ihre Kapellen-Aquarellbilder gemalt. Um die Weitergabe eigener Erfahrungen geht es im Projekt «Sport trotz Asthma» von Abdou Iten. «Ich mache selbst Vierkampf auf Wettkampfniveau, mit dem Team habe ich bereits mehrfach den ersten Platz an der Schweizer Meisterschaft belegt, im Einzel im Jahr 2025 Platz zwei», führt er aus. Wie er dies alles mit seiner Asthma-Erkrankung unter einen Hut bringen kann, davon handelt seine Mut machende Dokumentation. Um Erfahrungen ganz anderer Art dreht sich das Projekt von Noah Kull. «Ich wollte unbedingt etwas im Zusammenhang mit meinem Mofa machen, mein Vater brachte mich dann auf die Idee einer Fernfahrt», erzählt er. Auf seiner akribisch dokumentierten Mofareise nach Lausanne seien dann nicht wie erwartet sprachliche Hürden die grosse Herausforderung gewesen, sondern vielmehr Schwierigkeiten wetterbedingter Natur. Ein hochaktuelles Thema, nämlich wie Social Media die Psyche von Jugendlichen beeinflusst, hat Nora Helfer in ihrem Projekt untersucht. «Besonders überrascht hat mich, wie unterschiedlich sich die sozialen Medien auf Jungs und Mädchen auswirken, mein Resultat zeigt, dass Mädchen weitaus stärker unter den negativen Aspekten der Netzwerke leiden», so ihr Fazit. Ein im wahrsten Sinne des Wortes tragfähiges Ergebnis hat die Sekundarschülerin Eline Schwarz an der Projektausstellung vorzuweisen: Sie knüpfte mit der sogenannten Makramee-Technik eine Hängematte. «Sie besteht aus vierzehn Fäden», erklärt sie im Gespräch.

«Es ist eine Art Generalprobe für die Vertiefungsarbeit in der Berufslehre»

Im schon vor einigen Jahren schweizweit eingeführten Fach Projektunterricht, das in den dritten Klassen aller Anforderungsstufen eine wichtige Komponente des Lehrplans darstellt, geht es um mehr als «klassischen Schulstoff». Vielmehr steht die Förderung verschiedener Kompetenzen, die im Leben eines jungen Erwachsenen von zentraler Bedeutung sind, im Zentrum. «Einerseits wird die Selbstständigkeit gefördert, andererseits aber auch der Mut, nach aussen zu treten, seine Anliegen zu vertreten und gegebenenfalls Unterstützung anzufordern», so Kathi Wanner. Dies bereite auch auf die Lehre vor und sei so etwas wie eine «Generalprobe» für die Vertiefungsarbeit, die den Abschluss einer jeden Berufslehre bildet. Jeweils vor Weihnachten im letzten Sekundarschuljahr müsse der Antrag eingereicht werden, was man gerne machen möchte, wie man das Projekt umzusetzen gedenke und was die Motivation dahinter sei. «Von Januar bis Ende Mai steht dann jeweils eine Doppellektion pro Woche für das individuelle Vorhaben zur Verfügung, regelmässige Dokumentationen – auch mit Fotos – stellen sicher, dass am Schluss wirklich alle ein fertiges Projekt vorzuzeigen haben.» Dies ist gelungen, wie es der Rundgang über den Pausenplatz eindrucksvoll unter Beweis gestellt hat. Besonders hervorzuheben ist dabei, dass Schülerinnen und Schüler der Sekundarstufe aller Niveaus beim Projektunterricht mit dabei sind, wie Schulassistentin Mareli Mulders betont. So dürfen alle an dem Erfolgserlebnis teilhaben, selbst etwas erarbeitet zu haben, das ausstellungs- und bestaunungswürdig ist.

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